„Fire and Fury“ – Ein folgenreicher Bestseller für das Weiße Haus

Immer mal wieder gibt es Bestseller, die die Menschen fast manisch in die örtlichen Buchhandlungen treiben. Man erinnere sich an die Harry-Potter-Romane, wo Menschenmassen schon Tage vor Erscheinen von J. K. Rowlings Magie-Saga vor den Läden kampierten. Gelegentlich schaffen dies sogar auch Bücher abseits fiktiver Fantasy-Welten: Fire and Fury – Inside the Trump White House des amerikanischen Journalisten Michael Wolff sorgt dieser Tage für Furore und lange Wartezeiten bei der Buchbestellung. Vor allem der Rücktritt von Donald Trumps Ex-Strategen Steve Bannon von der Leitung der rechtspopulistischen Internet-Plattform Breitbart News Network am 9. Januar 2018 zeigt, welchen Einfluss eine solche Publikation haben kann. Wir werfen einen Blick ins Buch und auf dessen Folgen.

Zunächst gestaltet es sich schwierig, überhaupt ein Exemplar von Fire and Fury zu erhalten. Michael Wolffs Buch, das eigentlich am 9. Januar weltweit erscheinen sollte, wurde aufgrund der hohen Nachfrage in den USA bereits am 5. Januar veröffentlicht. In den USA mussten sich die Leser sowohl beim Kauf oder der Bestellung in der Buchhandlung als auch über das Internet auf sehr lange Wartezeiten einstellen. Selbst hierzulande konnten sich viele Interessenten kein Exemplar mehr zum Release-Termin sichern. In Siegen etwa gibt es keine Buchhandlung, die auch nur eine Hand voll Exemplare im Verkaufsgeschäft bereitlegte, da alle Ausgaben bereits über ihre eigenen Online-Portale verkauft wurden. Alle Kunden, die nun eine Printausgabe von Fire and Fury erhalten wollen, müssen eine Wartezeit von mindestens drei Wochen in Kauf nehmen. Für jeden, der nicht so lange warten will, kann das E-Book eine Alternative bieten. Dieses ist über verschiedene Internet-Shops stets verfügbar.

Plötzlicher Erfolg für gleichnamiges Buch über den Zweiten Weltkrieg

Wie hoch die Nachfrage nach Fire and Fury ist, zeigt etwa die geschichtswissenschaftliche Publikation des britischen Politikwissenschaftlers und Historikers Randall Hansen aus dem Jahr 2008. Seine Schrift Fire and Fury – the Allied Bombing of Germany 1942-1945 stürmte ebenfalls die Bestseller-Listen. Da sein Werk inhaltlich mit dem von Michael Wolff nichts gemein hat und bereits knapp zehn Jahre alt ist, kann man annehmen, dass viele Käufer dieses für Wolffs Neuerscheinung hielten.

Doch was steht nun dem in Buch von Michael Wolff, dessen Veröffentlichung der amtierende US-Präsident bis zuletzt zu verhindern versuchte? Fire and Fury möchte einen Einblick in die Geschehnisse im Weißen Haus unter der Regierung Donald Trumps geben. Dabei stehen vor allem das Verhalten und die Beziehungen des Präsidenten zu seinen Untergebenen im Vordergrund. Dem Leser soll vermittelt werden, wie Donald Trump denkt und seine Entscheidungen fällt. Michael Wolff bezieht sich dafür größtenteils auf anonyme Quellen, die angeblich noch heute innerhalb des Weißen Hauses arbeiten. Das Buch deckt etwa den Zeitraum zwischen Wahlkampf, Wahlsieg und dem politischen Geschehen bis August 2017 ab.

Einblicke in die Machtkämpfe unter Trumps engsten Mitarbeitern

Neben Donald Trumps Persönlichkeit steht vor allem die Entwicklung der Beziehungen zwischen seinen Beratern Steve Bannon, Reince Priebus und seinem Schwiegersohn Jared Kushner im Mittelpunkt. Hatten diese noch im Wahlkampf eng zusammengearbeitet, entstand nach dem Einzug in das Weiße Haus ein bitterer Konkurrenzkampf unter den Dreien. Laut Wolff waren sie diejenigen, die der Regierung Vorschläge unterbreiteten, während der US-Präsident diese absegnete oder verwarf. Sie waren es, die effektiv versuchten zu regieren, während Trump keinen Funken seiner Macht an sie abgeben wollte. Jedoch buhlten alle Beteiligten in ihrer Konkurrenz um die Gunst des US-Präsidenten. So entstanden nur noch einzelne Vorschläge, von denen sie wussten, dass sie mit Trumps Weltanschauung konform gingen.

Weiterhin behauptet Wolff, Trumps Wahlkampagne sei nur dazu da gewesen, um sich ins Rampenlicht stürzen zu können. Er selbst habe sich während der Kampagne mit „Vollidioten“ umgeben und niemals gewinnen wollen. Sein Wahlsieg sei letztlich ein Versehen gewesen. Viele der Beschreibungen im Buch bewegen sich auf sehr privater Ebene: Die Ehe der Trumps existiere nur auf dem Papier, so Wolff, da sich Donald und Melania aus dem Weg gingen. Was klingt wie uraltes Klischee, sei ­– zumindest in Wolffs Augen – Realität: Melania habe ihren Mann nur des Geldes und Luxus wegen geheiratet.

Donald Trump wird zudem wie ein kleines Kind dargestellt, das unfähig ist, schwierige Entscheidungen zu treffen. So könne er sich den ganzen Tag mehr darüber aufregen, dass ihm morgens im Badezimmer des Weißen Hauses kein Bademantel bereit gelegt wurde, als sich um wichtige Belange zu kümmern. Ebenfalls ziehe er es vor, bei der Fastfood-Kette McDonalds zu essen, da er Angst habe, anderswo vergiftet zu werden.

Viele Behauptungen sollten mit Vorsicht genossen werden

Gerade aufgrund von Bemerkungen wie den eben genannten sollte jeder Fire and Fury mit Vorsicht lesen. Zwar bestätigt sich das Bild, das wir über die Medien von Donald Trump vermittelt bekommen, viele Aussagen im Buch werden von Michael Wolff allerdings in keiner Weise belegt. Ebenso zitiert Wolff viele Gespräche, bei denen er selbst gar nicht anwesend war. Auch die Fokussierung auf Steve Bannon, der durchaus gut wegkommt (wobei dies nicht für seine Wortwahl in zitierten Gesprächen gilt), lässt vermuten, dass dieser eine der Hauptquellen des Buches war. Da der Chefstratege des Weißen Hauses am 18. August 2017 von Trump seines Amtes entbunden worden ist, ist Bannon auf Trump nicht gut zu sprechen.

In der „Fake News Debatte“ wirft Michael Wolff Trump zudem vor, seine Quellen anonym zu halten, während er dies in seinem Werk ebenfalls tut. Der Quellenschutz ist zwar ein wichtiger Pfeiler journalistischer Arbeit, gelegentlich hinterlässt er hier jedoch einen gewissen Beigeschmack in Hinsicht auf etwaige Übertreibungen des Autors.

Dennoch: wer sich nicht an dem Boulevardjournalismus, den das Buch in Teilen verkörpert, stört, kann sich von Fire and Fury unterhalten und einen Einblick in das Weiße Haus verschaffen lassen – wenn man denn genug Reflexion walten lässt. Um einen Überblick zu bekommen, sollte man sich jedoch vor oder während des Lesens mit dem Stab von Trump beschäftigen. Viele der genannten Namen sind den meisten deutschen Lesern völlig unbekannt, da sie hier in den Medien kaum genannt werden.

Fire and Fury hinterlässt schon jetzt seine Spuren

Welche Folgen letztendlich aus Fire and Fury hervorgehen werden, lässt sich noch nicht vollends absehen. Das aktuell wohl wichtigste Ereignis, das die Veröffentlichung des Buches ausgelöst hat, ist der Rücktritt Steve Bannons von der Leitung des Online-Portals Breitbart News Network. Bannon war die Bindung zur rechts-konservativen Grundwählerschaft von Donald Trump und hat sich während seiner Amtszeit von dem US-Präsidenten immer weiter entfremdet. Das Erscheinen von Fire and Fury und Bannons Mitarbeit war schließlich der Grund, warum dieser für Breitbart News Network und dessen Zielgruppe nicht mehr haltbar war.

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