Mond und Wolken

Buchrezension – Die dunkle Seite des Mondes

Nutzt die letzten Wochen der Semesterferien bitte sinnvoll!

Beispielsweise damit…

Suters Roman wirkt wie ein Drogencocktail

Staranwalt Urs Blank auf Abwegen

 

 

In „Die dunkle Seite des Mondes“ stürzt Martin Suter seinen Protagonisten, den Wirtschaftsanwalt Urs Blank, in eine schwere Identitätskrise. Um seinem tristen Alltag zu entkommen lässt sich Blank auf einen Drogentrip ein, dieser bleibt jedoch nicht folgenlos. Der Staranwalt ist nach der Einnahme von halluzinogenen Pilzen kaum wiederzukennen. Er durchlebt nicht nur schwere psychosoziale Entgleisungen, sondern sein lang im Verborgenen gebliebener dunkler Charakter kommt zum Vorschein.

 

Suter, preisgekrönter Schriftsteller aus der Schweiz, wurde durch seinen Debütroman „Small World“, welcher kurz nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2010 zum Bestseller avancierte, international bekannt. Auch in seinem Zweitroman „Die dunkle Seite des Mondes“ schafft er es, den Leser, trotz oder gerade wegen seinem doch recht eigenwilligen Schreibstil, an der intensiven Geschichte des Protagonisten Blank teilhaben zu lassen. Den Titel für seinen 2011 veröffentlichten Roman wählte er in Anlehnung an das Pink Floyd Album „The dark side of the moon“.

 

Der erfolgreiche Schweizer Wirtschaftsanwalt Dr. Urs Blank, Fachmann für Fusionsverhandlungen, hat sein Leben fest im Griff bis er bei einem Spaziergang über den Flohmarkt das junge Hippiemädchen Lucille kennenlernt. Blank ist sofort fasziniert von ihr und es kommt was kommen muss. Blank verlässt seine langjährige Lebensgefährtin und beginnt eine Affäre mit Lucille. Was hier zunächst den Anschein nach einer klassischen Liebesdramatik gleicht, kommt aber ganz anders. Im Kreise der Freunde des jungen Mädchens kommt es zu einem psychodelischen Happening auf einem abgelegenem Waldstück. Doch die eingenommenen Drogen in Form von Pilzen führen bei Blank zu einem weiten Kreis der Veränderungen. Er ist nicht mehr derselbe und seine dunklen Seiten lenken fortan sein Leben. Weit entfernt von seinen bisherigen Charakterzügen wird er nach dem Drogentrip tyrannisch, gewalttätig und aggressiv. Um dies wieder zu ändern folgt er dem Ratschlag seines guten Freundes, dem Psychiater Dr. Alfred Wenger, und entschließt sich zu einem weiteren Pilztrip um seine Identität zu rekonstruieren. Er tauscht in Folge dessen sein Büro gegen das Waldleben. Immer auf der Suche nach dem einen, seltenen Pilz, den er eingenommen hat. Als er ihn endlich findet, beschließt Blank sein neu gewonnenes Leben im Wald fortzuführen und täuscht seinen Selbstmord vor. Dies bleibt jedoch nicht lange unentdeckt und führt zu einem Ende mit Schockmomenten.

 

Was mit einer zufälligen Begegnung und der Sehnsucht nach Veränderung beginnt, durch die Wirkungen eines psychodelischen Drogentrips führt und letztendlich in einer Persönlichkeitsstörung mündet ist ein gelungener Krimi aus der Feder des Schweizer Erfolgsautors. Suters Roman folgt nicht der Norm eines kriminalistischen Erzählstrangs, was der Spannung aber keinerlei Abbruch tut. In diesem psychosozialen Wirtschaftskrimi schafft der Autor es, die Flucht eines erfolgreichen Menschen aus der Businessclass in eine andere Welt inklusive dunklen Abgründen fallen zu lassen und lässt dabei der Trivialität keine Chance. Lassen sie sich von Suter mit auf eine ungewöhnliche Reise voller Irrwege, Krisen und Hoffnungen mitnehmen. Von der ersten bis zur letzten Seite lesenswert, mit überraschendem Ende. Welcome to „the dark side of the moon“.

 

Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes (Taschenbuch), Diogenes, 315 Seiten, 10,90 €

 

Bidl: Lizenz: CC0 Public Domain Quelle: pixabay.com – Autor:Lady Lioness

Du möchtest weiterlesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.