Buchempfehlung: Spektrum von Sergej Lukianenko

Was wäre, wenn ihr innerhalb von Sekunden auf einen anderen Planeten reisen könntet, bequem von einem Portal in eurer Nähe aus? Und das Ganze kostete euch kein Geld, lediglich eine Geschichte. Diese Geschichte muss noch nicht einmal wahr sein. Oder lang. Wohin würdet ihr reisen? Und würdet ihr die Gefahr in Kauf nehmen, nicht mehr zurückkehren zu können? Diesem Gedanken- und Geschichtenspiel widmet sich der russische Autor Sergej Lukianenko in seinem Science-Fiction-Roman Spektrum.

Jahre vor der im Roman erzählten Geschichte tauchten die Sternentore mit den Schließern auf. Die Schließer sind Außerirdische, die die Tore betreiben und den Zugang zu ihnen bewachen. Sie gewähren jedem Zutritt in das Tor – und somit Zugang zu allen in diesem mit Sternentoren angeschlossenen Welten für den Preis einer Geschichte. Eine neue, nicht abgelesene Geschichte muss es sein. War die Geschichte gut genug, darf man das Tor nutzen. War sie es nicht, hat man unbegrenzt neue Versuche oder man gibt auf.

Keine Garantie für Rückkehr

Wenn man denn einmal verreist ist, heißt das nicht automatisch, dass man wieder zurückkehren kann. Denn es gibt keine Garantie, kein Geheimnis, das einem die erneute Nutzung der Tore ermöglicht. Nur eine neue Geschichte, die dem Schließer in der anderen Welt als Belohnung ausreicht. Nicht wenige sind auf diesem Wege schon gestrandet und nie zurückgekehrt.

Im Roman begleiten wir den russischen Privatdetektiv und „Weltengänger“ Martin Dugin. Sein neuester Auftrag wird ihm vom Vater eines verschwundenen Mädchens erteilt. Irina wurde zuletzt gesehen, als sie das Moskauer Sternentor betrat. Martin hat schon viele Reisen durch die Tore erlebt und ist jedes Mal froh, wenn er die Rückreise antreten kann. Selbst er – der routiniert durch die verschiedenen Welten zu wandeln scheint – kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er wiederkehrt.

Science-Fiction mit einer guten Dosis Philosophie und Mind-Fuck-Momenten

Wer Lukianenko kennt (die Wächter-Reihe stammt von ihm, aber auch andere Titel wie Sternenspiel und Sternenschatten sowie Die Ritter der Vierzig Inseln), weiß, was einen erwartet: Science-Fiction mit einer guten Dosis Philosophie und Mind-Fuck-Momenten. Die unterschiedlichen Spezies, denen Martin und Irina auf ihren Reisen begegnen, zeigen dem aufmerksamen Lesenden die Variationen von Lebensweisen auf. Was der einen Art wichtig ist, muss nicht für die nächste gelten. Dazu kommt noch die Frage nach der eigenen Identität, welche vor allem durch Irinas Erlebnisse aufgeworfen wird.

Wer nicht selbst lesen mag, dem sei die deutschsprachige Hörbuch-Fassung nur wärmstens empfohlen. David Nathans Stimme, die als Synchronstimme von Johnny Depp oder von Nathan Fillion in Firefly bekannt ist, macht Spektrum als Hörbuch zu einem Hörgenuss.

Dem Lesenden spukt stets die eine Frage im Hinterkopf: Würde ich eine Reise zu anderen Welten wagen, wenn ich mir nicht sicher sein kann, auch wieder zurückzukehren? Diese Frage macht Spektrum, dessen deutsche Übersetzung mittlerweile 10 Jahre als ist, zu einem Werk, das seinen Kosumenten zeitlos ergreifen kann.

Photo by Jeremy Thomas on Unsplash

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