Planlos geht mein Plan los Über das Erwachsenwerden und legitime Zweifel

  Als Kind malt man sich ganz genau im Kopf aus, wie das Leben auszusehen hat, „wenn man mal groß ist“. Man hat einen Plan und glaubt fest daran, dass erwachsen sein fabelhaft ist; dass alles genau so rosig sein wird, wie man es sich vorstellt. Dabei ist man noch viel zu jung ist, um zu verstehen, wie die Welt wirklich tickt. Die Realität sieht meist nämlich deutlich planloser aus. Unter Druck setzen sollte man sich dennoch nicht.

Angst, sonst nichts. Über die leise Tyrannei der Seele

Ich weiß nicht mehr wann die Angst anfing. In den letzten Jahren sind genug Therapeuten alle erdenklichen Entwicklungsszenarien durchgegangen. Angst findet nur im Kopf statt heißt es. Angst ist lebensnotwendig. So was sagen sie zumindest. Andernfalls säße heute ein Säbelzahntiger im Kittel vor mir. Eine eigentlich sehr amüsante Vorstellung. Bringen tut sie gar nichts. Angst wird zur Krankheit, wenn sie aus völlig irrationalen Gründen auftritt. Unaufhörlich. Trigger, wie die Ärzte sie nennen, rufen die Angst auf den Plan. Es klingt vielleicht seltsam, aber die Angst ist immer da.

Freud, Narzissmus und die Selfie-Culture Antiquierte Gedankenspiele und die Notwendigkeit ihrer Neubewertung im digitalen Zeitalter

Für Sigmund Freud stand eines fest: narzisstische Dispositionen – eben auch in Anlehnung an die mythologische Figur – sind Ausdruck eines verdorbenen Hanges zur Selbstvernarrtheit und finden im Zuge außerweltlicher Isolation statt. Dass sich diese Einschätzung gerade in Zeiten objektiv messbarer Selbstdarstellung als völlig überholt erweist, beglaubigen die sozialen Praktiken des digitalen Zeitalters. 

Immer gleiten dieselben Filter vorüber Der mythologische Narziss als Sinnbild digitaler Kulturkritik

Wenn bei André Gides Narziss-Interpretation von einem Traktat die Rede ist, tritt recht schnell zu Tage, dass das, was folgt, ideeller Natur entspringen muss. Vielleicht sogar einem Missionierungsbestreben. Dass sich der mythologische Narziss ebenso wie die Textform aus der Antike erhoben, scheint in diesem Fall v.a. deshalb zweitrangig, weil der Autor egomanische Selbstverliebtheit als Signum der modernen Gesellschaft verurteilt. Interessanter noch: Gide antizipierte das, was wir heute unter Selfie-Culture verstehen. Der Mythos von Narcissus dient hier gut und gerne als Blaupause. Dabei mutet Gides Anprangerung sehr eindringlich wie bildhaft an. Ovid, Urheber der mythologischen Sage, wird sich im Grab umgedreht haben.

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Wieso wir einfach mal nett sein sollten Eine Anleitung zum “netter werden“

Nachdem ich in Gedanken versunken meine Einkäufe in einen Jutebeutel verstaute, sprach mich eine ältere Dame an, wieso ich so traurig gucken würde. Sie lächelte mich freundlich an und ich lächelte zurück, ein wenig erschrocken, dass sie mich einfach so ansprach und ging schließlich mit einem Lächeln nach Hause. Diese Situation machte mich nachdenklich. Nein, eigentlich nicht nur diese. Als mir ein Mann freundlicherweise die Tür zur Commerzbank aufhielt, wunderte mich auch dies. Doch wieso wundert es mich, dass eine fremde Person freundlich zu mir ist?

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Ganz schön egoistisch!

Vor einigen Wochen stand ich, wie häufig diesen Winter, in der Kälte und wartete auf den von mir heiß ersehnten Bus. Dieser erschien nach kurzer Zeit. Die Wartenden drängten sich prompt an den Eingang des Busses, in der Hoffnung, sich schnell einen Platz im Warmen ergattern zu können. Der Reihe nach stiegen die Passanten ein, bis schließlich eine ältere Frau den Eingang erreichte. Als sie gerade das Geländer erfassen wollte, um sich in den Bus zu ziehen, wurde sie von einer Gruppe Jugendlicher rüpelhaft überholt und zurückgedrängt. Etwas später, nachdem der Bus einen Teil seiner Strecke zurückgelegt hatte, stieg eine weitere ältere Frau in den bereits überfüllten Bus und musste […]

Heimat

36.5 Millionen Ergebnisse auf Google, besungen von Peter Fox, den Beginnern, AnnenMayKantereit und thematisiert in zahlreichen Filmen und Romanen – Das nostalgische Verlangen nach Verbundenheit und was es mit uns macht. Heimat, Heimkehr, aber auch Heimweh. All diese Dinge, sind mit einem starken Gefühl und Verlangen nach Zugehörigkeit miteinander verknüpft. Diese Gefühle gegenüber der Heimat werden von einem jeden  Menschen im Prozess des Älterwerdens empfunden, aber auf solch unterschiedliche Arten, dass es nicht greifbar erscheint. Was ist überhaupt Heimat für uns, für dich oder für mich? Nur eine Sache scheint klar: Und zwar, dass Heimat oft ein schwieriges Gefühl sein kann. Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass […]

Jetzt oder nie Schmeiß die Jahresvorsätze über Bord!

Jeder kennt das. Ein neues Jahr beginnt und aus irgendeinem unerklärlichen Grund denkt man, dass gleichzeitig auch ein neues Leben beginnt und man ein von Grund auf neuer Mensch werden und irgendwie die Welt bewegen kann. Plötzlich überkommt einem eine riesige Motivation (die sich übrigens im ganzen Jahr niemals blicken lassen hat, wenn man sie brauchte) und man verspürt dieses starke Bedürfnis, sein komplettes Leben umzukrempeln und seine eigentlichen Gewohnheiten um 180 Grad zu wenden. So kommt man irrsinnig auf die Schnapsidee, eine ellenlange Liste anzufertigen, dessen Inhalt nicht unrealistischer sein könnte.

Neon wie es nicht bloß scheint Fortsetzung eines Romans

[…] Durch die Drehtür hindurch und eine Wendeltreppe hinunter, stand ich vor zwei massiven Schwingklappen, wie ich sie in etwa aus der Kneipe meines Großvaters kannte. An der Bar saßen zwei Männer. Beide trugen Anzüge. Einer hatte seinen Schlips zu einem Stirnband gebunden und ich dachte, dieses Bild aus irgendeinem, wahrscheinlich amerikanischen, Film zu kennen, denn viel zu häufig entnahm ich bestimmte Wahrnehmungsmuster meiner cineastisch-ikonographischen Erziehung. An einem Rundtisch in der hinteren Ecke des rechteckig gelegten Altbaus vermutete ich Studenten. Als Erstes fiel mir jedoch die räumliche Symmetrie ins Auge. Über die Tische hinweg bewirkte sie etwas von einem Bild oder einer Postkarte. Das lag vor allem daran, dass der Raum in den […]