Album Review: Haken – Affinity Progressive-Metal für unschlüssige Tage

Bereits im April 2016 erschien das Album Affinity der Progressive-Metal-Band Haken. Nicht mehr ganz neu also, trotzdem reicht es für eine kleine Review. Warum? Weil die Platte für Metal-Freunde das Zeug haben könnte, zu einem persönlichen Evergreen zu werden. Wenn man sich mal wieder nicht entscheiden kann und nicht so richtig weiß, wonach einem ist, geht Affinity immer! Kein Wunder, denn Haken schaffen es, diverse Genres und Musikepochen (primär die 80er) einzubauen, ohne an Integrität zu verlieren. Damit toppen die Londoner sogar ihr Vorgängeralbum The Mountain, das noch stark nach Dream Theater erinnerte.

Besonders schön an Affinity: Einzelne Songs können immer mal nebenbei gehört werden. Die Platte lässt sich aber auch als Konzeptalbum rezipieren. Letzteres beansprucht natürlich etwas mehr Zeit, weil einige Botschaften der Story doch recht versteckt sind und nicht auf Anhieb verständlich werden. Das intensive Zuhören lohnt sich aber, wenn man an einer spannenden Geschichte zu den Themenbereichen Entwicklung des Menschen im Maschinenzeitalter, Mensch und Maschine, moderne Gesellschaft und virtuelle Realitäten interessiert ist.

Im Detail

Keine Sorge: Nicht zu jedem einzelnen Song soll hier unser Senf zugegeben werden. Ihr sollt ja noch selbst rein hören!

Es sei empfohlen, nicht direkt nach dem ersten Song aufzugeben. Das Verlangen danach kann den Hörer schnell ereilen, denn beim Opener „affinity.exe“ mag Stimmung mehr schlecht als recht aufkommen. Der Song beginnt mit einem Morsecode, dessen Entschlüsselung dem Durchschnitts-Rezipienten verwehrt bleibt, und wird danach durchgehend rockig-ruhig. Der monotone Gesang trägt nicht zur Verbesserung des Hörvergnügens bei.

Durchhalten lohnt sich aber bereits beim zweiten Titel namens „Initiate“. Allein das Intro, das vermutlich an „Owner of a Lonely Heart“ angelehnt ist, versetzt einen in 80er-Stimmung. Man möchte sich sofort bewegen und zu den fetzigen Keyboard-Parts tanzen. Das Keyboard wird auch in einigen ruhigen Songs des Albums in den Vordergrund gestellt. Macht man zum Beispiel bei „Lapse“ die Augen zu, beginnt man direkt zu träumen, bis am Ende des Songs alle Gedanken entladen werden.

Besonders hörenswert ist auch „The Endless Knot“. Das Stück bildet einen schönen Kontrast zum Rest, da es sehr gitarrenlastig ist. Der Gesang wirkt hier fast wie ein Sprechgesang, abgesehen von den durchaus melodischen Strophen, während die Soli deutlich schneller und härter werden. Eingefleischte Progressive-Fans dürften sich ganz besonders über das 15-minütige (eben ganz im Prog-Stil gehaltene) „The Architect“ freuen. Insgesamt zeigen Haken mal wieder, welche Möglichkeiten Progressive-Metal bietet, wenn man nur mutig genug ist. Aber nun hört endlich selbst rein!

Photo by Mr Cup / Fabien Barral on Unsplash

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