Afrikanische Klänge in niedersächsischem Hinterhof

Ich nehme an ihr wart noch nie im Musikzentrum Hannover? Falls doch, dann bewundere ich euren guten Geschmack für schräge Orte. Ich war vor vier Monaten zum ersten Mal dort und kann nur sagen: Ihr müsst dahin!! Doch ich fange mal besser von vorne an…

Vor einigen Jahren habe ich ein halbes Jahr in Kapstadt verbracht. Und wenn man in so einer Stadt lebt, dann will man natürlich auch wissen, wie die Menschen dort so ticken. In welchen Lokalen sie ihren Sundowner genießen, an welchen Stränden sie abhängen und natürlich auch zu welcher Musik sie gerne feiern. In Kapstadt ist eigentlich an einem Samstagabend von Bars mit Live Bands bis Techno Clubs für jeden etwas dabei.

Bei der Frage nach bekannten südafrikanischen Bands wird es da schon etwas spezieller. Die durchgeknallte Rap-Rave-Band Die Antwoord könnte vielleicht dem ein oder anderen Kenner mit speziellem Geschmack etwas sagen. Ich bin per Zufall auf The Parlotones gestoßen, und die haben mich einfach umgehauen. Eine gesunde Mischung aus Indie und Rock und dazu ganz viel Gefühl.

Zurück nach Hannover. Wie wahrscheinlich von euch erwartet spielte also die besagte Band vor kurzem endlich mal in Deutschland, um ihr neues Album in Europa publik zu machen. Und um die vergangenen Vibes aus afrikanischen Zeiten wieder aufzufrischen, ließ ich mir das natürlich nicht entgehen und orderte mir zwei spottgünstige Tickets für den Donnerstagabend. Das Musikzentrum entpuppte sich allerdings als alles andere, aber nicht als Zentrum für Musik. Wir parkten vor dem angepeilten scheunenartigen Backsteinhaus neben einer verlassenen Autowerkstatt und rechneten bereits damit, dass das Konzert wohlmöglich abgesagt wurde. Hier würde gleich eher ein wildgewordener Mechaniker mit blutigem Schraubenzieher um die Ecke kommen, als ein Tourbus.

Wir checkten Adresse und Datum erneut – Eine halbe Stunde vor Beginn und keine Menschenseele, geschweige denn eine Schlange in Sicht? Doch nach und nach hatten wir das Gefühl doch nicht allein auf diese Schnapsidee gekommen zu sein und uns holte das Gefühl von Zivilisation wieder ein. Es gab sogar eine Kasse und einen kleinen „Merchandise“ Stand bestehend aus einem Klapptisch und überschaubaren T-Shirts und Alben. Kaum zu glauben, dass die Truppe in ihrem Heimatland echte Rockstars sind. Die Erleichterung sollte dann mit einem herrlichen Flaschenbier direkt an der Bühne begossen werden.

Langsam aber sicher wurde uns in der Scheune Gesellschaft geleistet. Da kamen Familien, Freunde in Südafrika Trikots und junge Pärchen. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass The Parlotones doch so viele verschiedene Zielgruppen ansprechen würden und das auch noch in einem 13.500 km entfernten Land. Es war herrlich. Noch nie war ich auf einem Konzert, was tatsächlich pünktlich auf die Minute begann und ich glaube mit dieser Überraschung war ich nicht allein. Die Akustik im Raum bei knapp 100 Besuchern war super. Es war wie Backstage, nur eben Frontstage. Nach rund zweieinhalb Stunden, gefüllt mit alten und neuen Songs, dem ein oder anderen gemeinsamen Jägermeister mit der Band und alten Geschichten über vergangene Touren, war Schluss. Und ich glaube ich hätte 20€ in nichts besser investieren können, als in diesen Abend.

Was will ich euch jetzt also mit diesem Schwank aus meinem Leben sagen? Ich schreibe den Artikel vor allem deshalb, um dieser Band eine Chance zu geben, dass sich der ein oder andere vielleicht mal ein paar ihrer Songs anhört. Sie hätten um einiges mehr an Aufmerksamkeit in der Welt verdient als die, die sie sich bisher schon erarbeitet haben. Nicht nur durch ihre Musik, sondern vor allem durch ihre Sympathie. Und ich kann euch natürlich nur raten, dieses verrückte Musikzentrum in Hannover im Hinterkopf zu behalten. Dort werden weder die Red Hot Chili, noch Ed Sheeran auftreten. Aber manchmal ist es ja grade das, was den Reiz eines Konzertortes ausmacht.

Anbei ein Link meines Lieblingsliedes. Ich hoffe es gefällt einigen von euch auch!

 

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