Moa Net Modedesign

He wird net geurzt – Wo Sejerlänner Platt auf Urban Streetart trifft

Wer kürzlich durch die Siegener Sandstraße am H&M vorbei getingelt ist, dem werden die verschleierten Schaufenster ein paar Meter weiter kaum entgangen sein. „He wird net geurzt.“ Eine Botschaft, die vermeintlich nur alteingesessene Locals entschlüsseln können. Oder nicht? Wir wollten erfahren, was dahinter steckt. Am 30.04. eröffnen MOA NET, ein Kunst- und Modelabel aus der Region, an besagtem Ort ihren Pop Up Shop. Ab dann erfahrt ihr selbst, was es mit der ganzen Sache auf sich hat. Das mediaZINE hat sich die Mühe gemacht, schon mal vorab einen kleinen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen. Wir haben also mal angeklopft. Und reingelassen wurden wir auch.

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Die Wände sind noch weiß. Nicht nur weiß. Vor allem sind sie kahl. Putz- und Farbeimer, ein paar Pfandflaschen und ein Staubsauger hinterlassen einen ersten Eindruck. Ok, hier ist wohl was im Gange. Klingt erstmal gar nicht so spannend. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch schnell klar, dass MOA NET eines verwirklichen will. Nämlich die unscheinbare Symbiose aus urbaner Kunst und Siegerländer Verschrobenheit. „Mit dekadenter Hingabe“, wie es auf der Homepage heißt „eint MOA NET moderne schöpferische Streetwear und den brodelnden Charme Siegerländer Eigentümlichkeit.“ Von Charme ist also die Rede. Soso. Wer die Umgebung kennt, weiß, dass die Menschen neben ihrer Pünktlichkeit und ihrer Eigenart lieber alle 15 Minuten ein neues Parkticket zu lösen, anstatt ein paar Münzen in den Parkautomaten zu werfen, für so etwas wie Charme eigentlich wenig übrig haben. Eigentlich. MOA NET zeigt Siegen von einer außergewöhnlichen Seite. Senioren in Hoodies, Pferde mit Faible für Schwarzbrot und Schinken, junge Menschen im Einklang des hiesigen Dialekts. Alles scheint ein bisschen absurd. Ist es auch. Neben tauglichen Scharfsinn für Mode, balanciert das Kollektiv „im dreifachen Drahtseilakt und arbeitet dabei an der symbiotischen Umsetzung verschiedener Kindheitsträume.“ Klingt spannend. Wir haben also nachgehakt.

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mediaZINE: Kindheitsträume? Aha. Wie ist das gemeint?

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MOA NET: Naja, schon in der Fünften dachte ich daran Klamotten zu entwerfen, die ich, wenn es gut liefe, verkaufen könnte. Die Idee hat mich nie losgelassen. Im Studium hab ich´s dann angepackt und die Kohle vom Nebenjob für erste Shirts und Prints investiert. Meine Freunde haben den Style gefeiert und meinten es auch so! [lacht] Ich dachte: Ok. Lasst es uns größer aufziehen. MOA NET war geboren.

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mediaZINE: Und die Idee, das Ganze in ein Siegerländer Gewand zu decken? Man kennt das von Berlin oder Hamburg. Aber ein Label mit Heimatbezug in Siegen? Das ist doch abgefahren!

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MOA NET: Ich komme ja nicht aus Hamburg oder Berlin, bin einfach ein absolutes Landkind. Buden bauen, mit der Clique abhängen, Staudämme bauen. Das war mein Ding. Natürlich ist auch der Dialekt stark mit meiner Kindheit verbunden. Im Studium wurde ich wegen meiner Aussprache öfter mal belächelt. Ich merkte, dass das Platt eine ganz bestimmte Wirkung hatte. Ich musste also was damit anfangen.

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Das hat MOA NET getan! Neben Fashion ist v.a. auch das Gesamtkunstwerk maßgeblich für das Label. Fotografie und Grafikdesign reihen sich ins Oeuvre. Alles wirkt tatsächlich wahnsinnig. Zugleich aber auch konzeptualisiert. Man merkt, dass hinter dem Traum des kleinen Schülers mit merkwürdigem Dialekt ein Plan steckte. Und der ist beachtlich. Mittlerweile gibt´s sogar einen eigenen Webshop. Da wollten wir natürlich mehr erfahren.

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mediaZINE: Ein eigener Shop im Internet ist ja schon mal nicht schlecht. Es muss schon richtig was an Arbeit dahinterstecken. Oder?

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MOA NET: Puh, es ist auf jeden Fall eine ganze Menge passiert. Klar ist es was Besonderes, sein eigenes Zeugs zu verkaufen. Aber wir stehen noch ganz am Anfang. Trotzdem ging alles so schnell, dass man´s kaum mitbekommt.

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mediaZINE: Klingt irgendwie stressig.

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MOA NET: Meine Familie und Freunde müssen mich schon immer mal wieder daran erinnern, nicht so kritisch mit mir selbst zu sein. Das hilft natürlich sehr! Vor allem meine Freundin holt mich immer wieder runter. Wir sind schon stolz darauf, was MOA NET alles geschafft hat. Mit dem Pop Up Shop geht´s jetzt in die nächste Runde.

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mediaZINE: Hört sich ganz nach einer Ansage an! Wie wichtig sind Mut und Risikobereitschaft bei dem, was du tust?

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MOA NET: Ohne Risikobereitschaft braucht man gar nicht erst anfangen. Mut braucht es allein schon, um sich auf die ganze Arbeit einzulassen. Ich war immer überzeugt von dem, was wir machen.

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mediaZINE: Das ist alles?

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MOA NET: Man braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Das habe ich in meinem Studium schnell für mich herausgefunden. Noch wichtiger sind Leidenschaft und Authentizität. Das ist auch stets mein Kredo, wenn ich Produzenten für meine Sachen treffe.

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mediaZINE: Klingt schon so, als liefe die Sache bei euch mit sehr routinierter Professionalität ab. Hattest du nie Bange davor, dass du MOA NET in den Sand setzt?

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MOA NET: Doch, ständig. Aber die Angst davor, sich selbst nicht gerecht zu werden, pusht einen dann doch enorm. Deshalb lautet das Motto der neuen Kollektion auch „He wird net geurzt.“

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mediaZINE: Es wird also geklotzt und nicht gekleckert?

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MOA NET: Genau!

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mediaZINE: Noch mal zurück zu den Prints. Nach welchen Kriterien sucht ihr die aus? Die Sprüche sind mitunter schon ziemlich witzig.

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MOA NET: In erster Linie müssen die Motive knallen! Verrückt sein! Man soll ruhig denken : What the Fuck? Im positiven Sinne. MOA NET achtet allerdings auch darauf, dass die Sinngebung zwischen Heimatbezug und urbaner Lebenswelt passt. Egal wie bescheuert manches rüberkommt, eine kleine Geschichte steckt immer dahinter.

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mediaZINE: Und die erfährt man ab dem 30.04. in eurem Pop Up Shop?

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MOA NET: Auf jeden Fall. Während meines Diploms hatte ich diese Idee mit dem Pop Up Shop. Dahinter steckt eine aufwendige Werbemaßnahme, die eigentlich eher in Großstädten verbreitet ist. Man eröffnet einen Laden mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen. Alles ziemlich casual. Eigentlich war´s nur ´ne Vision, die jetzt in Erfüllung geht. Das wäre eine von vielen Geschichten.

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mediaZINE: Wir sind gespannt! Danke für den netten Plausch und viel Erfolg auch in der Zukunft.

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MOA NET gibt´s auch im Netz unter http://moa-net.de/ oder bei Facebook. Einfach mal rein äugeln. Vom 30.04. – 14.05. hat Siegen dann die Möglichkeit, die Welt, die sich hinter dem Label verbirgt, zu entdecken. Neben coolen Styles und garantierter Selfmade-Ware, gibt es obendrein ein Lächeln zum Null-Tarif. Eine Erfahrung, die man bei H&M nicht zwingend macht.

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Urban Streetart Moa Net

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MOA NET Urban Streetart

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Interview: Benni Bender

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Bildmaterial: MOA NET Design

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