Bald im Kino: Baby Driver

Bald im Kino: BABY DRIVER Eine bunte Hommage an das Nischengenre der Fluchtwagenfahrer

Jeder kennt es: Man hört einen seiner Lieblingssongs und kann dem Drang nicht widerstehen mit dem Fuß zum Takt zu tippen oder gar eine kleine Einlage mit seiner Luftgitarre abzuliefern. Wer bei solchen Aktionen in der Öffentlichkeit schon in Verlegenheit gerät, der hat noch nicht Bekanntschaft mit Baby gemacht, dem Protagonisten aus Edgar Wrights neustem Film Baby Driver, bei dem der besagte Knabe nicht nur flinke Füße auf dem Tanzparkett beweist, sondern auch richtig in die Pedale zu Treten weiß. Ob uns der rasante Actionflick des britischen Regisseurs überzeugen konnte, verraten wir euch jetzt.

„It´s Baby! B-A-B-Y, Baby!“

Der introvertierte Baby (Ansel Elgort) ist seit einem Unfall in seiner Kindheit hörgeschädigt. Um den allgegenwärtigen Tinnitus zu übertönen, hat er immer und überall einen seiner iPods dabei und lässt seine Tracks in der Dauerschleife laufen, selbst, wenn er gerade einen Fluchtwagen voller Schwerverbrecher durch die Straßen Atlantas manövriert. Denn Baby steht aufgrund einer Missetat in der Vergangenheit in der Schuld von Doc (Kevin Spacey), der als strippenziehender Gangsterboss regelmäßig Heists organisiert. Als er jedoch seine Schuld nahezu getilgt hat und die junge Kellnerin Debora (Lily James) kennenlernt, sehnt er sich umso mehr nach einem Leben fernab der Kriminalität.

Doch aufgrund seines außerordentlichen Talents hinterm Steuer besteht Doc auf eine fortlaufende Zusammenarbeit und lässt Baby keine Wahl. Entweder er sitzt hinterm Steuer oder im Rollstuhl. So landet Baby in dem neusten Team von Bankräubern bestehend aus der reizenden Darling (Eiza González), ihrem ebenso reizenden Mann Buddy (Jon Hamm) und dem heißspornigen Bats (Jamie Foxx), die zusammen einen großen Coup durchziehen sollen. Bei dieser heiklen Konstellation fliegen aber schon vor dem eigentlichen Raubzug die Funken.

Bald im Kino: Baby Driver

 

Wohin geht die Reise?

Edgar Wright hat schon in jüngster Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass unkonventionelles Kino voller Nerdkultur auch bei der breiten Masse gut ankommen kann. Sei es nun Scott Pilgrim vs.the World oder einer seiner Streifen aus der Cornetto-Trilogie, der Mann hat ein Händchen für durchtriebene Figuren und unübliche Erzählstrukturen, wovon wir bei Baby Driver beides geliefert bekommen. Wright, der dieses Mal sowohl als Autor und Produzent als auch Regisseur fungiert, spielt immer wieder mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und wir können nicht anders, als auf seine kleinen inszenatorischen Streiche reinzufallen und im Nachhinein nur so vor uns herzuschmunzeln. Das Genre des Fluchtwagenfahrers wird hier nahezu persifliert. Baby Driver ist überspitzt, kindisch, ja manchmal nahezu lächerlich, doch all das störte uns nicht im Geringsten, denn der Film nimmt sich selbst nicht eine Sekunde lang ernst, wodurch eine lockere Wohlfühl-Atmosphäre aufgebaut wird.

Bald im Kino: Baby Driver

 

Mit Vollgas zum Spaß

Doch nun zum Eingemachten: Der Action. Manch einer fragt sich bestimmt, ob die Verfolgungsjagden so actionüberladen sind, wie im jüngsten Ableger der Fast & Furious-Reihe oder die Rasereien doch eher einer Episode des Tatort gleichen. Hier kann man bloß sagen die Action ist verdammt gut. Die Hetzjagden mit der Polizei sind clever, blitzschnell und machen Lust auf mehr. Was in den meisten anderen Filmen einfach nur pubertär und kitschig erscheint, wird hier verdammt cool in Szene gesetzt. Man könne denken es sei eine buntere und witzigere Version von Drive, die sich an ein jüngeres bzw. ein breiteres Publikum richtet.

Ebenfalls schön umgesetzt ist der Humor. Zwar ist Baby Driver keine ununterbrochene Lachparade, doch bekommt man hier und da ein paar sehr aparte Gags. Wenn etwa einer der Kriminellen Michael Myers Halloween-Masken für einen Raub besorgen soll und dann mit Austin Powers-Masken auftaucht statt dem Horrorgesicht aus den Halloween-Filmen und es ein großes Debakel im Wagen gibt, kann man nicht anders als sich über die banale Inkompetenz dieser „Profis“ ins Fäustchen zu lachen. Und natürlich wird dann auch hier die Situation durch den passenden Song einmal mehr durch den Kakao gezogen. Diese Art der Selbstironie ist einfach nur fulminant und hinterließ einen sympathischen Eindruck bei uns.

Bald im Kino: Baby Driver

 

Lass die Musik sprechen!

Hinzu kommt die Musik, die jede Szene mit der nötigen Stimmung verfeinert. Vom modernem Rap über die DJ-Szene bis hin zu den goldenen Tagen des Classic Rock. Bei Baby Driver ist das Spektrum an Musikrichtungen so weit gefächert, dass für jeden etwas dabei ist. The Beach Boys, Sam & Dave, Blur, Kid Koala, Simon & Garfunkel, Golden Earring, Queen. Die Liste ist lang und macht den Film zu einer Art Musikvideo in Überlänge, wodurch uns die 114 Minuten Laufzeit wie eine kurze Spritztour vorkamen. Denn während Baby eher selten seinen Mund zum Reden aufmacht lässt er viel mehr die Songs für sich bzw. die jeweilige Situation sprechen. Wenn Baby etwa wieder einmal auf der Flucht vor dem Gesetzt ist und dabei den Song Chase Me laufen lässt, kann man das dicke Augenzwinkern förmlich heraushören. Bei jedem anderen Film hätte man sich über dieses Übermaß an musikalischer Untermalung beschwert, doch Wright hat es hier zu einem wesentlichen Bestandteil des Films gemacht, auf den die Geschichte angewiesen ist. Die Musik hebt die Action nochmal eine Sphäre höher und sorgt für ein ordentliches Tempo beim Erzählen der smarten Story.

Bald im Kino: Baby Driver

 

Kriminelles Komplott

Die Figurenkonstellation, bei dem niemand niemandem traut, ist ebenso gut besetzt wie geschrieben. Ansel Elgort schlägt sich ganz solide als Soziopath, der ein wenig zwischen den Stühlen steht, was seine Moral anbelangt. Die Oscar-reife Leistung war es gewiss nicht, aber sehenswert allemal. Kevin Spacey gelingt es nach fünf Staffeln House of Cards mehr als nur gut die Rolle des mächtigen Bosses zu verkörpern und überzeugt mit seiner arroganten und eiskalten Performance. Unser geschätzter Don Draper aka Jon Hamm gibt eine ebenso düstere Darstellung als Gauner ab, der jedoch immer wieder durch seine lässige Art einen äußerst charmanten Kriminellen portraitiert. Und auch die Love Story zwischen Baby und Debora ist gut gespielt und zu aller Gunsten nicht zu dick aufgetragen oder unnötig in die Länge gezogen. Beide wollen nur in den Wagen steigen und Richtung Niemandsland fahren, natürlich mit der passenden Musik dazu. Der Film lebt insgesamt von einem recht kleinem Cast, der mit einigen Cameo-Auftritten durchsäht ist und fühlt sich vor allem in den Lagehaus-Szenen schon fast wie ein Kammerspiel an.

 

Fazit

Was zunächst aussieht wie Justin Bieber hinterm Steuer eines zu groß geratenen Hot Wheels entpuppt sich als ausgeklügelte Actionkomödie mit einer gut dosierten Portion des klassischen Wright-Charmes. Baby Driver bringt frischen Wind in die aktuelle Kinolandschaft und stellt sich als Paradebeispiel für mutiges Kino heraus. Wenn ihr diesen Sommer einen Kinobesuch im Sinn habt, dann lasst es bitte Baby Driver sein!

 

Baby Driver startet am 27.Juli 2017 deutschlandweit in den Kinos.

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