Bei drei ist das Gemüse von meinem Grill EDEKA beeindruckt mit antiquierten Geschlechterklischees

Die Supermarktkette EDEKA wirbt in diesem Sommer mit typischen Grillgeschlechtern für ihre Grill-Waren. Es hagelt Klischees und Rollenbilder, die auch den 50ern entstammen könnten. Die Frau greift zum leichten Sommersalat (fettreduziert!) während der Mann sich direkt zwei Steaks ins Gesicht schiebt.

Möglicherweise soll es ja auch Männer geben, die Grillgemüse, Halloumi oder Pute dem blutigen Steak vorziehen oder – Gott bewahre – überhaupt kein Fleisch auf den glühenden Rost werfen. Sehr wahrscheinlich ist auch die Vielzahl an Salaten, die ich mir als Sättigungsbeilage reinschaufle, schuld daran, dass der Bizeps nicht in 1000 Jahren die 44,2 cm Marke knacken wird. Die junge Dame neben mir, die ihre Fleischhäppchen mit einem kühlen Pils herunterspült, ist natürlich ein Mannsweib. Damit auch ja keine Verwechselungen auftreten und jeder brav in seinem Rollenmuster bleibt, hat eine bekannte Kolonialwarenkette eine Gebrauchsanweisung für den geschlechteroptimierten Grillabend direkt neben die Kasse gelegt. Nicht, dass ich ausversehen zur Aubergine greife und in dem Zuge mein linkes Ei und das Recht, öffentlichen Fußballübertragungen beizuwohnen, verliere. Das ist Kundenservice.

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Fettreduzierter Minzjoghurt für die Dame, Steak an Steak für den Herrn

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Auf dem 6 seitigen Klapp- und Wendeflyer klärt uns die Supermarktkette auf:
„Während ER als einziges Beiwerk für sein Steak ein zweites Steak braucht, liebt SIE zartes Hähnchen oder Grill- Gemüse und macht ihre Gäste mit raffinierten Beilagen und passender Deko sprachlos.“

Wenn doch bloß alles so einfach wäre. Die präsentierten Rezepte für die Herren erstrecken sich vom Entrecôte bis hin zum Rumpsteak. Der dazu gereichte Salat muss als Hauptkomponente Kartoffeln enthalten und Bacon darf natürlich auch nicht fehlen. Alles weitere überfordert und ist zu bunt. Die Barbiecue-Teilnehmerinnen haben die Wahl zwischen Putenschnitzel und Mango-Halloumi-Spießen an Couscous-Salat. Der Minzjoghurt sollte im besten Fall natürlich fettreduziert sein. Auf welchem Planeten würde sich ein weibliches Wesen auch ein Milchprodukt der Vollfettstufe gönnen? Während uns auf der weichen, in Pastell getauchten Seite die Garzeiten diverser Gemüsesorten dargelegt werden, offenbart uns die Infobox auf der dunklen Seite die drei Optionen für Männer: rare, medium, well done!

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Statistisch gesehen besteht kein Zweifel, dass sich mehr Frauen pflanzlich ernähren als Männer. Laut des Vegetarierbundes Deutschland sind nur 19% aller Veganer in der Bundesrepublik Männer. Das ist auch gar nicht das Problem, aber noch immer kein Grund die Verbraucher mit antiquierten und peinlichen Geschlechterklischees zu penetrieren. Dass Weiblich- beziehungsweise Männlichkeit nicht im Singular funktioniert, sollte mittlerweile auch der Marketingstratege vom Bauerlädchen in Neuenkirchen-Vörden begriffen haben.

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Hat Mario eigentlich schon angerufen?

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Als Identifikationsmöglichkeit und zum besseren Verständnis hat EDEKA einen Werbespot produziert:


Ein möglicher Diskurs über die gemeinsame Nahrungsaufnahme scheint in keinerlei Weise möglich, da Armin den ganzen Vormittag bis späten Nachmittag im Hobbykeller abgehangen und mit hochpotenten Psychedelika hantiert hat, was seinen etwas weltfremden Gesichtsausdruck erklären würde. Bärbel, als gesundheitsbewusste Hausfrau von Welt, ist mit Active-Wear sowie Yogamatte unterwegs und schaut sparsam drein. Schon wieder Grillen. Bäh! Aber naja, so hat sie ihren Armin vor 17 Jahren kennengelernt und sich irgendwie auch in seinen infantilen, von Reflexen und Trieben gesteuerten Habitus verliebt. Für Erheiterung sorgt überraschenderweise der Mann hinter der Fleischtheke. Während Armin versucht, Worte wie Salat und Halloumi in einen für ihn sinnvollen Kontext einzuordnen, ist Bärbel schwer begeistert von der Einfühlsamkeit des Metzgermeisters. Das Eingehen auf die klassischen weiblichen Bedürfnisse stellt sich jedoch als geschickte Finte heraus, um die Olle erst mal loszuwerden und anschließend über die wichtigen Dinge zu quatschen. Armin schaltet schnell und hält den Komplizen an, doch noch einen Schlenker über die Dekoabteilung zu machen, denn neben Light-Produkten gehört auch kitschige Deko zu Bärbels Lebensinhalten. Natürlich ist es kein Verbrechen, Geschlechterrollen bewusst zu überzeichnen, jedoch geschieht dies auf eine extrem plumpe und angestaubte Art, dass das Ziel witzig zu sein, um Längen verfehlt wurde. Hat eigentlich schon Mario Barth angerufen und seinen Witz zurück verlangt? Haha.

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