Bald im Kino: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Das neue Jahr ist angebrochen und somit läuft auch die alljährliche Oscarseason an. Mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri kommt nicht nur ein Film mit einem verhältnismäßig langen Titel daher, sondern auch ein heißer Anwärter auf die goldenen Statuen. Ob uns Martin McDonaghs neueste Crimestory, die am 25. Januar in den deutschen Kinos anläuft, überzeugen konnte, erfahrt ihr nun in unserer Kritik.

Die Rache des kleinen Mannes?

Martin McDonagh hat bereits mit Brügge sehen… und sterben? und 7 Psychos zwei Filme abgeliefert, die sein Faible für bösartige Crimestorys mit ebenso bitterbösem Humor zutage bringen. Mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri versucht er diese Bösartigkeit nun auf ein neues Level zu hieven. Denn sein neuster Streifen bewegt sich auf einem ganz schmalen Grat zwischen rabenschwarzer Komik, die zwischen der legalen und illegalen Seite des Gesetzes hin und her springt, und der verdammt tragischen Geschichte eines in Reue getränkten Dramas.

Im Mittelpunkt steht Mildred Hayes, die ihre Tochter auf die tragischste Art verloren hat, die sich eine Mutter vorstellen kann. Vergewaltigt und sterbend zurückgelassen wurde ihre Tochter zum Opfer eines Verbrechens übelster Natur. Der Polizei fehlt nicht nur jegliche Spur; die örtlichen Provinz-Polizisten sind vielmehr damit beschäftigt ihren rassistischen Vorurteilen nachzugehen und unschuldige Afroamerikaner zu verknacken. Deshalb beschließt Mildred die Polizei auf den richtigen Weg zurückzuführen, indem sie drei Werbetafeln mit provokanten Sprüchen beschriften lässt, die sich gegen den Polizeichef William Willoughby richten und die Öffentlichkeit auf die Tatenlosigkeit aufmerksam machen. Als die Polizei davon Wind kriegt, verwandelt sich die sonst so stille Idylle zu einem Schlachtfeld der (Selbst-)Justiz.

Dialoge wie Dynamit

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri scheint auf den ersten Blick ein eindringliches Drama zu sein, doch schon nach wenigen Minuten wird diese Fassade mittels explosiver Dialoge zerschossen. Frances McDormand zerstört mit ihrer gnadenlosen Dialektik jeden Mann, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Dabei entpuppt sich diese Art von Kombination aus Tragödie mit bitterbösem Ernst und zynischem Humor häufig schnell als tödlich für einen Film. Doch hier zündet jeder Spruch und lässt das Publikum laut lachen, das sich im nächsten Augenblick wegen ebendieser Lacher mit tiefster Scham erfüllt fühlt. Martin McDonagh macht also das, was er immer tut, nur besser.

Die sonst so schöne Idylle Ebbing, Missouri wird dabei zu einem Schlachtfeld der Moderne, was mit den interessantesten Stilmitteln unterstrichen wird. Ohne nun schon die ganze Bandbreite abgreifen zu wollen, soll hier die fabelhafte musikalische Untermalung manch einer Szene genannt werden. Häufig ist die Musik an Scores von bekannten Neo-Western angelehnt und lässt ein interessantes Gefühl des Genremixes aufkommen, welches immer noch den Provinzkrimi als Fundament besitzt. Ein gewagtes, aber von vorne bis hinten funktionierendes Spiel.

Ab ins Oscarrennen

Im Hinblick auf die bevorstehenden Oscars schickt Three Billboards Outside Ebbing, Missouri eine ganze Palette an bemerkenswerten Glanzleistungen ins Rennen. Frances McDormand beweist mit seiner eiskalten, erbarmungslosen und überzeugenden Aura, dass sie eine der ausdrucksstärksten Darstellerinnen ist, die Hollywood momentan zu bieten hat. Als Gegenspieler stehen ihr dabei Sam Rockwell als Polizist und Woody Harrelson als sein Vorgesetzter Chief gegenüber. Der erstgenannte spielt dabei ein so abtrünniges Arschloch von Gesetzeshüter, dass man am liebsten selbst den Schlagstock in die Hand nehmen und ihn aus seiner Uniform prügeln möchte. Woody Harrelson kann sich stattdessen beherrschen und immer rational denken, was ihn jedoch nicht weniger zum Feind für die verzweifelte Mutter werden lässt. Die beiden liefern sich dialektische Duelle und nehmen keine Rücksicht auf Verluste. Ein ruhiger Kampf, der lauter kaum sein könnte.

Fazit

Mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri schafft es Martin McDonagh im Hinblick auf die Wahrnehmung in Hollywood endlich in die Riege an Filmschaffenden aufzusteigen, derer er würdig ist. Eine brillant abgestimmte Spitzzüngigkeit, die wagemutig auf Situationen moralischer Abgründe abgefeuert wird, ohne zu geschmacklos oder makaber zu wirken. Ein Film, der nicht unter die Gürtellinie geht, aber sich weitestgehend so anfühlt. Das neue Jahr und auch die Oscar-Saison starten mit einem ruhigen Knall und einem langen Filmtitel.

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