Bald im Kino: ES Kapitel 2

Zwei Jahre sind vergangen als uns Regisseur Andy Muschietti mit Unterstützung des Grusel-Clowns Pennywise zum ersten Mal das Fürchten gelehrt hat. Und nun sind 27 Jahre vergangen seit den Geschehnissen des Sommers 1989, nachdem sich der Losers Club von Derry versprochen hat, dass sie in ihre Heimatstadt zurückkehren werden, um sich erneut der Gefahr des Bösen und ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Doch hält die Fortsetzung der Stephen King Adaption auch sein Versprechen? Dies erfahrt ihr in unserer Kritik vorab des Kinostarts von ES Kapitel 2.

Losers are back.

Als es in Derry nach fast drei Jahrzehnten wieder zu unheimlichen Verschwinden und Morden kommt, wird es Zeit zurückzukehren. Mike (Isaiah Mustafa), der als einziges Mitglied des Clubs der Verlier noch in der Heimat wohnt, erinnert infolgedessen die anderen Mitglieder (u.a. James McAvoy und Jessica Chastain), die sich mittlerweile in erfolgreichen Jobs befinden, an ihren Blutschwur, den sie sich gegenseitig gegeben haben. Konfrontiert mit der Vergangenheit muss die Bande einige schreckliche Offenbarungen hinnehmen. Und dann gibt es da auch noch Pennywise, der den Club erneut mit gruseligen Erscheinungen terrorisiert. Gemeinsam müssen sie dem Ursprung des Bösen (wortwörtlich) auf den Grund gehen.

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast

Der Vorgänger des Horrorfilms glänzte vor allem mit engagierten Kinderdarstellern, die untereinander eine erfrischende Chemie erzeugen konnten und fiel eher negativ mit generischen Jump Scares auf. Diese Formel lässt sich auch gut auf ES Kapitel 2 anwenden. Der Cast ist mit hochkarätigen Schauspielern hervorragend bestückt und hat mit James McAvoy und Jessica Chastain gestandene Mimen vor der Kamera. Show-Stealer ist allerdings in nahezu jeder Szene Bill Hader als Richie, der, wie auch im ersten Teil, für die Mehrheit der Lacher verantwortlich ist. Die Gags pendeln allerdings zwischen gut getimter Pointe und deplatziertem Kommentar, der sich nicht harmonisch in die Stimmung einfügen lässt. Letzteres ist wohl eine klassische Krankheit von Mainstream-Horrorfilmen.

Das grobe Schema des Vorgängers wird vom argentinischen Regisseur auch im hiesigen Part durchgezogen: Der Club der Verlierer findet sich (wieder), die einzelnen Mitglieder müssen sich den Kampf mit individuellen Erscheinungen stellen und zwischendurch kriselt die Gruppe, aufgrund von verschiedenen Gefühlen und Motivationen. Auch wenn dies immer mal wieder unterhaltsam ist, hätten 30 Minuten weniger dem Film definitiv gutgestanden, um repetitive Sequenzen zu vermeiden. Regisseur Muschietti versucht mit zahlreichen Rückblenden, die größtenteils für Kapitel 2 nachgedreht wurden, die aktuellen Geschehnisse in einen homogenen Einklang zu bringen. Dies weckt zwar einige nostalgische Erinnerungen und soll den Charakteren ihre traumatische Vergangenheit zurückbringen, wirken jedoch oftmals erzwungen, um lediglich die Handlung bis zum Ende zu tragen.  Dies mag zwar an Kings literarischen Vorlage liegen, verliert aber nach knapp drei Stunden Laufzeit seinen Reiz.

Let’s scare again. Like we did last summer.

Den generischen Handlungsverlauf eines Horrorfilms konnten wir schon in Muschiettis Erstlingswerk Mama erkennen, die visuellen Elemente saßen dort allerdings schon. Und auch in ES Kapitel 2 wird mit schaurigen Gestalten und obskuren Effekten nicht gespart. Die Special Effects der Kreaturen variieren und gehen von beeindruckenden Gruseleinfällen (nette Szene rund um eine ältere Dame) bis hin zu unfreiwillig komischen Einlagen, wenn z.B. eine (un)tote Figur Auto fährt. Störend sind die zahlreichen, unnötigen Jump Scares, die der Film nicht nötig hat, weil das Setting und die Inszenierung stimmig genug sind. Bisweilen erinnert die Atmosphäre, aufgrund der raschen Abfolge der Horroreinlagen, an ein Gruselkabinett auf einem Rummelplatz.

‚‚I didn’t like the ending.‘‘

Dass gerade der Schlussakt dann überraschungsarm und lieblos ausfällt, ist in Anbetracht der Tatsache, dass der Film dies selbstironisch und auf der Metaebene kommentiert, zwar konsequent, allerdings genauso enttäuschend. Hier erhält zwar Pennywise seinen großen Auftritt im Film, der sonst überraschend wenig prägnante Screentime bekommt, vor dem anhaltenden Ausspruch kann sich aber auch der Horrorclown nicht verstecken: Bigger is not always better.

 

Fazit

Die King-Saga endet zwar nicht mit einem Feuerwerk, einzelne Szenen wissen allerdings zu überzeugen. Anhänger des ersten Kapitels von Andy Muschietti können sorglos ihre Kinokarte zücken, denn die Formel des Vorgängers wird gnadenlos, allerdings in pompöserer und längerer Weise, durchgezogen. Man darf sich also wieder auf amüsante One-Liner, einfallsreiche Gruseleinlagen (trotz zahlreicher Jump Scares) und eine dynamische Chemie des Schauspielgespanns freuen. Der Film erkrankt leider an den Schwächen des ersten Teils und 30 Minuten Straffung hätten für einen runderen Gesamteindruck gesorgt.

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