Heimat

36.5 Millionen Ergebnisse auf Google, besungen von Peter Fox, den Beginnern, AnnenMayKantereit und thematisiert in zahlreichen Filmen und Romanen – Das nostalgische Verlangen nach Verbundenheit und was es mit uns macht.

Heimat, Heimkehr, aber auch Heimweh. All diese Dinge, sind mit einem starken Gefühl und Verlangen nach Zugehörigkeit miteinander verknüpft. Diese Gefühle gegenüber der Heimat werden von einem jeden  Menschen im Prozess des Älterwerdens empfunden, aber auf solch unterschiedliche Arten, dass es nicht greifbar erscheint. Was ist überhaupt Heimat für uns, für dich oder für mich? Nur eine Sache scheint klar: Und zwar, dass Heimat oft ein schwieriges Gefühl sein kann.

Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich dich zum Atmen brauch‘. (Peter Fox, Schwarz zu Blau)

Ist es die Verbundenheit zum Geburtsort, wie die Beginner es in ihrem Song City Blues mit Hamburg ist ein derber Beat und schön und schmuddelig; Und der Hafen, der ist das Herz, die Bassline besingen? Oder dann doch eher wie AnnenMayKantereit, die in Oft Gefragt zu der Einsicht gelangen, dass zu Hause ja doch immer nur Du bist: Ich hab keine Heimat, ich hab‘ nur dich; Du bist Zuhause für immer und mich.

Für die einen ist es das tatsächliche Nachhausekommen von der Universitätsstadt zurück zum Geburtsort und zur Familie. Mittags zu Mutti, die lecker kocht und abends dann zu den alten Schulfreunden, die einem das Gefühl geben, es habe sich nichts verändert und man sei noch genauso jung und unbesonnen wie vor zehn Jahren. Es ist wie eine dringend benötigte Pause vom tatsächlichen Leben und es hilft ungemein zu wissen, wo die Wurzeln liegen. Denn besonders als Studierende, befinden wir uns alle in einer Lebensphase, die geprägt ist von Umschwüngen, Herausforderungen und Momenten, in denen wir uns fragen, wer wir wirklich sind und wohin wir wollen. Höhepunkte als auch Tiefpunkte müssen gemeistert werden und verlangen einiges ab. So passiert es, dass man sich manchmal doch irgendwie verloren fühlt und eigentlich bloß nach Hause möchte.

Für die anderen ist Heimat aber auch viel mehr als der bloße Geburtsort. Für sie ist es viel eher das Ankommen bei bestimmten Personen, die einem das Gefühl geben verstanden zu werden und das muss nicht unbedingt bei der eigenen Familie sein. Manchmal sind es neue Leute, die dieselben Gefühle, Gedanken und Ideen teilen. Ganz im Sinne von Hermann Hesse, der in Demian schrieb, dass man nie heim käme, „[a]ber wo befreundete Wege zusammenlaufen, da sieht die ganze Welt für eine Stunde wie Heimat aus‟.

Das Ganze ist ein Thema über das ich mir seit vielen Jahren Gedanken mache, aber dennoch seither zu keiner klaren Antwort für mich selbst gekommen bin, weil es so schwierig zu definieren ist, was einem die tatsächliche Zugehörigkeit gibt – ein typisches Gefühl eben. Was macht mich aus? Mein Geburtsort, der Geburtsort meiner Eltern oder die Freunde, die mich umgeben? Irgendwie gehört doch alles zusammen und nicht bloß ein Punkt. Kann es wirklich nur eine Heimat geben und wieso sind viele Menschen oft so erpicht darauf eine Grenze zu ziehen, durch ein klares „wir‟ und „ihr‟? Beweist das tatsächliche Heimatliebe und kann nur so ein Gefühl von Verbundenheit entstehen – indem andere ausgeschlossen werden?

Ich weiß nicht, ob es wirklich noch ein Artikel ist, wenn mehr Fragen als Antworten gestellt werden. Aber das Thema Heimat eignet sich nun mal eben hervorragend zum stundenlangen Philosophieren und es ist ein Gefühl, das immer wieder beweist, nie an Aktualität zu verlieren. Sei es in der Politik oder in der Kunst, im Negativen oder im Positiven: Heimat und die Liebe zu ihr hat schon immer viele Menschen  beflügelt.

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