Afrikanische Klänge in niedersächsischem Hinterhof

Ich nehme an ihr wart noch nie im Musikzentrum Hannover? Falls doch, dann bewundere ich euren guten Geschmack für schräge Orte. Ich war vor vier Monaten zum ersten Mal dort und kann nur sagen: Ihr müsst dahin!! Doch ich fange mal besser von vorne an… Vor einigen Jahren habe ich ein halbes Jahr in Kapstadt verbracht. Und wenn man in so einer Stadt lebt, dann will man natürlich auch wissen, wie die Menschen dort so ticken. In welchen Lokalen sie ihren Sundowner genießen, an welchen Stränden sie abhängen und natürlich auch zu welcher Musik sie gerne feiern. In Kapstadt ist eigentlich an einem Samstagabend von Bars mit Live Bands bis […]

Ich schlafe mit Justus, Peter und Bob.

Robert Arthur hatte wohl nicht die geringste Ahnung, welche Welle er auslösen würde, als er 1964 den ersten Fall der drei Fragezeichen („…und das Gespensterschloß“) niederschrieb –  zumindest in der Bundesrepublik. Seit 1993 die Reihe in den USA eingestellt wurde, setzen deutsche Autoren das Erbe fort. Neben den Büchern erfreuen sich allerdings die bereits ab 1979 adaptierten Hörspiele riesiger Beliebtheit. Mittlerweile wurden über 45 Millionen Tonträger verkauft und zweimal im Jahr erscheint eine neue Episode, von denen in der Regel 80.000 bis 100.000 Exemplare über die (virtuelle) Ladentheke gehen. Die 185. und aktuellste Folge “ Die drei Fragezeichen und der Mann ohne Augen“ erschien dieses Jahr im Januar.  Neben den […]

„I am a poet and I know it“

Dass Bob Dylan im Dezember letzten Jahres nicht persönlich in Stockholm erschien um seinen Preis entgegenzunehmen war keine große Überraschung. Falls er aber die 870.000 US Dollar Preisgeld abgreifen möchte, erwartet die Akademie bis zum April 2017 eine Rede vor Publikum in Schweden. Die Entscheidung der Jury einem Musiker den Literaturnobelpreis zu verleihen war umstritten und nicht ohne Eigennutz.

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans" >

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Durch die Drehtür hindurch und eine Wendeltreppe hinunter, stand ich vor zwei massiven Schwingklappen, wie ich sie in etwa aus der Kneipe meines Großvaters kannte. An der Bar saßen zwei Männer. Beide trugen Anzüge. Einer hatte seinen Schlips zu einem Stirnband gebunden und ich dachte, dieses Bild aus irgendeinem, wahrscheinlich amerikanischen, Film zu kennen, denn viel zu häufig entnahm ich bestimmte Wahrnehmungsmuster meiner cineastisch-ikonographischen Erziehung. An einem Rundtisch in der hinteren Ecke des rechteckig gelegten Altbaus vermutete ich Studenten. Als Erstes fiel mir jedoch die räumliche Symmetrie ins Auge. Über die Tische hinweg bewirkte sie etwas von einem Bild oder einer Postkarte. Das lag vor allem daran, dass der Raum in den […]

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Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Direkt vor Dorothees Wohnung war es noch viel lauter, als es vom Fenster aus immer ausgesehen hatte. Fünf Mädchen, ineinander gehakt, kreischten den Refrain von I don´t wanna miss a thing. Im Kampf um den Wein, den sie einander herumreichten, ergaben sich die hochhackigen Absätze mit jedem Schritt dem Gewicht, das auf ihnen lastete. Ein paar Typen, die ich unweigerlich als Proleten ausmachte, augenscheinlich Bankdrücker, skandierten irgendeinen Mist, bei dem lediglich der Kreuzreim entscheidend ist. Ich machte mich auf den Weg zur nächsten Metro. Die 103 stand abfahrbereit. Wie immer. An der 79 Street, die direkt am Hudson liegt, stieg ich aus und war irritiert, dass ich mich an […]

„Schuld ist unsere Scheide“ Ex-Siegenerin Giulia Becker singt bei Böhmermann von Sexismus - und ist dabei mehr als nur witzig" >

„Schuld ist unsere Scheide“ Ex-Siegenerin Giulia Becker singt bei Böhmermann von Sexismus - und ist dabei mehr als nur witzig

Giulia Becker hat beim Neo Magazin Royale bisher eher im Hintergrund Gags geschrieben. Einigen Siegener Studierenden ist sie vielleicht sogar noch als Kommilitonin bekannt. Jetzt hat sie für die Show einen Song über ihr großes Problem geschrieben: Ihre Scheide. Ein Kommentar.

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Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Zettelbotschaften hatte ich schon als Teenager romantisch gefunden und sie stets mit jener Aufregung verteilt beziehungsweise in Empfang genommen, wie sie in diesem Alter – auch wegen des ersten libidinösen Aufbegehrens seit der phallischen Phase – nun mal typisch ist. Ich stellte mir mich aus Malus Perspektive vor. In dieser Inszenierung hätte ich die Nachricht nicht sofort gelesen. Mit blitzenden Augen würde sie nun beobachten, wie ich den Zettel in meinem Portemonnaie als Beleg einer auflodernden Romanze oder als Relikt einer schicksalhaften Eingebung bergen würde, bloß um ihn mir, sobald ich zurück in Dorothees Wohnung wäre, neben meine Unterlagen auf den Schreibtisch zu legen. Dann fiel mir auf, dass […]

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Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Malu war jünger als ich. Jedenfalls so viel jünger, dass es mir hätte auffallen können. In ihrem Gesicht, bedeckt von einem derart wilden Pony, dass ich mich an die parametrischen Kurvenintegrale erinnerte, die ich nie verstanden hatte, deutete sich jederzeit ein Lächeln an, ohne dass sie etwas dafür konnte. Sie umgab ein leichtes Flimmern, ein Pol, der eine auratische Aufregung anzog, in der sie ihre Blicke – nach den Codes, die unser Verhalten koordinieren sollen, letztlich aber doch bloß Ausdruck repressiver Begierden sind – als kokettierende Signale verhandeln konnte. Dass sie ihr laszives Wesen so willentlich, offenbar voller Überzeugung, nach außen trug, machte sie mir sympathisch. Neben der überbetonten […]

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Neon wie es nicht bloß scheint Beginn eines Romans

Ein junger Schriftsteller, der sich in Deutschland durch kleinere, jedoch von der Presse gefeierte, Veröffentlichungen einen Namen machen konnte, hat Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere. Ausgestattet mit dem Stipendium eines renommierten Verlags zieht es ihn nach New York. Dort soll er an einer Kolumne arbeiten, um Geist und Wesen seiner Zeit zu erfassen. Nichts scheint hierzu aussichtsreicher als die neu gewonnene Anonymität, die ihn mit der Unbefangenheit staffiert, einen ironischen Blick auf die augenscheinliche Nervosität der Stadt zu werfen. Schon bald aber kehrt sich dieser Blick nach innen. Die Lichter der Boulevards erhellen weitaus mehr als die Nacht.