Bald im Kino: Ready Player One

Easter Eggs sind etwas Tolles! Egal ob in Filmen, Serien oder Videospielen. Filmschaffende und Entwickler lieben es, kleine Geheimnisse am Bildrand oder der hintersten Ecke eines Levels zu verstecken, damit eifrige Fans der Popkultur diese entdecken und ein kleines Glücksgefühl erhaschen können. Unter dieser Prämisse veröffentlichte Ernest Cline 2010 einen Roman, der durch den Einsatz etlicher Referenzen seine Liebe zur Popkultur der 1980er Jahre verdeutlichte und diese haushoch zelebrierte. Nachdem das Buch rasend schnell eine fundierte Fanbase erhielt, war die Bekanntgabe einer Verfilmung der literarischen Vorlage abzusehen. Kein geringerer als Altmeister Steven Spielberg nahm sich der Herausforderung an und bereitete das heißgeliebte Werk namens Ready Player One für die große Leinwand auf. Ob die Verfilmung der Liebesbekundung Clines gerecht wird und inwiefern sie sich von dem Original unterscheidet, erfahrt ihr nun in unserer Kritik. 

Welcome to VR-World

Im Jahre 2045 steht die Welt, wie wir sie kennen, am Abgrund. Die Menschen hausen in heruntergekommenen Blechhütten zwischen exorbitanten Bergen von Schrott und aufgrund einer globalen Energie- und Wirtschaftskrise scheint der Planet verloren zu sein. Doch dank des Genies James Donovan Halliday gibt es noch eine zweite Welt, eine virtuelle. In der sogenannten Oasis entfliehen die Menschen dem grässlichen Alltag und machen den virtuellen Kosmos zu ihrer neuen Realität. Die Grenzen der Oasis werden dabei nur durch die Grenzen der eigenen Fantasie gesetzt – und durch den Kontostand. Denn für jedes Item, das man sich in der mit ikonischen Elementen der Popkultur gespickten Welt kaufen möchte, benötigt man Coins.

Diese Coins sind verdammt wichtig, wenn es um die Suche nach dem legendären Easter Egg geht. Denn nach seinem Ableben hat der Erfinder der Oasis eine Art digitales Video-Testament veröffentlicht, in dem er demjenigen, der das Easter Egg findet, nicht nur sein Vermögen in Höhe einer halben Billion Dollar vererbt, sondern auch die uneingeschränkte Kontrolle über die Oasis überträgt. Drei versteckte Schlüssel sind es, die einem diese unantastbare Macht gewähren. Der Teenager Wade Watts ist dabei einer von aberdutzenden Spielern, die sich die Suche nach den drei Schlupfwinkeln zur Lebensaufgabe gemacht haben. Doch birgt nicht nur die Suche nach den Schlüsseln große Gefahren, sondern ist die Verantwortung, die dem Sieger zufällt, von essentieller Bedeutung für die Zukunft der Oasis.

Von Hello Kitty bis Freddy Krueger

In Ready Player One wird nicht lange um den heißen Brei geredet. Die VR-Brille wird aufgesetzt und schon geht es ans Eingemachte. Wade Watts, der in der Oasis als Parzival bekannt ist, stürzt sich mit seinen Online-Freunden direkt in die Aufgabe für den ersten Schlüssel: ein Rennen. Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten, schmeißt einen der Streifen direkt in den temporeichen, spaßigen Kosmos des Films und schmeißt einem dabei eine bekannte Figur der Popkultur nach der nächsten vor die Augen, aber auf eine Art und Weise, die weder unelegant noch lästig erscheint.

Vielmehr sind die Bilder oftmals am Rande mit bekannten Gesichtern angereichert, bei denen nicht nur auf das Jahrzehnt der Koksnasen und Schulterpolster besonderer Wert gelegt wurde, sondern auch auf die 90er Jahre und jene Trends aus aktueller Zeit. So rast der Protagonist unter anderem mit einem DeLorean durchs Bild, unser liebster Riesenaffe King Kong schwingt sich durch das virtuelle Manhattan und Mr. Balls of Steel höchstpersönlich aka Duke Nukem kriegt den Geschmack einer geballten Schrotladung zu schmecken. Von Hello Kitty bis Freddy Krueger hat man sich hier einer breiten Palette der Popkultur bedient, die den Rahmen der Vorlage übersteigt, aber niemals zu aufdringlich wirkt. Man kann davon ausgehen, dass spätestens nach Heimkinostart etliche Fans in YouTube-Videos den Film Bild für Bild auseinandernehmen und auf weitere versteckte Anspielungen und Querverweise untersuchen werden.

Graus oder Augenschmaus?

Doch abgesehen vom temporeichen Geschehen und den zahlreichen Referenzen hat Ready Player One leider auch ein paar Schwächen. Neben den typischen Steven Spielberg-Figuren, bei denen alle glasklar gezeichnet sind und quasi nur das Gute auf der einen Seite und das Böse auf der anderen existiert, ist es vor allem die Action, die verbesserungswürdig ist. Keine Frage: Ready Player One macht von der ersten bis zur letzten Minute großen Spaß, nur leider verschießt der Streifen sein Pulver direkt zu Beginn des Films und schiebt somit das größte Highlight unmittelbar an den Anfang. Nach diesem spektakulären Start steigt die Erwartungshaltung und man hofft auf weitere solcher Momente oder gar imposantere Sensationen. Leider bleiben diese aus und sorgen bei manch einem Zuschauer vor allem gegen Ende gar für ein Gefühl der Enttäuschung.

Nichtsdestotrotz hat es Spielberg geschafft, die literarische Vorlage würdevoll für die Leinwand zu adaptieren und trotz simpler Figurenkonstellation seine typische Spielberg-Magie auflodern zu lassen. Besonders der Look kommt dem Film zugute, denn während man in jedem anderem Film über das altbekannte CGI-Gewitter meckert, fügt sich dieses bei Ready Player One clever in die Handlung ein. Schließlich befinden sich die Figuren in einer virtuellen Welt, die einem gigantischen Computerspiel gleicht und somit die computeranimierte Optik rechtfertigt. Zudem sieht das CGI hier auch überdurchschnittlich gut aus, wodurch der Film insgesamt auch einer beinahe 140-minütigen Zwischensequenz aus einem Videospiel gleicht.

Fazit

Insgesamt ist Ready Player One ein gefundenes Fressen für Freunde der Popkultur, das zwar bei Weitem nicht frei von Mankos ist und auch keinen großen Mehrwert anzubieten hat. Doch wer Lust auf spaßiges Popcornkino hat, der ist mit dem Streifen bestens bedient. Wer sich den rasanten Action-Flick dann tatsächlich anschauen möchte, der sollte dies aber zwingend im Kino tun, denn ist Ready Player One einer jener Filme, die durch das 3D eine wahre Bereicherung erfahren.

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