Eine Portion Glück und eine Tüte Zufriedenheit, bitte!

Wenn wir immer noch glauben, wir könnten uns Glück, Zufriedenheit oder gar Selbstverwirklichung durch materielle Güter erkaufen, dann befinden wir uns  längst in einem Pol des überhitzten Kapitalismus.

Mehr reisen, mehr Kleidung, mehr Zufriedenheit– und das am besten sofort! Wir leben in einer Gesellschaft, die sich durch ein enormes Wachstum in den letzten Jahren auszeichnet: Diverse Küchengeräte erleichtern uns die Arbeit im Haushalt, Maschinen produzieren für uns Autos und das Internet liefert uns auf Anforderung schnelle Informationen.  Und trotzdem scheint es so, als hätten wir nie Zeit. In jeglichen Situation empfinden wir Stress – sei es im Berufs-, Alltags- oder Liebesleben. Betäuben wir uns deshalb mit immer mehr Konsum? Kann ein neues Iphone, ein teures Kleidungsstück oder eine Reise nach New York Entspannung, Zufriedenheit oder gar Selbstverwirklichung bedeuten?

 

„Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug“

Betrachtet man die Bedürfnispyramide von Maslow, so erklärt sich unser ungestilltes Verlangen nach mehr: Neben grundlegenden Bedürfnissen in der ersten Stufe, wie Nahrung oder Trinkwasser, sehnt sich der Mensch ebenfalls nach Sicherheit und sozialen Bedürfnissen, wie Kommunikation und Freundschaft. Die letzten Stufen der Pyramide sind die soziale Anerkennung und die Selbstverwirklichung, wie Individualität, als auch Güte und Gerechtigkeit.  Die soziale Anerkennung geht oft mit einem Vergleich einher – die Nachbarn haben ein größeres Auto, die beste Freundin eine neue Designer-Tasche. Die Menschen definieren sich durch ihr Hab und Gut und kaufen sich neben neuer Kleidung gleich ein neues Selbstwertgefühl. Dabei wird im Pol des überhitzten Kapitalismus oft vergessen, was eigentlich ein gutes, gesundes Leben auszeichnet. Der Umweltökonom Niko Paech weiß, dass temporäres Konsumverhalten auf Dauer unsere Freude und Befriedigung nicht stillen kann – Im Gegenteil, es strengt uns an. Getreu dem Motto nach Epikur: „Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug“.

 

Doch ab wann ist wie viel genug?

Ein Stück weit ist das natürlich von uns und auch unserer Kultur abhängig. Ein Leben in der Minimalismus-Szene zu führen, ist dabei nicht für alle Menschen der ideale Weg zu einem gesunden Konsumverhalten. Dennoch können bereits kleine Einschränkungen langfristig etwas Gutes für uns selbst und auch unsere Umwelt tun. Beispielsweise das Reisen gilt heute als populäre Form Stress abzubauen, dem Alltag zu entfliehen und um Glück zu erfahren. Eine Passion, die sich jedoch negativ auf den CO₂-Ausstoß auswirkt, denn noch nie wurde so viel gereist wie zu dieser Zeit. Allein ein Flug nach Teneriffa und zurück ist so klimaschädlich wie ein Jahr Auto fahren. Der Beirat der Bundesregierung rät deshalb zu einem maximalen jährlichen Ausstoß von 2,7 Tonnen CO₂ pro Kopf. Dennoch produziert derzeit jeder Mensch fast das Vierfache. In den USA sogar das Achtfache. Dabei haben Mobilitätexperten festgestellt, dass die oben genannten positiven Effekte des Reisens nichts mit der Reichweite des Reiseziels zu tun haben. Vielmehr können  weite Entfernungen sogar Stress mit sich bringen, da sich der Reisende unter anderem erst an die zeitlichen und klimatischen Bedingungen gewöhnen muss.

Allgemein ist es ratsam sein Konsumverhalten in vielen Situationen kritisch zu hinterfragen. Muss ich wirklich die dritte Reise im Jahr mit dem Flugzeug bewältigen? Muss ich mich tatsächlich mit neuen materiellen Dingen bestücken? Man sollte nicht vergessen, dass neben einem Neukauf vielen alten Gegenständen ein zweites Leben eingehaucht werden kann, wie durch Recycling oder durch eine gestalterische Aufwertung von Produkten. Der Artikel soll keine Moralpredigt sein oder eine Anleitung, wie das Leben optimal zu laufen hat. Aber er soll zum Nachdenken anregen. Besonders nach dem benebelten Konsumrausch im Dezember ist es an der Zeit ein paar Dinge zu hinterfragen, Alternativen zu finden und vielleicht auch ein paar Dinge an seinem Lebensstil zu ändern. Womöglich dienen für den ein oder anderen genau diese Gedanken als Vorlage für die neuen Vorsätze in das Jahr 2017… und damit Happy New Year!

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