Berechtigter Größenwahn oder überheblicher Abklatsch? – Der Goldene Monaco 2019

Am 29. Mai fand zum 18. Mal der Goldene Monaco im ausverkauften Apollo-Theater statt. In der besten Abendgarderobe und so glamourös gestylt, als wären sie bereits bei den Oscars als beste Newcomer nominiert, trafen sich die Nominierten und Filminteressierten ab 19.00 Uhr vor dem Theater. Um 20.15 Uhr war der Saal dann gefüllt. Die Veranstaltung begann mit einem Einspieler, in dem das charmante Moderatoren-Duo Carla Nies und Sebastian Brings durch Siegen hetzten, um rechtzeitig zum Showbeginn des Goldenen Monacos da zu sein. Wir sahen die beiden eine Brücke entlanglaufen. Carla rannte auf ihren 10cm-Absätzen und hatte dadurch, sofort die Empathie der Frauen im Saal für sich gewonnen. Mit ihrer authentischen und quirligen Art führte sie das Publikum zusammen mit ihren Co-Moderator durch den Abend. Sebastian moderierte bereits zum zweiten Mal den Goldenen Monaco und überzeugte durch seinen Humor.

„Die Berlinale ist ein Dreck dagegen“

Insgesamt waren 15 Filme in fünf verschiedenen Kategorien für den begehrten Preis nominiert. Die Kategorie Bester narrativer Film wurde durch den Laudator und Jury-Mitglied Michael Straßburger gekürt. Der Produzent und Kinoleiter aus Köln gab den ersten Gewinnerfilm des Abends bekannt: Amelie.

In dem Kurzfilm geht es um zwei Freundinnen, die sich nach einem gemeinsamen Abend voneinander verabschieden und binnen Sekunden laufen verschiedene ‘Was-wäre-wenn‘-Szenarien im Kopf der Protagonistin ab. Ob sie den Mut aufbringt eine davon in die Realität umzusetzen, schaut ihr euch am besten selbst an. Mit wenigen Mitteln und ein paar cleveren Schnitten haben die jungen Filmemacher aus einer sonst so simplen Szene einer Alltagssituation, die jeder kennt, sehr viel rausgeholt.

Der Gewinnerfilm Der Jugendtreff – Episode 1: Autorität in der Kategorie Bester Social Spot wurde durch Anna Fantl angekündigt. Der Film wurde in der Blue Box in Siegen gedreht und stellt sehr ironisch dar, wie „problemlos“ es ist, als Sozialarbeiter von den Jugendlichen ernst genommen und respektiert zu werden. In ihrer Rede lobte die Referentin von der Film- und Medienstiftung NRW zudem die Gäste für die schönen Outfits mit den Worten „Die Berlinale ist ein Dreck dagegen.“

Das Publikum wurde „verhaftet wegen sexy“

Das beste Musikvideo wurde von Marcel Barion, Jurymitglied, Filmregisseur und Dozent an der Uni Siegen verkündet. Auch er war begeistert von den ganzen schönen Menschen im Saal und sagte, dass der Goldene Monaco irgendwas zwischen Filmfestspiele und Preisverleihung ist, sich stiltechnisch, aber mehr an den Oscars orientiert. Dies sei zwar etwas größenwahnsinnig, aber in der Filmbranche muss man das auch sein, weshalb es durchaus seine Berechtigung hat, sich an Hollywoods Dresscode zu halten.

Diese Kategorie gewann Kristina Neumann, die als einzige ganz allein den Film no monsters eingereicht hat und auch selbst Darstellerin war. Ihr Video wirkt psychedelisch und erinnert, durch die flackernden und scheinbar zusammenhanglosen Bilder, an einen Drogenrausch.

Laut den beiden Moderatoren geht der Preis für das beste visuelle Konzept an das Publikum. Und auch der Schauspieler Lukas Piloty, der den Gewinner in dieser Kategorie bekannt gab und selbst bei SOKO Köln einen Kommissar spielt, sagte dem Publikum: „Ihr seid verhaftet wegen sexy.“ Lobte aber auch die sehr beeindruckende Schauspielleistung von den beiden Darstellern des Siegerfilms Rochade. Wie der Titel es vermuten lässt, geht es um eine Schach-Partie. Auf diese Weise spielt der fast sechsminütige Film sehr gekonnt mit Licht und Schatten. Was auch sehr gut die emotionale Zerrissenheit der Figur wiederspiegelt.

Für den diesjährigen Publikumspreis gingen die Filme eINMAL aLLES, Guter alter Freund und Via con me ins Rennen. Während der zwanzigminütigen Pause konnte das Publikum seinen Favoriten wählen. Am Ende der Veranstaltung wurde das Geheimnis gelüftet und der Goldene Monaco ging an eINMAL aLLES. Der Film wurde in Prag gedreht und handelt von einem Pärchen, das unbedingt an Geld kommen will, auch mit nicht ganz legalen und vor allem seriösen Mitteln. Besonders interessant an dem Pseudo-Krimi ist das Abweichen von dem stereotypischen Rollenverhalten der Hauptdarsteller. So sitzt beispielsweise die Protagonistin breitbeinig und Bier trinkend auf einer Bank und später gibt sie ihrem Partner die Jacke, weil er so fürchterlich friert.

Lagerfeuerromantik und Kabarett

Wie immer beim Goldenen Monaco gab es auch Showacts. Den Anfang machte das Duo Kevin Rudek und Justus Bien. Die Freunde musizieren schon acht Jahre zusammen und überzeugten mit ihrer gefühlvollen Performance. Die beiden Musikstudenten performten die Songs Dawning Memories und Der Lauf des Lebens. Kevins sanfte und zeitgleich rauchige Stimme wurde von Justus Gitarrenkünsten vollendet. Es fehlte nur noch das Lagerfeuer, um die romantische Stimmung perfekt zu machen. Und obwohl die Musik eher ruhig und entspannend ist, musste man einfach zum Takt mitwippen.

Ein weiterer Gewinner des Abends war wohl auch der zweite Showact Jakob Heymann. Zwar war er für keine Kategorie nominiert, hatte aber mit seinem radikalen Humor und seiner Spontanität sofort die Herzen des Publikums gewonnen. So sortierte er sein Lied Schnulzensänger kurzerhand in die Kategorien Narration und Social Spot ein. In seinem nächsten Song Lied 5 will er „Kein Sex mit Nazis“ und in dem Gedichtlied fängt er völlig unerwartet an zu rappen. Nach eigener Aussage ist er extra für die Rapnummer bis zur After-Show-Party nüchtern geblieben. Diese fand dann auch direkt im Apollo Theater statt und trotz eines etwas schleppenden Starts wurde dann doch noch ordentlich getanzt und gefeiert in den wunderschönen Abendkleidern und Anzügen, wie es sonst Hollywoods Elite bei den Oscars tut. Walt Disney sagte einst: „If you can dream it, you can do it”. Also wer weiß schon, ob wir den einen oder anderen talentierten Filmemacher nicht doch irgendwann mal in Hollywood sehen werden. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

Alle die kein Ticket mehr bekommen haben und auch am Nominiertenabend nicht dabei waren, können sich alle Nominierten- und Gewinner-Filme auf der Webseite des Goldenen Monacos ansehen.

Fotos: Bastian Puchmüller

Du möchtest weiterlesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.