Brauhausfotografie So war die diesjährige Eröffnung der Fotografie-Ausstellung der Siegener Kunststudierenden

Am Dienstag, den 21.11., haben wir unseren schwärzesten Rollkragenpulli angezogen und unsere wissendsten Mienen aufgesetzt, um der Brauhausfotografie 26 einen Besuch zur Eröffnung abzustatten – Wo sollte es anders sein: Im Geisweider Brauhaus, dem Ateliergebäude der Siegener Kunststudierenden. Die Ausstellung, die seit 1992 jährlich von den Studierenden der Kunst realisiert wird, stellt die Bereiche Fotografie und Video traditionell in den Vordergrund. In den Arbeitsräumen des Brauhauses kann weiterhin fernab der Ausstellung auch ein Blick auf die Malerei und plastische Werke geworfen werden.

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Durch die Drehtür hindurch und eine Wendeltreppe hinunter, stand ich vor zwei massiven Schwingklappen, wie ich sie in etwa aus der Kneipe meines Großvaters kannte. An der Bar saßen zwei Männer. Beide trugen Anzüge. Einer hatte seinen Schlips zu einem Stirnband gebunden und ich dachte, dieses Bild aus irgendeinem, wahrscheinlich amerikanischen, Film zu kennen, denn viel zu häufig entnahm ich bestimmte Wahrnehmungsmuster meiner cineastisch-ikonographischen Erziehung. An einem Rundtisch in der hinteren Ecke des rechteckig gelegten Altbaus vermutete ich Studenten. Als Erstes fiel mir jedoch die räumliche Symmetrie ins Auge. Über die Tische hinweg bewirkte sie etwas von einem Bild oder einer Postkarte. Das lag vor allem daran, dass der Raum in den […]

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Direkt vor Dorothees Wohnung war es noch viel lauter, als es vom Fenster aus immer ausgesehen hatte. Fünf Mädchen, ineinander gehakt, kreischten den Refrain von I don´t wanna miss a thing. Im Kampf um den Wein, den sie einander herumreichten, ergaben sich die hochhackigen Absätze mit jedem Schritt dem Gewicht, das auf ihnen lastete. Ein paar Typen, die ich unweigerlich als Proleten ausmachte, augenscheinlich Bankdrücker, skandierten irgendeinen Mist, bei dem lediglich der Kreuzreim entscheidend ist. Ich machte mich auf den Weg zur nächsten Metro. Die 103 stand abfahrbereit. Wie immer. An der 79 Street, die direkt am Hudson liegt, stieg ich aus und war irritiert, dass ich mich an […]

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Zettelbotschaften hatte ich schon als Teenager romantisch gefunden und sie stets mit jener Aufregung verteilt beziehungsweise in Empfang genommen, wie sie in diesem Alter – auch wegen des ersten libidinösen Aufbegehrens seit der phallischen Phase – nun mal typisch ist. Ich stellte mir mich aus Malus Perspektive vor. In dieser Inszenierung hätte ich die Nachricht nicht sofort gelesen. Mit blitzenden Augen würde sie nun beobachten, wie ich den Zettel in meinem Portemonnaie als Beleg einer auflodernden Romanze oder als Relikt einer schicksalhaften Eingebung bergen würde, bloß um ihn mir, sobald ich zurück in Dorothees Wohnung wäre, neben meine Unterlagen auf den Schreibtisch zu legen. Dann fiel mir auf, dass […]

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Malu war jünger als ich. Jedenfalls so viel jünger, dass es mir hätte auffallen können. In ihrem Gesicht, bedeckt von einem derart wilden Pony, dass ich mich an die parametrischen Kurvenintegrale erinnerte, die ich nie verstanden hatte, deutete sich jederzeit ein Lächeln an, ohne dass sie etwas dafür konnte. Sie umgab ein leichtes Flimmern, ein Pol, der eine auratische Aufregung anzog, in der sie ihre Blicke – nach den Codes, die unser Verhalten koordinieren sollen, letztlich aber doch bloß Ausdruck repressiver Begierden sind – als kokettierende Signale verhandeln konnte. Dass sie ihr laszives Wesen so willentlich, offenbar voller Überzeugung, nach außen trug, machte sie mir sympathisch. Neben der überbetonten […]

Kalkül und Avantgarde Kunst und die Rolle rückwärts.

Die Postmoderne ist eine von Hektik und Fortschrittlichkeit gebeutelte Epoche, in der das Neuheitsbestreben nie ausgeprägter war. In der Kunst bemüht sie sich jedoch immer weniger um die Überwindung des Vergangenen und Überholten, wenngleich sich dies entsprechend avantgardistischer Programmatik von selbst verstehen müsste. Stattdessen proklamiert die Postmoderne jene Gewissheit, dass modernistische und auch vormodernistische Wesenszüge gar nicht überwunden werden wollen. Zu lukrativ scheint das Geschäft mit dem ökonomischen Potential des Gewöhnlichen. Selbst die einst so rebellisch aufbegehrende Straßenkunst kuscht brav wie ein Kätzchen.