Freud, Narzissmus und die Selfie-Culture Antiquierte Gedankenspiele und die Notwendigkeit ihrer Neubewertung im digitalen Zeitalter

Für Sigmund Freud stand eines fest: narzisstische Dispositionen – eben auch in Anlehnung an die mythologische Figur – sind Ausdruck eines verdorbenen Hanges zur Selbstvernarrtheit und finden im Zuge außerweltlicher Isolation statt. Dass sich diese Einschätzung gerade in Zeiten objektiv messbarer Selbstdarstellung als völlig überholt erweist, beglaubigen die sozialen Praktiken des digitalen Zeitalters. 

Immer gleiten dieselben Filter vorüber Der mythologische Narziss als Sinnbild digitaler Kulturkritik

Wenn bei André Gides Narziss-Interpretation von einem Traktat die Rede ist, tritt recht schnell zu Tage, dass das, was folgt, ideeller Natur entspringen muss. Vielleicht sogar einem Missionierungsbestreben. Dass sich der mythologische Narziss ebenso wie die Textform aus der Antike erhoben, scheint in diesem Fall v.a. deshalb zweitrangig, weil der Autor egomanische Selbstverliebtheit als Signum der modernen Gesellschaft verurteilt. Interessanter noch: Gide antizipierte das, was wir heute unter Selfie-Culture verstehen. Der Mythos von Narcissus dient hier gut und gerne als Blaupause. Dabei mutet Gides Anprangerung sehr eindringlich wie bildhaft an. Ovid, Urheber der mythologischen Sage, wird sich im Grab umgedreht haben.

Afrikanische Klänge in niedersächsischem Hinterhof

Ich nehme an ihr wart noch nie im Musikzentrum Hannover? Falls doch, dann bewundere ich euren guten Geschmack für schräge Orte. Ich war vor vier Monaten zum ersten Mal dort und kann nur sagen: Ihr müsst dahin!! Doch ich fange mal besser von vorne an… Vor einigen Jahren habe ich ein halbes Jahr in Kapstadt verbracht. Und wenn man in so einer Stadt lebt, dann will man natürlich auch wissen, wie die Menschen dort so ticken. In welchen Lokalen sie ihren Sundowner genießen, an welchen Stränden sie abhängen und natürlich auch zu welcher Musik sie gerne feiern. In Kapstadt ist eigentlich an einem Samstagabend von Bars mit Live Bands bis […]

Ich schlafe mit Justus, Peter und Bob.

Robert Arthur hatte wohl nicht die geringste Ahnung, welche Welle er auslösen würde, als er 1964 den ersten Fall der drei Fragezeichen („…und das Gespensterschloß“) niederschrieb –  zumindest in der Bundesrepublik. Seit 1993 die Reihe in den USA eingestellt wurde, setzen deutsche Autoren das Erbe fort. Neben den Büchern erfreuen sich allerdings die bereits ab 1979 adaptierten Hörspiele riesiger Beliebtheit. Mittlerweile wurden über 45 Millionen Tonträger verkauft und zweimal im Jahr erscheint eine neue Episode, von denen in der Regel 80.000 bis 100.000 Exemplare über die (virtuelle) Ladentheke gehen. Die 185. und aktuellste Folge “ Die drei Fragezeichen und der Mann ohne Augen“ erschien dieses Jahr im Januar.  Neben den […]

„I am a poet and I know it“

Dass Bob Dylan im Dezember letzten Jahres nicht persönlich in Stockholm erschien um seinen Preis entgegenzunehmen war keine große Überraschung. Falls er aber die 870.000 US Dollar Preisgeld abgreifen möchte, erwartet die Akademie bis zum April 2017 eine Rede vor Publikum in Schweden. Die Entscheidung der Jury einem Musiker den Literaturnobelpreis zu verleihen war umstritten und nicht ohne Eigennutz.

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Durch die Drehtür hindurch und eine Wendeltreppe hinunter, stand ich vor zwei massiven Schwingklappen, wie ich sie in etwa aus der Kneipe meines Großvaters kannte. An der Bar saßen zwei Männer. Beide trugen Anzüge. Einer hatte seinen Schlips zu einem Stirnband gebunden und ich dachte, dieses Bild aus irgendeinem, wahrscheinlich amerikanischen, Film zu kennen, denn viel zu häufig entnahm ich bestimmte Wahrnehmungsmuster meiner cineastisch-ikonographischen Erziehung. An einem Rundtisch in der hinteren Ecke des rechteckig gelegten Altbaus vermutete ich Studenten. Als Erstes fiel mir jedoch die räumliche Symmetrie ins Auge. Über die Tische hinweg bewirkte sie etwas von einem Bild oder einer Postkarte. Das lag vor allem daran, dass der Raum in den […]