Angezockt: Red Dead Redemption 2

Acht Jahre ist es her, seit man als John Marston die Prärie durchquerte, um als unfreiwillig von der Regierung engagierter Kopfgeldjäger versuchte Amerika von den letzten Überbleibseln der Ära der Revolverhelden zu säubern. Doch während sich die Spieler zunächst im Online-Modus verloren oder spätestens mit dem Release von Grad Theft Auto V mit einem neuen Knaller aus dem Hause Rockstar Games versorgt wurden, begann 2010 unmittelbar nach dem Release von Red Dead Redemption die Arbeit an einer Fortsetzung. Satte acht Jahre und dutzende und aberdutzende Arbeitsstunden später ist es endlich soweit: Red Dead Redemption 2. Schon nach dem ersten Wochenende wird man von positiven Kritiken und etlichen Rekordbrüchen überflutet: 725 Millionen eingenommene US-Dollar am Opening Weekend. Das gab es in der Entertainment-Branche bislang noch nicht. Von daher haben wir unseren Staubmantel aus dem Schrank geholt, den Patronengurt aufgestockt und uns auf einen fast 60-stündigen Ritt voller Grausamkeit und Habgier begeben, um als legendärer Outlaw in die (Videospiel)Geschichte einzugehen und uns ein eigenes Bild des berüchtigten Wilden Westens zu machen. Unsere Eindrücke und Erfahrungen dieser Reise findet ihr in den nachfolgenden Zeilen, doch seid gewarnt: Der Westen hat enorm viel zu bieten und wir daher ebenso viel zu berichten.

Das Ende einer Ära

Anders als es der Titel zunächst vermuten lässt, handelt es sich bei Red Dead Redemption 2 nicht um eine Fortsetzung im klassischen Sinne, sondern um ein Prequel. Im ersten Ableger habt ihr erfahren, dass der Protagonist John Marston einst Mitglied einer kriminellen Bande war, der Van der Linde-Gang, die nach etlichen Jahren des Vertrauens und familiären Umgangs auseinanderbrach. Der Grund für diese Auflösung blieb jedoch ein Geheimnis. Durch seine Taten als gesuchter Outlaw wurde John Marston von der Regierung gezwungen die ehemaligen Mitglieder dieser Bande zu jagen und ein für alle Mal zur Strecke zu bringen, um als Gegenleistung für seine Schandtaten begnadigt zu werden und ein ruhiges Leben mit seiner Familie führen zu können. Nachdem also die verbliebenen Gangmitglieder Javier Escuella, Bill Williamson und der namensgebende Anführer Dutch van der Linde zur Strecke gebracht wurden, sollte man denken, dass John Marston nun sein stilles Dasein als Farmer naht. Doch schon damals hat man gelernt, dass Gesetz und Gesetzloser gar nicht so verschieden sind.

In Red Dead Redemption 2 setzt die Handlung nun zwölf Jahre vor den Geschehnissen des Vorgängers ein. Das Jahr 1899 ist eine Zeit der Umbrüche. Die Ära der Gunslinger und Outlaws naht dem Ende und droht zu einem Mythos zu verwahrlosen. Die Zivilisation macht sich über das Land breit, große Städte erwachsen aus dem sonst so kahlen Ödland und die Regierung scheint sich als neue Gewalt des Staates zu etablieren. In dieser Welt scheint Freiheit nicht mehr das zu bedeuten, wie es die frühere Auffassung hergab. In dieser Welt seid ihr nun Teil einer der letzten Instanzen, die dieser Veränderung entgegenwirken: die Van der Linde-Gang. Als Arthur Morgan, die rechte Hand des Bandenführers Dutch, prügelt, schießt und raubt ihr euch durch den Alltag, um zusammen mit dem jungen und noch wesentlich naiveren John Marston und anderen teils bekannten Konsorten für das Überleben und vor allem für die Freiheit der Crew zu sorgen.

Schießwütigkeit und Tatendrang

Arthur ist dabei gewiss kein großer Denker. Während Dutch als Leitwolf wohlwollende Reden schwingt, die Gruppe mit seinen warmen Worten zusammenhält und Pläne für die Zukunft schmiedet, ist Arthur vielmehr der Mann fürs Grobe. Als loyaler Begleiter seid ihr wie ein Sohn für Dutch und haltet ihm stets den Rücken frei.  Wenn euch jemand blöd kommt, ist der Dialog selten die Art, das Problem zu lösen. Meist wird die Gefahr durch einen Gewehrlauf zwischen den Zähnen eures Widersachers gelöst, wodurch das Schicksal der Band erst besiegelt wird. Und ohne zu viel vorweg zu nehmen sei gesagt, dass es dem Entwicklerstudio wunderbar gelungen ist, storytechnisch den Bogen zum Vorgänger zu schlagen.

Startschuss für die Handlung ist ein schief gelaufener Coup in Blackwater, bei dem ihr nicht dabei wart. Ihr erfahrt, dass Dutch im Eifer des Gefechts ein junges Mädchen erschossen hat und euch deshalb nun der halbe Staat auf den Fersen ist. Denn selbst für eine Gaunerbande wie die Van der Linde-Gang gibt es einen Kodex: Es werden keine Frauen und Kinder verletzt und gestohlen wird nur von anderen Dieben. Wobei der Wilde Westen von mehr kriminellen als ehrlichen Bürgern wimmelt. Aufgrund der heiklen Situation heißt es aber erstmal untertauchen. So versteckt ihr euch während des tiefsten Winters hoch oben in den verschneiten Grizzly Mountains und werdet gleich von mehreren Faktoren in die Mangel genommen: Mutter Natur, die rivalisierende Gang, das Gesetz. Alle wollen euch an den Kragen, alle wollen euren schnellen Tod. Das ist die subtile Art des Wilden Westens euch Willkommen zu heißen!

Leblose Prärie: Fehlanzeige

Nach dem kleinen Prolog in den verschneiten Bergen, wo ihr mit den Grundlagen des Gameplays vertraut gemacht werdet, entlässt euch das Spiel in die endlosen Weiten der offenen Welt. Da muss die nächste Story-Mission erstmal warten, denn schließlich gilt es zunächst die Welt zu entdecken und wie diese auf die Taten des Spielers reagiert. Hier können wir den Aspekt vorweggreifen, dass Red Dead Redemption 2 die nächste Generation von Videospielen einleitet. Denn allein im ersten kleinen Städtchen trifft man auf eine Lebhaftigkeit derartigen Ausmaßes, dass es einen förmlich aus dem Sattel haut. Jeder NPC hat ein Eigenleben und geht bestimmten Aktivitäten nach. Am Stadteingang kommt gerade ein Jäger mit seinem Pferd und der erlegten Beute hereinmarschiert, während hinter ihm gerade der Zug am Bahnhof einfährt und die Leute ein und aussteigen. Man hört den Stallmeister am Schleifstein arbeiten, hölzerne Wägen die durch den Morast der Stadt knarzen, blökende Schafe neben wiehernden Pferden und den einen oder anderen Dorfbewohner über seine Ehe oder den Arbeitsalltag lästern. Am späten Abend werden sich im Saloon ein paar Gläser Whiskey genehmigt und draußen vor dem Schuppen stehen ein paar rauchende Burschen, die so aussehen als würden sie nach Ärger suchen. Nachts sind die Läden geschlossen, die Straßen fast leer und man sieht nur wenige Gestalten durchs Mondlicht streifen. Es wird geackert und gefaulenzt, gefeiert und geprügelt, gegafft und geredet. Das kleine Western-Städtchen wie es leibt und lebt.

Doch das ist nur das Eigenleben der Welt. Nun kommt ihr ins Spiel. Als Arthur könnt ihr mit jedem NPC der Welt interagieren oder auch umgekehrt. Ihr könnt jede Person höflich begrüßen oder sie verärgern. Manche begegnen euch freundlich, manche sind weniger aufgeschlossen. Ihr könnt Situationen provozieren oder sie entschärfen, sodass der Revolver vorerst im Holster bleibt. Zückt ihr ihn dann doch, so könnt ihr nicht nur Leute bedrohen, sondern diese auch ausrauben. Der verängstigte Bürger gibt euch dann seine Brieftasche, während manch ein Gauner lieber zu seinem Schießeisen greift. Wenn ihr Leute anrempelt, gibt es entweder eine Entschuldigung oder eine Faust ins Gesicht und wenn ihr jemanden mit eurem treuen Ross umreitet, so wundert euch nicht, wenn ihr plötzlich wegen Unruhestiftung von den Gesetzeshütern gesucht werdet. Und lauft ihr einer Frau permanent hinterher, so bittet diese euch auf Abstand zu gehen, bevor sie im nächsten Moment panisch nach Hilfe ruft. Ehe ihr euch verseht, habt ihr ein Bündel Schläger mit Zivilcourage versammelt, die euch mit ihren Fäusten belehren wollen. Die Entscheidung Flucht oder Kampf bleibt dabei natürlich euch überlassen. Landet ihr während der Schlägerei jedoch im Dreck und ist euer letztes Bad generell schon ein Weilchen her, so kommentieren die Leute euren elendigen Gestank, sobald ihr an Ihnen vorbeischlendert. Es scheint, als hätte man an jedes kleinste Detail gedacht. Das ist keine Kulisse mehr, das ist der Wilde Westen wie er im Buche steht.

Was kreucht und fleucht da durch die Nacht?

Ihr merkt schon, dass man allein über die Spielwelt einen scheinbar endlos langen Roman schreiben könnte, doch wollen wir, bevor wir auf das Gameplay eingehen, noch ein paar Worte über die Flora und Fauna verlieren. Denn diese ist so detailreich in Szene gesetzt, dass es einfach zu schade wäre, sie nicht wenigstens zu erwähnen. Die Karte von Red Dead Redemption 2 ist so exorbitant groß, wie bislang in keinem anderen Titel von Rockstar Games und die Welt beläuft sich nicht nur auf ein großes, sandiges Biotop, wie im ersten Teil. Stattdessen habt ihr im Norden das verschneite Gebirge, in dem euch die eisige Kälte zu schaffen macht, in den zentraleren Gebieten blüht die Landschaft mit ihren Wiesen und Wäldern vor lauter Grün, im Südosten habt ihr hingegen ein feuchtes Sumpfgebiet und zahlreiche Plantagen unter der stechenden Sonne und wer noch relativ vertraut ist mit der Welt aus dem Vorgänger, der wird mit einem Gefühl der Nostalgie das eine oder andere Fleckchen im staubigen Südwesten wiedererkennen.

Und da der Großteil der Spielwelt natürlich aus Natur besteht, gilt es auch diese mit Leben zu füllen. Hier haben die Entwickler atemberaubende Arbeit geleistet, denn es wurden sage und schreibe 178 Tierarten in die vor unterschiedlichsten Facetten strotzende Welt gesetzt. Klar, sind unter diesen 178 Arten dann beispielsweise fünf verschiedene Gabelbock-Arten gelistet, aber dennoch eine absolut bemerkenswerte Leistung. Vor allem, da die Tiere zum einen optisch wunderschön animiert sind und zum anderen ebenfalls ein eigenes Verhaltenssystem besitzen. Fleischfresser töten Pflanzenfresser. Großwild jagt Kleinwild. Und am Ende der Nahrungskette steht Arthur Morgan mit seinem Repetiergewehr. Wenn ihr dann mal einem Rudel von Wölfen zum Opfer fallt und ein paar der Tiere dezimiert, so begreifen die Überlebenden, dass sie als einsamer Wolf keine Chance haben und ergreifen plötzlich die Flucht. Die Tierwelt ist sogar so ausgeklügelt, dass selbst der Kadaver des erlegten Tieres irgendwann anfängt zu verwesen und sich tatsächlich die Geier und ähnliche Konsorten von Geflügel darauf stürzen. Wenn ihr also mal Geierfedern für die Herstellung eines Gegenstandes benötigt, wisst ihr wie man die Todesspatzen ködert.

Die Waffen eines Mannes

Doch nun zum Eingemachten: dem Gameplay. Wo Red Dead Redemption drauf steht, ist natürlich auch Red Dead Redemption drin, das heißt es werden ganz schön viele Kugeln durch ganz schön viele Läufe katapultiert, die dann meist blutgetränkt in irgendeinem Körper landen. Das Grundkonstrukt des Gameplays ähnelt natürlich stark dem des Vorgängers oder auch dem der Grand Theft Auto-Serie. Ihr streift durch die Welt, landet durch Story-Missionen, Nebenaufträgen oder zahlreichen anderen Aktivitäten vor einer derben Schar von Schurken, die ihr dann mit eurer liebsten Bleispritze unter die Erde bringt. Dabei könnt ihr natürlich wieder auf ein buntes Arsenal an Waffen zurückgreifen, was von Revolvern und Pistolen über Repetier- und Scharfschützengewehren bis hin zu Schrotflinten reicht. Daneben habt ihr dann noch ausgefallenere Spielsachen, wie Dynamit, Tomahawks oder Brandsätze und die ultimative Waffe eines klassischen Cowboys darf natürlich auch nicht fehlen und zwar das gute, alte Lasso. Besonders mit dem letzteren kann man eine Sache wirklich gut: Schabernack treiben. Denn wenn euch ein arroganter Trunkenbold mal so richtig ans Bein pinkelt, so könnt ihr euch einfach auf euren Gaul setzen, ihn einfangen und mit ihm im Schlepptau losreiten. Eine im wahrsten Sinne des Wortes bitterböse Abreibung.

In den Kämpfen hat man zudem ziemlich viel Wert auf die Authentizität und Inszenierung gelegt. Wenn ihr euch in einer Schlägerei befindet gibt es bei jedem harten Schlag auf die Kauleiste ein wenig Rotz und Blut, der für einen raschen Moment durchs Bild fliegt und wenn ihr im Dreck landet, seid ihr und eure Kleidung nach dem Kampf auch wirklich dreckig. Wieder ein Zeichen für die raffinierte Reaktion der Spielwelt auf eure Taten. In Feuergefechten könnt ihr dabei euren Feinden die Hüte vom Kopf oder auch die Waffen aus der Hand schießen und wenn ihr einen bewaffneten Reiter auf seinem Pferd erschießt und der frische Leichnam beim Runterfallen mit einem Fuß im Steigbügel des Sattels hängen bleibt, sieht der hurtige Abgang dem Western-Genre entsprechend ikonisch und auf eine moralisch fragwürdige Art auch extrem cool aus.

Videospiel-Logik von morgen

Außerdem hat man einem typischen Phänomen der Videospiel-Kultur abgeschworen, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Items wie Waffen oder auch erlegte Beute werden jetzt nicht mehr in endlos großen, teils unsichtbaren Taschen verstaut, sondern trägt man nun fast alles am eigenen Leib. Wenn ihr euch etwa für den nächsten Schusswechsel ausrüstet, so könnt ihr maximal zwei Handfeuerwaffen und zwei Gewehre mit euch führen. Denn die Handfeuerwaffen verstaut ihr selbstverständlich in euren beiden Holstern und auf dem Rücken habt ihr maximal Platz für zwei Gewehre. Die klassische Art, sein gesamtes Waffenarsenal immer und überall parat zu haben gehört also der Vergangenheit an. Stattdessen befindet sich euer Brimborium an Mordinstrumenten in den Satteltaschen eures Pferdes, sprich, wenn ihr euch equipen wollt, so muss euer Reittier in unmittelbarer Nähe sein.

Außerdem müsst ihr aufgrund der unterschiedlichen Wetterbedingungen auf euren Kleidungsstil achten. Wer bei 20 Grad im Schatten mit einem Pelzmantel durch die Prärie reitet, der sorgt nicht nur dafür, dass Arthur Wasser lässt wie ein Rasensprenger, sondern auch, dass sich seine Gesundheit nicht regeneriert. Zudem wachsen eure Haare und euer Bart mit der Zeit, sodass ihr euch entweder rasieren müsst oder irgendwann eher wie ein Wikinger als ein Cowboy ausseht. Und wenn euch mal der Hut vom Kopf fliegt, weil diesen gerade eine Kugel gestreift hat, so könnt ihr am Ende des Gefechts zu eurer Kopfbedeckung gehen und diese ganz lässig wieder aufsetzen. Kleine, aber wirklich feine Details, auf die hier geachtet wurde.

Return of the Dead Eye

Auch das ikonische Feature aus dem Vorgänger wurde wieder übernommen und für Red Dead Redemption 2 optimiert. Die Rede ist natürlich vom Dead Eye. Bei dieser Funktion könnt ihr eine Art Bullet-Time aktivieren, bei der ihr eure Gegner mit kleinen Kreuzen versehen könnt und sobald ihr die Zeitlupe deaktiviert, ballert Arthur in Windeseile die Kugeln an die markierten Spots. Werdet ihr beispielsweise auf eurer Reise von einem Haufen Hillbillys überfallen, die mit ihren abgegriffenen Flinten auf euch zielen, so könnt ihr fix zu eurem Revolver greifen, das Dead Eye aktivieren und die Schar an Hinterwäldlern mit den besagten Kreuzen versehen, dann die Funktion deaktivieren und schon ballert ihr das dreckige Pack stilvoll wie ein wahrer Pistolero über den Haufen. Auch nach etlichen Spielstunden fühlt man sich dank dieser Mechanik wie der coolste Gauner weit und breit.

Vier Hufe für ein Halleluja

Was ein Red Dead Redemption im Vergleich zu einem Grand Theft Auto natürlich immer etwas einschränkt, sind die Fortbewegungsmöglichkeiten. Schließlich sind Pferde bei Weitem nicht so mannigfach wie Autos. Nichtsdestotrotz hat man sich hier einiges einfallen lassen, um die geschwinden Vierbeiner zu einem interessanten Feature des Games zu machen. Es gibt verschiedene Pferdearten, die sich für verschiedene Spielstile eignen. Rennpferde sind natürlich für jene Zwecke geeignet, bei denen es auf Geschwindigkeit ankommt. Im Kontrast dagegen gibt es die Arbeitspferde, die eher einem stämmigen Schlachtross ähneln. Diese sind wesentlich sperriger zu handhaben, teils echt unwendig, aber dafür sind sie in Gefahrensituationen nicht so leicht zu verschrecken. Denn ihr baut eine Verbundenheitsstufe zu eurem Pferd auf und wenn diese noch relativ gering ist, bricht euer Pferd bei Schießereien oder bei Raubtierangriffen schneller in Panik aus, wirft euch schlimmstenfalls ab und ergreift die Flucht.

Um dem entgegenzuwirken müsst ihr euer Pferd pflegen, es füttern, in Gefahrensituationen beruhigen oder es beim nächsten Stallhalter einmal ordentlich verwöhnen lassen. Beim Stallmeister könnt ihr darüber hinaus, so dämlich es auch klingen mag, eure Pferde modifizieren. Schon mal ein Pferd mit Rastalocken gesehen? Nun… Neben derartigem Firlefanz könnt ihr aber auch nützliche Verbesserungen wie größere Satteltaschen und Steigbügel kaufen, um etwa die Tragekapazität oder Geschwindigkeit eures Gauls zu verbessern. Baut ihr die Verbundenheit immer weiter auf, so wird das Tier nicht nur treu, sondern erlernt Fähigkeiten, wie etwa das Aufbäumen oder das abrupte Anhalten. An ein Pferd kommt ihr entweder auf dem rechtmäßigen Weg, indem ihr es in einem Stall kauft oder alternativ könnt ihr auch ein Pferd stehlen, was euch jedoch ein saftiges Kopfgeld einbringt. Wollt ihr ohne weitere Kosten an ein neues Ross kommen, so könnt ihr natürlich auch ein Wildpferd fangen. Einfach das Lasso nehmen, das Tier erwischen, beruhigen, zähmen, aufsatteln und schon gehört es euch.

Wie es der Zufall will

Lauft oder reitet ihr durch die Welt, so geschieht es nicht selten, dass ihr in eines der scheinbar unzähligen Zufallsevents hineingeratet. Dies können etwa zwei Typen sein, die versuchen einen Safe aufzusprengen, sich dabei selbst ins Jenseits katapultieren und den Inhalt des Safes unfreiwillig uns überlassen. Oder auch ein Fremder, der von einer Schlange gebissen wurde und uns als Gegenleistung für die Arznei, die wir ihm geben, im nächsten Städtchen ein Produkt beim Büchsenmacher spendiert. Man reitet nichtsahnend durch die Gegend, mit der Absicht von Punkt A nach Punkt B zu gelangen, doch allein auf dem Weg passieren so viele interessante Dinge, dass man für diesen fünf-Minuten-Weg schon wieder eine halbe Stunde braucht. So ritten wir einst durch den Süden und sahen plötzlich eine Meute mit Fackeln in einem kleinen Wäldchen. Wir hätten weiter durch die Nacht galoppieren können, doch stattdessen stiegen wir ab, schleichten uns unbemerkt ran und wurden Zeuge von einem Ritual des Klu-Klux-Klans. Erneut hatten wir die Wahl, wie wir an die Situation herangehen. Einfach passieren, da uns der Kram nichts angeht? Die Rassisten zur Rede stellen? Ach, wir dachten uns fuck it und ließen die abgesägte Schrotflinte für uns sprechen. Diese Brut zündet keine Kreuze mehr an, so viel ist gewiss.

Neben derartigen Events stehen euch auch weniger legalen Aktivitäten zur Verfügung. Ihr könnt beispielsweise Läden oder Züge überfallen oder versteckte Orte wie etwa Bandenverstecke aufsuchen. Auf einer unserer Erkundungstouren stießen wir in der hügeligen Landschaft im verregneten Norden auf eine Höhle der ganz – nennen wir es – besonderen Art. Voller Neugier schlichen wir uns in die Höhle und trafen auf ein paar verstörte Hinterwäldler, die anscheinend mit der äußerst blutrünstigen Angelegenheit der Leichenschändung ihren Spaß hatten. Und das ist noch sehr vorsichtig ausgedrückt. Selbes Prozedere wie beim KKK-Vorfall und einige Minuten später war diese Angelegenheit ebenfalls geklärt. Derartige Taten bringen euch Ehre ein und je nachdem wie viel oder wie wenig Ehre ihr besitzt, reagiert die Welt positiv oder auch negativ auf euch. Wir, für unseren Teil, trugen größtenteils zum Prozess, den Wilden Westen zu zähmen bei, auch, wenn wir diesen streng genommen personifizieren.

Der Alltag eines legendären Outlaws

Wenn ihr aber nicht gerade damit beschäftigt seid euch mit einer der rivalisierenden Banden zu bekriegen oder ein Verbrechen zu begehen, bietet die Welt auch genügend Möglichkeiten zum anderweitigen Zeitvertreib, der in den meisten Fällen auch eine lukrative Geldquelle darstellt. So könnt ihr auf Schatzsuche gehen, indem ihr den Hinweisen auf Schatzkarten folgt (was manchmal verdammt schwer ist, aber wirklich das Gefühl einer wahren Schatzsuche hervorruft), ihr könnt Jagen gehen oder ihr versucht euch als Glücksspieler. Von Poker über Black Jack bis hin zum altbekannten Geschicklichkeitsspiel Five Finger Filet. Da sitzt dann der legendärste Outlaw, den der Wilde Westen jemals gesehen hat plötzlich am Tisch mit drei handelsüblichen Viehtreibern und spielt eine Partie Domino. So stellt man sich den Alltag eines Western-Helden in erster Linie nicht vor. Wenn man dann jedoch von den Kuhhirten abgezockt wird und der Abzugsfinger auf einmal ganz stark zu jucken beginnt, dann schreit das schon eher nach einem waschechten Mitglied der Van der Linde-Gang.

Das ist der Wilde Westen!

Zwar wurde bei weitem noch nicht jeder bemerkenswerte Aspekt, den das Spiel bietet, angesprochen, doch wie auch jede Ära muss sich auch jede Review dem Ende neigen. Bevor wir jedoch unser Fazit zu Red Dead Redemption 2 verkünden, wollen wir noch einmal kurz auf die Optik des Action-Adventures eingehen. Hier hat man nämlich ein audiovisuelles Gesamtpaket geschnürt, in dessen Genuss man nur selten kommt. Eine Spielwelt von solch einer gigantischen Größe so detailliert und optisch so beeindruckend darzustellen ist zweifelsohne eine absolute Meisterleistung. Mit einer PlayStation 4 Pro und einem 4k-Fernseher seht ihr sogar jede ranzige Pore der dreckigen Ganoven und auch die Animationen sehen phänomenal gut aus. Sogar Clipping-Fehler bleiben beim Spielen größtenteils aus. Hier und da unterläuft einem zwar auch mal ein kleiner Bug, doch das ist eher eine Seltenheit und bei einem Titel dieser Größe absolut zu verzeihen. Außerdem wird durch liebevoll animierte Effekte, wie etwa dem Wackeln des hinteren Pfeilendes, wenn dieser in ein Objekt einschlägt, dieser Einwand sofort getilgt.

Und auch die auditive Komponente ist eine absolute Orgie für die Sinne. Vom deftigen Sound der Flinten bis hin zu den Geräuschen der Tierwelt. Hier passt einfach alles. Wenn man Red Dead Redemption 2 mit einem Headset spielt und auf einmal eine surrende Mücke an einem vorbeifliegt, hat man kurz dieses unangenehme Gefühl und das Bedürfnis den Flattermann zu zerklatschen. Hinzu kommen die etlichen Morricone-esquen Soundtracks, die für mehr als nur einen Gänsehaut-Moment sorgen und dem Spiel zusammen mit der astreinen Synchro den letzten Feinschliff verpassen. Die Weitsicht, die Lichteffekte, die Soundkulisse. Das ist der Wilde Westen! In seiner schönsten Pracht!

Fazit

Mit der Formulierung „Das ist das beste Spiel aller Zeiten“ soll man ja immer vorsichtig sein. Doch wir sagen es: Red Dead Redemption 2 ist der somit beste Titel, den wir jemals in unsere Konsole schieben durften. Nach etwa 55 Spielstunden hat uns das Game wieder aus der Welt des Wilden Westens entlassen und das ohne auch nur eine Minute zu enttäuschen. Gerade wenn man denkt, dass das Spiel anfängt ins Repetitive abzudriften, schlägt einem die Story die nächste große Überraschung um die Ohren und sorgt für einen neuen Gänsehaut-Moment. Die Welt strahlt nur so vor Leben und Detailreichtum und setzt neue Maßstäbe für die Zukunft der Videospiel-Industrie. Red Dead Redemption 2 ist Rockstar at it`s best!

Red Dead Redemption ist seit dem 26. Oktober 2018 für die PlayStation 4 und Xbox One erhältlich.

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