Black Mirror: Der mediale Spiegel unserer Gesellschaft?

Menschen, die nach dem Tod ewig weiterleben können. Eine Gesellschaft, in der es nur um Beliebtheit und gute Bewertungen geht. Und eine Mutter, die ihrem Kind einen Chip in den Kopf pflanzt. All diese Dinge zeigt einem die gehypte Serie Black Mirror, die einen trotz der düsteren fiktiven Darstellungen nachdenklich macht und einen die eigene Realität in Frage stellen lässt.

Seit 2011 setzt sich die britische Science-Fiction-Serie Black Mirror von Charlie Brooker mit Technik und Medien auseinander – genauer gesagt mit den verschiedensten Auswirkungen und Konsequenzen ebendieser auf die Gesellschaft und die Psyche ihrer Mitglieder. Der Titel beschreibt die schwarzen Spiegelflächen technischer Medien, wie die eines Fernsehers, eines Computers oder eines Smartphones. Die vierte Staffel ist nun auch in Deutschland im Dezember auf Netflix erschienen.

Technische Medien spielen heutzutage in der Gesellschaft eine große Rolle und sind fast gar nicht mehr wegzudenken. Wer heute kein Smartphone besitzt gilt als Exot. Häuser sind vom Kühlschrank bis zum Türschloss durchprogrammiert. Der erste Blick ihrer Bewohner fällt morgens meist auf den Laptop oder das Handy. Manchmal könnte man meinen, dass wir einen Teil unserer Seelen an diese Medien abgeben. Und genau diese Abhängigkeit unserer Gesellschaft vom technologischen Fortschritt wird in Black Mirror thematisiert – wenn auch auf sehr pessimistische Art und Weise. Die Medien beeinflussen die Psyche der Charaktere nämlich so stark, dass sie sie ganz und gar kaputt machen und völlig verrückt werden lassen, sodass diese in manch einer Folge beginnen, sich moralisch verwerflich zu verhalten.

Belustigend und schockierend zugleich

Zwar sind die Handlungen der Serie fiktiv; schon beim Schauen der ersten Staffel merkt man, dass die Handlungen nicht die aktuelle Realität widerspiegeln und die medial geschaffenen Möglichkeiten nicht wirklich existieren – zumindest noch nicht. Denn der Bezug zur Wirklichkeit ist sehr deutlich. So behandelt die Serie unter anderem das Thema Social Media-Wahn, der zu einem höheren Ansehen von Menschen mit mehr Followern und somit größerer Beliebtheit führt. Je mehr Sterne die Figuren der Folge in ihren Profilen aufweisen, desto stärker werden sie von anderen respektiert. Andere Themen sind beispielsweise Telepathie, Leben nach dem Tod, Kontrolle und Macht. Auf der Grundlage einer pessimistischen Zukunftserwartung werden diese und ihre zugrundeliegenden Medien zum Teil belustigend, zum Teil aber auch schockierend dargestellt.

Black Mirror ist anders aufgebaut, als man es gewohnt ist. Während die Geschichten von Werken wie Game of Thrones, Prison Break, Pretty Little Liars etc. von Episode zu Episode über mehrere Staffeln hinweg aufeinander aufbauen, so erzählt Black Mirror mit jeder Episode eine eigene, in sich abgeschlossene Handlung mit Charakteren von Kindern bis Senioren, unterschiedlichen Schauplätzen und Szenarios sowie verschiedensten Realitäten. Im Grunde haben die einzelnen Episoden also keine wichtige Verbindung zueinander, sodass man alle Folgen wild durcheinander schauen könnte, falls man das möchte.

Black Mirror führt uns die Macht der Medien vor Augen

Doch trotz der Unabhängigkeit der Folgen zueinander zieht Black Mirror den Betrachter in seinen Bann. Der technische Fortschritt vollzieht sich wie ein rasender Zug, der keine Bremse kennt. Eben dort besteht die fesselnde Verbindung zur Realität der Zuschauer. Immer wieder werden neue Technologien auf den Markt gebracht, die Menschen faszinieren. Und es ist ganz klar, dass Medien unsere Leben und unsere Persönlichkeiten schon jetzt enorm beeinflussen. Zwar glauben wir daran, dass die Digitalisierung uns bereichert und viele Vorteile mit sich bringt, doch bemerken wir auch hier und da auch die Nachteile des technischen Fortschritts.

Diese Vernarrtheit in Medien – und ja, man kann eigentlich schon von Abhängigkeit sprechen – lässt uns jetzt schon Dinge tun, über die man vor einigen Jahren vermutlich nur stirnrunzelnd den Kopf geschüttelt hätte. Beziehungen beginnen oft digital, über Apps wie Tinder oder Lovoo. Menschen schweigen, weil sie es bevorzugen, über technische Nachrichten Konversationen zu betreiben. Überwachungskameras vermitteln einem das Gefühl von Sicherheit, obwohl sie einen als potentiell Verdächtigen beobachten. Mit Black Mirror bekommen wir genau diese Macht, die technische Medien über uns Menschen haben, vor Augen geführt.

Black Mirror repräsentiert die Idee einer von der Technik beherrschten Welt. Die Serie ist gerade deshalb so unheimlich und fesselnd, weil die dargestellte manipulierbare Gesellschaft schon jetzt in unserer Gegenwart auf eine Art und Weise ihren Platz gefunden hat. Sie stellt uns vor die Tatsachen einer unveränderlichen Zukunft. Denn auch wenn Black Mirror das Thema der technischen Medien überspitzt behandelt, ist klar, dass uns in der Zukunft noch einige Medien überraschen werden, die wir nicht für denkbar gehalten hätten.

Photo by Tim Mossholder on Unsplash

 

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