Blade Runner 2049: Kritik und Verlosung

Spätfortsetzungen sind cineastisch betrachtet ein heikles Thema. Mit ihnen geht oftmals der Gedanke einher, dass sie nur produziert werden, um noch einmal den letzten Dollar aus einem Franchise auszusaugen. Der Pate III, Stirb langsam 4.0 oder Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels sind dafür Paradebeispiele. Als die Nachricht publik wurde, dass einer der einflussreichsten Sci-Fi-Flicks der Filmgeschichte nach 35 Jahren eine Fortsetzung erhält, die mit der Handlung an den Vorgänger anknüpft, waren die zweifelnden Gemüter der Kinofans zunächst absolut legitim. Die Rede ist natürlich von Blade Runner. Doch nachdem der Posten für den Regiestuhl sowie der Cast bekanntgegeben wurden, konnte die Skepsis vorerst zermürbt werden und ein kleiner Hoffnungsschimmer breitete sich aus. Mit Denis Villeneuve als treibende Kraft des Projekts, Harrison Ford als altbekanntem Replikantenjäger und Neuzugang Ryan Gosling nahm Blade Runner 2049 vielversprechende Züge an. Zum Heimkinostart verraten wir euch nicht nur, ob der Streifen in die Fußstapfen seines ikonischen Vorgängers treten kann, sondern verlosen zudem auch noch zwei Blu-rays. Wie ihr am Gewinnspiel teilnehmen könnt, erfahrt ihr am Ende des Artikels.

Wie ein Phönix aus der Asche

Blade Runner zählt heute zu den bedeutsamsten Werken der Filmgeschichte. Trotz der Tatsache, dass viele Filmenthusiasten ihn als langatmig oder gar öde bezeichnen, genießt der Streifen des Altmeisters Ridley Scott ein ansehnliches Prestige. Zu seiner Zeit sah dies jedoch ganz anders aus. Das Original floppte nicht nur exorbitant an den Kinokassen, sondern wurde auch von Kritikern und Publikum regelrecht zerrissen. Für die Geschichte des Rick Deckard, der als titelgebender Blade Runner sogenannte Replikanten (Maschinen, die zur Unterstützung der Menschheit konstruiert werden, aber der Gefahr auslaufen, eigenständige Emotionen und Gedanken zu entwickeln) jagt, war die Welt wohl noch nicht bereit. Der Versuch, eine Zukunft nicht als strahlende Vision von Entwicklung und Fortschritt, sondern als unheilvolle Dystopie darzustellen, stellte sich als Schuss in den Ofen heraus.

Blade Runner 2049 schließt nun – 30 Jahre später – an das Geschehen des Vorgängers an. Noch immer kennzeichnen Dekadenz und Dunkelheit sowie das Problem der Überbevölkerung das Los Angeles der nahen Zukunft. Die Stadt versinkt in einer gigantischen Smog-Wolke und da es kein natürliches Ökosystem mehr gibt, stellen Flora und Fauna dahingeschiedene Phänomene dar. Das Replikantenproblem, wie man es einst kannte, gehört zwar der Vergangenheit an, dennoch sind Replikantenjäger wie Officer K noch immer im Einsatz, um jene Replikanten in den „Ruhemodus“ zu versetzen, deren Lebenszeit aufgrund eines Produktionsfehlers unbegrenzt ist. Als K auf dem Grundstück eines solchen zurückgezogenen Replikanten einen mysteriösen Fund macht, gräbt er ein Geheimnis aus, das die gesamte Existenz der Menschheit gefährdet. Ein Kapitel, das man besser nicht aufgeschlagen hätte – zumindest aus der Perspektive der Menschen.

Eine große Verantwortung

Unter dem großen Schatten, den der originale Klassiker von 1982 wirft, war es für Denis Villeneuve sicherlich keine leichte Hürde, den Erwartungen der Fans gerecht zu werden. Alles entscheidend war zunächst, ob der Streifen die philosophische Frage beantwortet, die am Ende des ersten Teils offengelassen wurde und enorm viel zum delphischen Charakter des Films beitrug. Diese Frage zu beantworten würde also ein wesentliches Element des Klassikers zerstören. Doch Villeneuve hat es nicht nur geschafft, diese Problematik clever zu umgehen, sondern auch noch die Erwartungen und Spekulationen des Publikums zu nutzen und mit diesen zu spielen. Eine perfekte Herangehensweise, die die philosophische Quintessenz aufrechterhält, sich als schöne Fortführung der bekannten Story erweist und die beiden Filme damit nahtlos aneinanderschweißt.

Eine weitere Angst der Fans, die durch die ersten Trailer entstand, wurde durch die Action hervorgerufen. Während die gezeigten Ausschnitte den Eindruck vermittelten, dass es in Blade Runner 2049 ordentlich krachen wird, fällt der Anteil an Actionsequenzen in dem 163-minütigen Spektakel äußerst mager aus, was dem Film jedoch verdammt guttut. Die Action ist ziemlich rar gesät und wenn es dann mal zum Einsatz des legendären Blasters kommt, wird mit einer Präzision gearbeitet, die das ganze Brimborium in wenigen Minuten auch schon wieder beendet. Knackige, geladene Action, die behutsam eingesetzt wird und sich nicht an geläufigen Trends des generischen Hollywood-Blockbusters vergreift. Eine paradox erscheinende Mischung aus Langatmigkeit und einer intensiven Spannung sorgen für ein grandioses Pacing, das den Ausflug in die finstersten Gefilde der Zukunft trotz Überlänge wie im Flug vergehen lässt.

Eine audiovisuelle Orgie

Natürlich dürfte man kein Wort über Blade Runner 2049 verlieren, ohne dabei nicht auch die auditive und visuelle Komponente zu erwähnen. Diese sind der Himmel auf Erden für jeden Kinogänger, auch wenn die Handlung des Films eher das Gegenteil suggeriert. Die optische Messlatte für Blockbusterkino wird hier auf ein neues Niveau gehoben und lässt den Anschein erwecken, man hätte sich tatsächlich der Technik von 2049 bedient. Die in Neonfarben getränkten Bilder stehen im ständigen Kontrast zu den kalten Setpieces und sorgen mit ihrem nebulösen Glanz für eine astreine Optik. Sie schreien förmlich danach, dass man sie sich als Poster in die eigenen vier Wände hängt. Die Farbgebung, die Beleuchtung, das Setdesign, die Ausstattung: Hier stimmt einfach alles. Allein aus den etlichen Tweets von begeisterten Kinobesuchern könnte man schon einen endlos langen Roman zu diesem Thema stricken.

Untermauert wird diese Bildgewalt dann von der ebenso bombastischen Soundkulisse. Nicht nur in kleinen Provinzkinos, sondern auch in den Filmpalästen der Großstädte fingen Leinwände an zu wabern, weil sie dem enormen Ausmaß an schallender Akustik nicht standhalten konnten. Einerseits hat man Kameraeinstellungen und bestimmte Szenen als Hommage an den Vorgänger fast eins zu eins übernommen, andererseits auch noch genügend Eigenständiges geliefert. Das Gleiche gilt auch für die Musik. So wurde das ikonische Theme „Vangelis“ aufgegriffen und um einige neue Töne erweitert. Ein schöner Mix aus alt und neu beziehungsweise würdevoller Huldigung und innovativer Neuschöpfung. Bei all diesem Lob ist es nur zu schade, dass den Streifen das selbe Schicksal ereilt hat, wie den Vorgänger: Blade Runner 2049 war eine absolute Katastrophe an den Kinokassen.

Neue Gesichter, alte Probleme

In die einstigen Fußstapfen von Harrison Ford tritt Ryan Gosling, der den Großteil des Films trägt. Mit seinem minimalistischen Ausdruck gibt er den perfekten Replikanten-Officer und schafft es trotz der vorläufigen Kälte, die seiner Figur zunächst innewohnt, nach und nach einen vielschichtigen Charakter zu erwecken. Nicht ohne Grund gingen etliche Freunde der guten Verkleidung im letzten Jahr an Halloween als Officer K. An seiner Seite spielt unser aller liebster Schauspiel-Opa Harrison Ford natürlich seine altbewährte Rolle des Rick Deckard. Seit langem sieht man dem 75-Jährigen seine ambitionierte Lust wieder an. Denn während Harrison Ford in den jüngsten Streifen seiner Filmografie meist überaus gelangweilt und mit wenig Pathos vor der Kamera stand, wirkt er bei Blade Runner 2049 absolut motiviert und vollgeladen. Schön, den alten Herren endlich mal wieder auf Hochtouren zu sehen.

Der Cast verspricht aber neben den amtierenden und pensionierten LAPD Officers noch das eine oder andere Gesicht aus der großkalibrigen Garde Hollywoods. So schlüpft Jared Leto als neuer Kopf der Tyrell Corporation in die Rolle des großen Bösewichts, während an der Spitze des LAPDs Robin Wright als „Madam“ den Gegenpart übernimmt. Darüber hinaus sehen wir eine Ana de Armas als Hologramm-Freundin von K oder Ex-Wrestler Dave Bautista, der zwar nur einen unheimlich kurzen Auftritt hat, mit diesem aber sein schauspielerisches Potential vollstens offenbart. In dieser wilden Konstellation, bei der jede Figur dennoch genügend Screentime bekommt, werden schließlich auch jene Existenzfragen aufgegriffen, die man schon vom originalen Blade Runner kennt. Jedoch schafft der Film es, diese Fragen aus neuen Perspektiven zu beleuchten und sich nicht in ihnen zu verlieren, wodurch unnötige Wiederholungen vermieden werden.

Fazit

Blade Runner 2049 ist einfach die Blaupause für eine perfekte (Spät-)Fortsetzung. Die Handlung wird würdig fortgesetzt, die Darsteller brillieren rundum und die audiovisuelle Wucht, die dieser Film besitzt, haut einem schließlich den letzten Funken Skepsis aus dem Gedächtnis. Dieser Streifen ruht sich nicht auf den Lorbeeren seines kultigen Vorgängers aus, sondern nimmt das Wesen des Originals, verfrachtet es 30 Jahre in die Zukunft und füttert dieses fiktive Universum mit neuer, schmackhafter Materie. Obendrein kommt noch eine Prise wohldosierten Fanservices hinzu und man greift einige der philosophischen Grundfragen auf, ohne sich im Hinblick auf den Vorgänger zu wiederholen. Ihr wollt euren neuen 4K-Fernseher einweihen, die Grenzen eurer Heimkinoanlage testen oder einfach nur eine nahezu perfekte Fortsetzung sehen? Dann ist Blade Runner 2049 in allerlei Hinsicht der heißeste Anwärter für euren nächsten Filmabend.

Mit freundlicher Unterstützung von Sony Pictures Home Entertainment haben wir zwei Blu-rays erhalten, die wir unter euch verlosen. Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr lediglich auf unsere Facebook-Seite gehen und unter dem geteilten Beitrag die Frage, mit wem ihr euch Blade Runner 2049 am liebsten ansehen würdet, beantworten. Teilnahmeschluss ist der 10.03.2018. Blade Runner 2049 ist seit dem 15.02.2018 auf DVD & Blu-ray erhältlich.    

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