Goldener Monaco

Der Goldener Monaco:15 Jahre Film, Fest & Fassade

Der Goldene Monaco, eine Filmpreisverleihung die vor 15 Jahren in Siegen gegründet wurde, hat es bisweilen vom alten Audimax hin zur verhältnismäßig glamourösen Siegerlandhalle geschafft. Worum es den Initiatoren ursprünglich ging, ist schnell erklärt: Medienstudierende etablierten eine Plattform, um sich selbst und ihren filmisch-kreativen Output zu feiern. Darüber hinaus galt es, sämtliche Filme einem breiten Publikum vorstellen zu können.

.

Was heute den Selbstzweck angemessener Würdigung der eingereichten Beiträge dokumentiert, war in erster Instanz noch als Parodie auf die Oscarnacht gedacht. So sollten sich die Stars und Sternchen Hollywoods nicht zu ernst nehmen. Der Goldene Monaco hat dieses Stigma bis heute übernommen. Sein feierliches Antlitz und die Schaffenskraft der Filmemacher- und macherinnen muss jedoch ernst genommen werden. Den Gründern darf man widersprechen, sofern sie behaupten, die ursprüngliche Idee der Preisverleihung müsse wiederbelebt werden. Offen gesagt: es liegt nicht in deren Hand. Vielmehr sollten wir die Veranstaltung jenen überlassen, die die – zugegebenermaßen etwas selbstbeweihräuchernde – Inszenierung des Events Jahr um Jahr aufs Neue auf die Beine stellen. Es bleibt eine gelungene Sache, seiner fragwürdigen Selbstliebe zum Trotz.

.

Vorneweg lässt sich feststellen, dass der Ablauf keineswegs mehr der ist, der er noch vor 15 Jahren gewesen wäre. Mit zunehmender Professionalisierung der Medien hat sich die Organisation, ebenso wie der Ablauf und das Gesamtbild des Goldenen Monacos, geändert. Ein Blick auf die Sponsorenliste belegt dies. In vielen Bereichen hat sich kein gravierender Wandel vollzogen, in anderen teils zu extrem. Ein Beispiel: wer einen der begehrten Gästelistenplätze ergattern konnte – beispielsweise jemand, der wie wir eine studentische Initiative vertritt – der wird beim Betreten des Empfangsbereiches freundlichst gefragt, ob man nicht zu seinem Platz begleitet werden möchte. Wirklich? „Ist es in Ordnung, wenn ich vor Ihnen laufe?“ Ich bin nicht bloß irritiert. Vollkommen verwirrt trifft es ganz gut, denn ich bin mir sicher, der Platzanweiserin kürzlich noch in Jogginghose begegnet zu sein. Mit feiner Abendgarderobe nimmt also auch Höflichkeit zu. Dies war gleichwohl der erste aber auch extremste Ausreißer, denn fortan wurde dem Zuschauer eine durchaus angenehme und ereignisreiche Show geboten.

.

Die Moderatoren Maria Popov, ihrerseits auch Chefredakteurin des hiesigen CampusTV, sowie Johannes Westbrock, führten wort- und stilsicher durch die Veranstaltung. Ihre Moderatorenkredibilität war mitunter souverän, teils spontan koloriert, meistens jedoch durchdacht. Klatscher, Zwischenrufe oder sonstige Reaktionen waren mithin kalkuliert. Das ist okay. Ihr Auftreten wirkte nie gezwungen. Im Gegenteil: beide erheiterten das Publikum und sorgten für einen runden Ablauf. Ein Highlight war ihre Pausenlaudatio, getarnt als Bordansage aus einem Flugzeug.

.

Die Show Acts waren derweil durchwachsen. Erste Performance hätte besser auf den Rasen eines Stadions gepasst. Dass sich die Coronette Dancers, eine grundsolide Cheerleadergruppe aber beim Goldenen Monaco einfanden, wirkte irgendwie deplatziert. „Viel nackte Haut und eher ein Griff ins Klo, wenn du mich fragst“ kommentierte eine weibliche Stimme aus dem Publikum das Spektakel.

.

Noah Klaus, der zweite Act des Abends, konnte dann zumindest das, was die Mädels zuvor noch vermissen ließen, wieder wett machen, indem er mit akzentuierter Wortwahl und der Abwandlung philosophischer Begrifflichkeiten gonito ergo zum (ich gönne, also bin ich) dem Publikum den ein oder anderen Lacher entlockte. Kurzum: er unterhielt. Vor allem auch deshalb, weil man dem zuvor etwas introvertiert wirkenden Mann auf den ersten Blick vielleicht nicht zugetraut hätte, das Wohlwollen des mehr oder weniger anspruchsvollen Publikums zu ergattern.

.

Zuletzt trat die Band Dreiklang auf. Begleitet von einem sanften Medley ihrer Songs, stellte die Gruppe entsprechend einer gelungenen Eigenkomposition ihre Bühnentauglichkeit unter Beweis. Die Lieder waren dabei so abgestimmt, dass sie wie Grönemeyers Bochum in gleichnamiger Stadt anmuteten. Alles sehr bekannt. Alles sehr konform. Wie auch immer.

.

Kommen wir zur wichtigsten Episode des Abends, namentlich den Gewinnern der jeweiligen Kategorien. So bot jede von ihnen – wie üblich – drei Filme an. Lediglich beim Publikumspreis konnte man aus vier Beiträgen wählen. Die diesjährigen Juroren Markus Hering, Manuel Rueda und Dr. Andreas Rauscher hatten im Vorfeld aus über 59 Filmen gefiltert und sich auf je einen Sieger pro Kategorie geeinigt.

.

Die Gewinner im Kurzportrait

.

Den Anfang machte die Kategorie Dokumentation. Sieger wurde Nicolas Hecker, der mit seinem Beitrag Thiago – Einer von vielen bereits im Vorfeld als Favorit gehandelt wurde. In seinem Film geht es um einen jungen Mann aus Rio de Janeiro, der trotz sämtlicher Schicksalsschläge das Leben nicht aufgibt und infolge seiner positiven Strahlkraft geradezu inspirierte. In der Vergangenheit hatte der Betroffene oft über Selbstmord nachgedacht. Sein Leid war atmosphärisch inszeniert. Beinahe fühlte man sich des Atems beraubt. Lag aber vielleicht auch an der dünnen Luft im Saal. Die Authentizität, die der Beitrag transportierte, berührte das Publikum sichtlich.

.

Den Preis für das beste Musikvideo gewann Jessica Schäfer mit The Circle, einer schönen Bildkomposition aus sanften Schnitten sowie einem verspielten Wechsel aus Schwarzweiß-Einstellungen, was meinem Empfinden nach jedoch nicht über ein ausbaufähiges Gesamtkunstwerk hinwegtäuschen konnte. So schien es mir, dass man mit etwas zu viel Pedanterie darum bemüht war, nichts Anrüchiges zu zeigen.

.

Dritte Kategorie des Abends war der Kunstfilm. Diesen gewannen Larissa Berger, Jenny Mazanec und Marie Schreiner, die mit ihrem Beitrag Enge mithilfe von verschwommenen, teils verrauschten Bildern eine packende Illusion erweckten, die besonders das klaustrophobische Gefühl räumlicher Beklemmung artikulierte. Ort der Szenerie: ein steckengebliebener Fahrstuhl. Dabei stammte sämtliches Bildmaterial aus New York. Zwischen engen Hochhäuserkluften „drängt einem der Titel schon sehr viel auf und gerade bei einem Kunstfilm will ich das nicht“ kommentierte eine Zuschauerin diesen Beitrag.

.

Weiter ging es mit dem Preis für das Beste Magazin. Das Team von Querstreifen, einem Tochterformat des CampusTV, die in aller Regel zu den Prämierten des Goldenen Monacos gehören, sicherten sich mit Protest eine der begehrten Trophäen. Ein gelungener Beitrag, in dem der Begriff des Protests als auch dessen Bedeutung für das moderne Zeitalter verhandelt wurden, gewann hier zurecht. Mit interessanten O-Tönen und einer ausgesprochen professionellen Handhabung wurden u.a. Impressionen des Christopher Street Day gekonnt eingefangen.

.

Danach stand die Meinung der Zuschauer im Fokus. Der Publikumspreis wurde nach getaner Stimmauswertung vom Moderatorenteam bekannt gegeben. Jessica Szkodzinski und Giulia Maria Mühlhaus konnten sich mit Ich sehe was, was du nicht siehst durchsetzen. Vor dem Hintergrund zeitgenössischer Überwachungsaffären boten die beiden Filmemacherinnen einen aufregenden Beitrag, dessen ironische Färbung aufzeigen konnte, welche voyeuristischen Gefahren hinter den Bildschirmen unserer Laptops stecken.

.

Letzte Kategorie des Abends galt der Fiktion. Die Crew um Jannik Müller versuchte inzwischen zum dritten Mal einen Goldenen Monaco einzuheimsen. Ihren ersten Erfolg konnten sie nun mit dem Film Tight Schedule verbuchen. Ein Kurzfilm, der stetig wachsenden Stress durch immer näher rückende Deadlines versinnbildlichte. Die dynamischen und metallischen Klänge, atmosphärisch einer Verfolgungsjagd gleichend, setzten hierbei kurzweilig aus, um dann energischer und v.a. aufdringlicher zurückzukehren. Die Jury war offensichtlich überzeugt, während zu großen Teilen zähneknirschend reagierte.

.

Der Goldene Monaco 2016 war um ein weiteres – trotz dem Vorwurf einer überbetonten Selbstprofilierungen – gelungen. Mitunter sogar unterhaltsam. Von der einstigen Idee, die Veranstaltung als Plattform verunglimpfender Parodien zu verstehen, ist inhaltlich wenig übrig geblieben. Viel eher ist es die Form, das ganze Drumherum sowie die […] Selbstglofifizierung Wesenszug eines parodistischen Charakters, der seine Aussage dann verfehlt, wenn er zu ernst genommen wird. Das verlangt einem der Goldene Monaco auch nicht zwingend ab. Die Arbeit hinter den Kulissen des Events sowie vor und hinter den Kameras der eingereichten Beiträge ist hingegen jedes Lobes würdig. Auf weitere 15!

.

Text & Foto: Alexander Mosig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.