Bald im Kino: Deadpool 2

Vor nicht einmal zwei Wochen startete mit Avengers: Infinity War ein Blockbuster in den Kinos, der nicht nur die größte Vereinigung an Superhelden auf der großen Leinwand darstellt, sondern auch am ersten Wochenende schon den Rekord für das erfolgreichste Opening Weekend aller Zeiten aufstellte. Aus diesem großen Schatten springt nun ein weiterer Sprössling aus dem Hause Marvel hervor. Er sieht aus wie eine Rosine, steht auf Chimichangas und sein Moralempfinden lässt enorm zu wünschen übrig. Die Rede ist natürlich von unserem liebsten Sprücheklopfer Ryan Reynolds. Ne… Moment… Wade Wilson! Ist ja auch egal, denn schließlich übersteigt Deadpool 2 erneut die Grenzen zwischen Fiktion und Realität und verspricht mit seinem Metahumor wieder ein paar schmackhafte Gags der Superlative. Ob diese alle zünden und Deadpool mit der Fortsetzung ehrwürdig in die Fußstapfen seiner selbst tritt, verraten wir euch jetzt:

Sympathy for the Devil

Vor rund zwei Jahren erblickte Wade Wilson erstmals das Licht der großen Leinwand. Streng genommen hatte Ryan Reynolds schon seinen ersten Auftritt als selbstverliebter Elite-Söldner in X-Men Origins: Wolverine. Doch verpulverte man dort das Potential, das diese Figur zu bieten hatte, indem man Wade Wilson als halbgare Marionette des Antagonisten Stryker gegen Wolverine antanzen ließ. Damals schien man wohl noch keinen genauen Plan zu haben, wohin es mit der Figur des Anti-Helden gehen soll. Als dann aber Wilson, nun offiziell als Deadpool getauft, mit seinem ersten eigenen Leinwandauftritt überzeugen konnte und trotz R-Rating ein finanzieller Erfolg wurde, war klar, dass die Anti-Heldenreise noch nicht vorbei war. Denn neben all dem kinderfreundlichen Gagfeuerwerk aus den etlichen anderen Marvel-Produktionen ist eine Portion schwarzen Erwachsenenhumor extrem erfrischend. Nun setzt man mit Deadpool 2 storytechnisch etwa da an, wo man im Vorgänger aufgehört hat.

Faule Autoren?

Wade Wilson alias Deadpool lebt glücklich mit seinem Sweetheart Vanessa zusammen. Beide wünschen sich ein Kind in die Welt zu setzen und eine kleine, glückliche Familie zu gründen. Doch da dies schon wieder viel zu kitschig für einen Typen wie Deadpool ist, muss natürlich rabiate Gewalt her, um die Handlung ins Rollen zu bringen. Seine Geliebte stirbt und Deadpool ist auf Rache aus. Na bitte, da haben wir die angemessene Prämisse auch schon. Und als wäre dies nicht genug, stolpert der sadistische Knallkopf auch noch in einen Zwist, zwischen einem kleinen Mutantenjungen und Cable, einem Verschnitt aus Mensch und Maschine, der aus zunächst unerklärlichen Gründen aus der Zukunft aufgetaucht ist, um dem Jungen ans Leder zu gehen. Die Story ist, da würde mir Meisterautor Deadpool sicher nicht widersprechen, nicht der größte Wurf, aber dessen sind sich die Filmschaffenden auch jederzeit bewusst. Denn selbst der Anti-Held im roten Strampler wirft den Autoren mehrmals „lazy writing“ vor, wenn es um logische Erklärungen in der Dramaturgie geht. Wahr, aber durch die selbstironische Ader auch leicht zu verkraften.

Antagonist von morgen, Effekte von gestern

Ebenso selbstreferentiell wird mit dem CGI-Gewitter umgegangen. Klar, wo Deadpool auftaucht fliegen die Gliedmaßen, rollen die Köpfe und was mit den Genitalien passiert, ersparen wir euch an dieser Stelle. Aber bei solch einer Schnetzel-Orgie muss entweder tonnenweise Blutersatz her oder man bedient sich an ein paar visuellen Effekten. Diese sehen dann besonders bei manchen Zeitlupen gar nicht gut aus, doch wenn Deadpool vor dem Duell zweier Mutanten den absoluten CGI-Kampf ankündigt, dann kann man dem Streifen selbst die optischen Mäkel nicht wirklich übelnehmen. Und wenn die Vorteile der Effekthascherei für Szenen absoluter Darstellungskomik missbraucht werden, so kann man als Zuschauer nicht anders, als das Gemecker über das miese CGI durch ein beharrliches Gelächter zu ersetzen. Ansonsten kracht es wie auch schon im ersten Ableger massiv und für die Kampfchoreografien hat man sich wieder exorbitant skurrile Arten ausgedacht, jemanden um die Ecke zu bringen. Oder habt ihr schon mal gesehen, wie jemand mit seinem eigenen, ausgekugelten und gebrochenen Arm seinen Widersacher in den Schwitzkasten nimmt?

Frank Drebin wäre stolz

Doch die Crème de la Crème bildet bei Deadpool natürlich nach wie vor der bissige Humor des frevelhaften Profilneurotikers. Die gegenwärtige Popkultur kriegt wieder ordentlich ihr Fett weg und wenn Deadpool seine zu große Kauleiste aufreißt, dann sind auch Superhelden-Kollegen, wie Batman und Superman nicht sicher vor den persiflierenden Parolen. Stichwort: MARTHA! Außerdem hat Deadpool diesmal seine eigene kleine Elite-Einheit namens X-Force, da von den X-Men, mit Ausnahme von Colossus und Negasonic Teenage Warhead natürlich jegliche Spur. Und gerade, wenn man denkt, der Anti-Held bringt mit seinem „Das Studio hatte kein Geld mehr für weitere X-Men“-Spruch den selben Witz wie aus Teil 1, wird noch einer oben draufgelegt. Ausarbeitung statt Recycling, das ist alles andere als „lazy writing“ und sorgt für wahre Gagparaden. Aufgrund eben jenem Humor und der hohen Frequenz, in der dieser abgefeuert wird, fühlte man sich wie in einem brutalem, erwachsenen Nackte Kanone-Streifen, nur dass statt Leslie Nielsen nun ein abgewrackter Ryan Reynolds den Part des sonderbaren Helden übernimmt. Der Slapstick-Opa wäre stolz auf dich, Deadpool.

Fazit

Jeder, der den ersten Auftritt des verkorksten Heldenhampels genossen hat oder an der aktuellen Überdosis an verbrechensbekämpfenden Cape-Trägern zu ersticken droht, der wird mit Deadpool 2 seinen nicht einwandfreien, aber durchaus schrägen Spaß haben. Ein Ritt durch eine zweistündige Gagparade, die die typischen Marvel-Konventionen bricht und um es in den vulgären Worten des rotverpackten Anti-Helden zu sagen, auf das große Marvel Cinematic Universe scheißt.

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