Zu viel Feiern, zu wenig Filmemachen

 Schöne Gala, schöne Menschen, schöne Filme: ein Goldener Monaco, der am Ende leider doch nur Silber verdient hätte. Und das, obwohl unser Autor eigentlich brennender Fan der alljährlichen Filmgala in der Siegerlandhalle ist.

Gleich zu Anfang möchte ich eine Sache klarstellen: ich finde den Goldenen Monaco super. Alle Prinzip-Boykotteure und Hobby-Kritiker treffen bei mir regelmäßig auf kopfschüttelndes Unverständnis; die alljährliche Gala in der Siegerlandhalle ist für mich einfach seit vier Jahren ein Highlight im Studium. Auch ich bin einer von denen, die „Was mit Medien“ studieren, „Social Media“ ganz spannend finden und irgendwann mal „in Richtung Journalismus“ gehen wollen – und der Monaco lässt das ewige Blabla der Medienwelt endlich mal real und greifbar wirken.

Einmal im Jahr kann ich meine Eltern guten Gewissens nach Siegen einladen, weil es wirklich mal was zu sehen gibt. Einmal im Jahr freue ich mich, weil ich immer noch in den Anzug passe und fiebere mit meinen nominierten Freunden Jägermeister trinkend der ersehnten Preisverleihung entgegen. Einmal im Jahr bin ich richtig stolz auf diese Kleinstadt im Wald, in der sich so viele kreative und engagierte Menschen eine tolle Zeit machen, obwohl man zum Bierholen nach Zehn zur Tanke laufen muss. Das war diesmal nicht anders. Und trotzdem stand ich im Morgengrauen nach der Party in einer dieser Meckerrunden und gestikulierte hitzig die Restkohlensäure aus meinem letzten Bier.

Was war also los, beim Goldenen Monaco 2017? Die Antwort lässt sich weder einfach auf irgendeinen hervorstechenden Mangel herunterbrechen, noch dem wie immer hoch engagierten Monaco-Team in anklagender Manier entgegenschleudern. Das will keiner – denn eigentlich konnte auch niemand etwas dafür. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, ein paar taktische Fehlentscheidungen, kurzum: der Beweis dafür, wie unfassbar schwierig es ist, eine Großveranstaltung mit 1.900 Gästen zu organisieren, zu moderieren und inhaltlich zusammenzuhalten.

Sportliche Jury-Entscheidungen in bester Monaco-Tradition

Da waren die Doppelnominierungen – und Gewinne –, die statt einem fulminanten Preisfeuerwerk in der Show zu verlegenen Trailer-Lösungen führten und dabei das unbändige Verlangen des Zuschauers nach frischem Entertainment sträflich vernachlässigten. Da waren die Jury-Mitglieder, die zum Teil eben nicht da waren, um ihre in bester Monaco-Tradition sportlich getroffenen Entscheidungen zu überliefern. Da war die chaotische Zuschauerpreis-Abstimmung, der nun so gar nicht studentische RTL-Comedian Salim, der irgendwo zwischen Kaya Yanar und Mario Barth herum humorte, dazu die fahrige Abendregie, die deplatzierte Tombola… Und die Filme?

Die kamen am Ende einfach zu kurz, und das dabei völlig zu Unrecht. Seien es die kreativen Einsendungen der Filmwerkstatt wie der zweifache Gewinner „Expedition“, die jährlich prämierte Arbeit von Campus-TV, die krassen Musikvideos (Baby Bounced. Ein hautenges Dancehall-Video aus irgendeiner Garage bei Dillenburg. WTF.) oder Kurzfilm-Perlen à la „Nathan“ von Thorsten Reinholdt – das technische wie inhaltliche Niveau der Einsendungen war hoch wie nie. Und genau da ist es doch, das große Kapital des Goldenen Monaco. Nicht die Kollektion hübscher Abiball-Kleider und Instagram-Stories; das schmückende Drumherum. „Wir feiern Filmemachen“, heißt es. Und daran sollten wir uns nächstes Jahr erinnern – damit das letzte Bier im Morgengrauen nie wieder schalgemeckert wird.

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