Frau auf Fahrrad

Buchrezension – Odyssee ins Glück – Als Rad-Nomaden um die Welt

Dieses Buch lässt euch für eine kurze Zeit den Klausurenstress vergessen und nimmt euch mit auf eine Weltreise der anderen Art…

Kennt ihr dieses Gefühl, einfach mal alles hinter sich lassen zu wollen, all die Verpflichtungen und Termine zu vergessen und sich hinaus ins Ungewisse zu stürzen? Ein Verlangen, nur das nötigste an Utensilien einzupacken und raus in die Welt zu gehen, um sich völlig ohne Zeitdruck in neue Erfahrungen und Abenteuer zu stürzen?

Kein Rückflug

Dorothee Krezmar und Kurt Beutler haben sich diesen Wunsch erfüllt. Die beiden passionierten Radfahrer lernten sich 1994 in Patagonien (Argentinien) kennen und merkten schnell, dass dies nicht ihre letzte gemeinsame Tour werden sollte. Dass sie sich aber tatsächlich genau vier Jahre später auf eine unvergessliche Radtour um die Welt begeben würden, damit hätten beide damals nicht gerechnet. Der wichtigste Punkt bei dem ganzen Vorhaben war dabei für sie nur eins: kein Rückflugticket!

 

Und so radelten die promovierte Biologin und Krankenschwester aus Köln und der Schweizer Elektromonteur im Nachhinein ganze 10 Jahre um den Globus, bevor sie 2008 wieder nach Deutschland zurückkehrten. Jeden Abend wurde fleißig Tagebuch geführt, um bloß keine Details wieder zu vergessen. Daraus entstand schließlich dieses mitreißende Buch, das mal aus ihrer und mal aus seiner Perspektive von den Erlebnissen ihres vergangenen Jahrzehnts berichtet.

 

Weite Reise

Ganze 160.000 Kilometer legten sie auf ihrer Reise zurück. 58 Länder und 5 Kontinente durchquerten sie. Eine Statistik, die kaum glauben lässt, dass ihnen auf der Strecke ein und dieselben Räder standgehalten haben, wenn man von dem unvermeidbaren Verschleiß absieht.

 

Den Drahtesel als Reisemittel zu nehmen, stellte sich als optimale Option heraus, um neue Kulturen und Menschen kennenzulernen. Man bemerkt, dass es nicht vieler Dinge benötigt, um auf Dauer auszukommen. Was auf dem Fahrrad Platz fand, kam mit, und was nicht, das blieb eben Zuhause. Oder wer hätte schon Lust,unzählige Meilen mit einem kompatiblen Gasherd auf den Rücken gebunden zu radeln? Dorothee und Kurt berichten nicht nur von ihren Erlebnissen, sondern geben gleichzeitig auch Tipps und Anmerkungen, wie man selbst über seinen eigenen Schatten springen und sich vorbereiten kann, um so eine Reise möglich zu machen.

 

Nicht immer reibungslos

Was nach unendlich viel Spaß und Action klingt, bedarf nämlich auch einiges an Durchhaltevermögen. Es bleibt zu betonen, dass die Beiden sehr erfahrene Radfahrer sind, die eine gewisse Kondition und notwendiges Wissen für so einen Trip mit sich brachten. Und dennoch mussten natürlich auch sie mit so einigen Tücken und Tiefschlägen kämpfen. Neben Ländergrenzen, mussten auch Grenzen im Kopf überschritten werden, um immer wieder die Kraft aufzubringen weiterzufahren, auch wenn die Gesundheit oder das Wetter es eigentlich nicht zuließen. Zerfetzte Zelte im Nirgendwo von Afrika und Platten auf der Autobahn in Teheran zählten hier und da noch zum kleineren Übel. Trotz alldem überwiegen natürlich die schönen Kapitel. Man lernt unglaublich viel über die Lebensweisen anderer Nationen. Besonders die Gastfreundschaft, die den Radlern entgegengebracht wurde, ist erstaunlich. Ich persönlich änderte nach dem Lesen teilweise meine Sicht auf manche Länder, die man durch andere Medien zuvor ganz anders präsentiert bekommen hatte…

 

Fazit

Es gibt ein schönes Zitat, das besagt: „Ich reise nicht, um vor dem Leben davonzurennen. Ich reise, damit mir das Leben nicht davonrennt.“ Dieses Zitat haben Dorothee und Kurt meiner Meinung nach auf beeindruckende Art verinnerlicht. Es mag bestimmt Autoren geben, die einen herausragenderen Schreibstil zu bieten haben. Aber dieses Buch fesselt und verleitet zum Weiterlesen. Und ist es nicht das, was gute Literatur ausmacht?

 

Wer noch ein Stück mit den beiden „mitradeln“ möchte, wenn auch nur mental, findet unter www.reducespeed.de weitere Informationen und erfährt auch, wie sie nach ihrer Reise wieder in den Alltag zurückgefunden haben.

 

Bild: Lizenz: CCo Public DomainQuelle: pixybay – Autor: skeeze

Viktoria von Bremen

Du möchtest weiterlesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.