Act up! Englischsprachiges Theater der Universität Siegen The Desperate Thespians behind the curtain

“Acting is happy agony” sagte der französische Philosoph Jean-Paul Satre einst ganz allgemein über die Schauspielkunst. “Schauspiel ist glückselige Qual”, was soll das bedeuten?

Schauspiel erlaubt es einem, jemand anderes zu sein, doch damit dieser „jemand“ auch für Zuschauer greifbar wird, muss man fühlen und denken wie jemand anderes. Es ist auf seine ganz eigene Art und Weise herausfordernd, denn man muss seine eigenen Grenzen sprengen und sich der „Qual“ stellen, jemand anderes zu werden. Der Lohn ist ein einzigartiges Gefühl von Freiheit und Glückseligkeit.

Die Desperate Thespians der Universität Siegen sind eine Theatergruppe, die genau diese Agonie nicht scheut,   wenn aus dem Geschriebenen Lebendiges wird. Die Regisseurinnen und Produktionsleiterinnen Maria Severin, die ebenfalls Anglistik an der Universität lehrt, und Nadine Sucharda gewähren einen Einblick in die Arbeit der englischsprachigen Gruppe und berichten von ihren Erfahrungen.

Uni-Theater auf hohem Niveau

Seit 11 Jahren gibt es die Desperate Thespians, die englische Theatergruppe der Universität und darüber hinaus die einzige im Siegerland. Die Gruppe besteht aus Dozenten und Studierenden der Universität Siegen. Sechs bemerkenswerte Stücke wurden bereits von Ihnen auf die Bühne gebracht, darunter „Who‘s afraid of Virgina Woolf“ von Edward Albee und „The God of Hell” von Sam Shepard.

In diesem Jahr arbeiten die verzweifelten Darsteller an „Endgame“, einem Drama von Samuel Beckett. Verzweifelt sind auch die Figuren des Stücks. Die menschliche Natur und der Sinn von „Überleben“ und „lebendig sein“, die Frage nach Glück und Unglück, sowie die Bedeutung von Mitgefühl und menschlicher Beziehung werden in diesem Einakter dargestellt. Wer sich von den Thespians und ihrem Können überzeugen möchte, sollte sich „Endgame“ nicht entgehen lassen.

Wie es ist, eine Theaterproduktion von der Wiege an zu planen und umzusetzen und welchen Mehrwert es letztlich hat, erfahren wir in einem Interview mit den Köpfen der Thespians, Maria Severin und Nadine Sucharda.

 

Was war Ihre Motivation bei der Gründung der Desperate Thespians?

Maria Severin: Ich habe mich schon immer für Theater begeistert und hatte als Schülerin regelmäßig auf der Bühne gestanden, seitdem an der Uni insbesondere eine englischsprachige Theatergruppe vermisst. Das Studium der Anglistik war und ist meine Leidenschaft und mir ist es immer wichtig, Literatur nicht als totes Objekt zu betrachten, das es zu analysieren geht. Um Literatur zu verstehen, muss man sie auch ein Stück weit „leben“. Spätestens nach meinem Studium in England war es für mich an der Zeit in der Richtung weiter zu suchen und glücklicherweise kam genau zu der Zeit Herr Prof. Voigts an die Uni und war auf derselben Suche. So gründeten sich schließlich die Thespians, damals noch als eine Art AG, später als belegbares Modul in der englischen Literaturwissenschaft, um es Studenten zu ermöglichen Literatur in praktischer Anwendung zu erleben.

 

Der Name „Desperate Thespians“ klingt interessant, wie kam er zustande?

Maria Severin: Der Name entstand während unserer ersten Produktion (damals war ich noch als Studentin dabei), die zu einem gewissen Zeitpunkt, nachdem mehrere Leute als Schauspieler abgesprungen waren,  fast zum Scheitern verurteilt war. Daher stammt der Teil „desperate“. Thespis war der Name des ersten Schauspielers in der Geschichte und seit jeher ist das Wort „Thespian“ als Bezeichnung für Schauspieler bekannt.

 

Gibt es einen Grund dafür, dass die Desperate Thespians eine englischsprachige Theatergruppe ist?

Nadine Sucharda: Bis zur Gründung der Thespians gab es an der Universität Siegen keine englischsprachige Theatergruppe. Diesen Zustand empfand unser Gründungsvater als nicht hinnehmbar und suchte sich Studierende, die Zeit und Lust auf dieses Projekt hatten.

 

Gibt es einen Moment, an den Sie sich besonders gern erinnern?

Nadine Sucharda: Sehr viele sogar. Die erste Produktion „Mythtakes“ auf der Bühne zu sehen viele spannende und lustige Momente während der Proben oder beim Probenabschluss-Bier, die Momente in denen der Premierenvorhang aufgeht und man selbst seine „Schützlinge“ die Bühne erobern sieht, all das ist jedes Mal wieder großartig. Ein Favorit ist allerdings, als in der ersten Produktion plötzlich einer der Sessel anfing zu brennen und wir einen sehr plastischen „the show must go on“ Moment hatten.

 

Im Gegenzug dazu, gibt es einen Moment, den Sie am liebsten vergessen würden?

Nadine Sucharda: Es gibt einige Momente, bei denen ich mir wünschte, es wäre ohne diese oder anders abgelaufen, aber vergessen möchte ich selbst die schlimmsten Katastrophen nicht, denn sie wurden zu unterhaltsamen Anekdoten.

 

Welches Stück wollten Sie schon immer einmal aufführen?

Nadine Sucharda: Ich würde gerne mal Shakespeares Sommernachtsraum eine neue Inszenierung geben. Außerdem würden mich weitere Stücke von Sarah Kane sowie Martin Crimp reizen.

Maria Severin: Was von Shakespeare, am liebsten eine kurze Version von Hamlet.

 

Was braucht es, aus Ihrer Sicht, um erfolgreich ein Theaterstück aufzuführen?

Nadine Sucharda: Engagement. Ohne das geht es nicht. Mit einem kleinen Budget kann man improvisieren, Kostüme lassen sich aus diversen Kleiderschränken zusammenklauben. Veranstaltungsorte lassen sich finden und wenn es letztendlich ein Wohnzimmer ist. Aber ohne das Engagement der Teilnehmenden wird es nie über die Probenphase hinausgehen. Da muss man schon mal fünf Schritte mehr laufen oder eine Szene eine Stunde länger proben als gewünscht, gedacht oder geplant, damit man sich nach der Aufführung auch glücklich in die Arme fallen kann.

Maria Severin: Kompromisse, Mut zur Lücke und in erster Linie ein einheitliches Konzept, das von guten Schauspielern getragen wird. Dabei ist uns Mitsprache wichtig.

 

 

 

 

 

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