Das Leise Summen der Cineasten – Der Goldene Monaco 2018

„Wir feiern Filme!“ Unter diesem Motto wurde vor fast zwei Jahrzehnten der Goldene Monaco ins Leben gerufen. Gefeiert werden hier, im Anzug und Abendkleid, aber nicht irgendwelche durch PR-Parolen prophezeiten Hollywood-Produktionen, die bei den Oscars, BAFTAs oder ähnlichen weltweit bekannten Preisverleihungen mit fragwürdigem Ruhm überschüttet und für politische Statements genutzt werden. Die wahre Kunst des Filmemachens scheint bei den Preisverleihungen vor der großen Öffentlichkeit für viele in den Hintergrund gerückt zu sein. Der Goldene Monaco bietet hingegen denjenigen eine Chance, die mit wenigen Mitteln Großes erreichen zu versuchen, ist aber trotz dieser barmherzigen Prämisse nicht von der Kritik freigestellt. Ein kleines Filmchen mit ganz großer Wirkung. So lautet(e) zumindest der Grundgedanke.

Showtime!

Die Sonne knallt, eine immer größer werdende Menschenmenge versammelt sich vor der Siegerlandhalle, die Pforten sind noch zu, doch die Show läuft quasi schon auf Hochtouren. Nicht für die Besucher, aber für die Crew des Goldenen Monacos. Die Moderatorin ist nervös, von dem Moderator fehlt noch jede Spur. Mit den Laudatoren gilt es noch deren Lobrede zu besprechen und kurz vorm Einlass heißt es einer der Künstler käme zu spät. Als dann gegen 23 Uhr die Leute aus dem Saal marschieren hat niemand etwas von all dem Trubel gemerkt. Ein harmonierendes Moderations-Duo, ehrbare Laudationes, eine paar schöne Acts (darunter Singer-Songwriter Jo Laureys, die Hiphop-Tanzgruppe DanceCrew und Rapper, Slam Poet und Stand-Up Comedian Quichotte) und zwischen all diesem Geschehen streunen die Besucher außerhalb der Halle über die berühmt berüchtigte Parkplatzparty. Aber irgendetwas fehlt doch, oder?

                              

„Und warum sind Sie hier?“

Ebenfalls in Schale geworfen und mit diesem Umstand im Hinterkopf sind wir vergangenen Mittwochabend auch durch die Siegerlandhalle gestreift und haben einige der Anwesenden nach dem Grund gefragt, warum Sie denn zum Goldenen Monaco gekommen sind. „Um mich schick zu machen“, „Um zu saufen“ oder „Na wegen der Parkplatzparty“ waren die Dauerrenner unter den Antworten und spiegeln einen Aspekt der Mentalität gegenüber der Preisverleihung vieler Besucher wieder. Nach dem Motto: Filme, egal! Hauptsache Saufen im Anzug oder Abendkleid! Nur ein Bruchteil der Befragten war tatsächlich aufgrund der cineastischen Leistungen der Studenten vor Ort und die meisten davon sind auch noch Dozenten.

                              

Kurzfilme, die zu kurz kommen

Denn wie auch schon häufiger am Goldenen Monaco kritisiert wurde, stehen bei der Preisverleihung für die besten studentischen Filme die studentischen Filme mittlerweile im Hintergrund. Allerdings sei an dieser Stelle vorab angemerkt, dass die Veranstalter absolut nichts für diesen Umstand können. Viel mehr liegt die Schuld bei einem derartigen Wechsel der Hauptattraktion im Publikum. Denn wenn in den vorderen Reihen ein Triumvirat aus vollgelaufenen Proleten sitzen, lauthals darüber diskutieren, wer denn nun mit Bier reinschmuggeln dran ist und jeden als Hurensohn beleidigen, der versucht den Akteuren auf der Bühne wieder den nötigen Respekt zu bescheren, dann bleibt selbst den Verantwortlichen des Goldenen Monacos nicht viel übrig außer den Pöbel ermahnen oder notfalls rausschmeißen. Und schlägt man diese utopische Schiene ein so sitzen in ein paar Jahren nur noch Professor Matussek und eine Handvoll anderer Besucher im Saal, die eine solche Veranstaltung noch zu schätzen wissen.

                              

Erhebt die Stimmen, nicht die Gläser

Unser Autor Benni schrieb einst zum Nominiertenabend 2016 „Wir hören ein Singen im Raum.“ Leider ist von diesem Gesang mittlerweile nur noch ein leises Summen übrig, das unter dem Geklirre zusammengestoßener Gläser und dem debilen Gefasel betrunkener Chaoten untergeht. Doch unter dem lauten Brimborium der Desinteressierten steckt eine verdammt gut konzipierte und mit viel Engagement auf die beine gestellte Veranstaltung, bei der sowohl jeder Siegener Student, als auch jeder, der schon immer mal einen studentischen Film drehen wollte, verdammt froh sein kann, dass es den Goldenen Monaco gibt. Hoffen wir, dass in naher Zukunft die Stimmen der Filmschaffenden und Filminteressierten wieder lauter werden, als die der durstigen Störenfriede.

 

Fotos: Yannik Fasters

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