I´ll see you again in 25 years Auf Sky Atlantic gibt es fortan die 3. Staffel von Twin Peaks zu sehen

Twin Peaks. Staffel drei. Endlich. Nach längerer Schaffenspause serviert uns David Lynch die mutmaßlich reichhaltigste Fortsetzung seines kultigen Opus Magnum. Zu erwarten ist ganz sicher ein verdrehtes Sammelsurium: schriller, pittoresker, vielleicht verstörender. Morgen Abend gibt´s Gewissheit.

Beseelt von okkultem Wahnsinn schmettert Dale Cooper (Kyle MacLachlan) seinen Schädel in einen Badezimmerspiegel. Rissige Splitter offenbaren das Antlitz des Bösen. Bob, Dämon aus den Wäldern, findet im FBI-Agenten einen neuen Wirt, um abseits dunkler Parallelwelten auch in Twin Peaks rumzuwildern. Wie Fans vor nunmehr 26 Jahren (Laura Palmer war außer Plan wohl noch ein Jahr bagpacken in Thailand) zurückgelassen wurden, muss seither wie eine folterähnliche Geduldsprobe angemutet haben. Jetzt aber – nachdem Lynch und Koautor Mark Frost bereits vor einigen Jahren bekannt gaben, die Geschichte um das vermeintlich beschauliche Örtchen nahe der kanadischen Grenze sei noch nicht zu Ende erzählt – erfüllt sich die Weissagung. Viel zu viel blieb ja auch unbeantwortet. Viel zu viel Neues wird sich wohl auftun. Lynch halt.

Der Mord an Laura Palmer und ebenso dessen anschließende Aufklärung trugen seinerzeit dazu bei, dass Twin Peaks – auch aufgrund des entarteten Hybrid aus thrilliger Spannung, übernatürlichen Phantasmas und irgendwie kitschiger Soap Opera – zu einer regelrechten TV-Revolution avancierte. Vergangenen Sonntag feierte die dritte Staffel auf dem amerikanischen Sender Showtime ihre Fortsetzung. David Lynch, der der New York Times nach über zehnjähriger Schaffenspause im Drehgeschäft eingestand, ein neues Kunstwerk zu schaffen, hat offenbar wenig Interesse an nostalgischer Restaurierung. Die dritte Staffel unterliegt daher auch keiner seriellen Routine mehr. Lynch verzichtet fortan auf Cliffhanger, die Erzählstruktur wird noch kohärenter. Alles aber bleibt herrlich verdreht, in seiner Mystik grotesk wie unerforscht und sowieso ist alles konsequent absurd. Letztlich erwartet den Zuschauer ein achtzehnstündiger Film. Einzig An- und Abspann unterbrechen das vielleicht letzte Spektakel in der opulenten Schaffenszeit des Regisseurs.

Twin Peaks läuft vorerst leider nur im Pay-TV

Twin Peaks startet in Deutschland am morgigen Donnerstag. 20:10 Uhr. Auf Sky Atlantic. Also nur im Pay-TV. Ziemlich enttäuschend, wenn man bedenkt, welchen Einfluss die Serie seither ausgeübt hat. Und das nicht bloß bei ausgewiesenen Peakies. Denn Twin Peaks entwickelte sich nebst seiner medialen Strahlkraft auch zu einem kulturellen Phänomen unentwegter Reichweite: Wer tötete nun Laura Palmer? Was ist eigentlich dieses Böse in den Wäldern? Woher kommt es? Was will es? Und warum schleppt die Schrulle die ganze Zeit ein Holzscheit mit sich rum? Das ist wahrlich bloß eine reduzierte Auswahl an Fragen, die im Hinblick auf die Spannungsgenese eigentlich nur unter benzodiazepinen Einfluss zu ertragen waren und freilich in einen gesellschaftsübergreifenden Diskurs mündeten.

Bleibt abzuwarten, ob Twin Peaks nun auch wirklich an die mystische Kulterzeugung vergangener Tage anknüpfen kann. Fans wird das völlig gleich sein. Für sie endet dieser Tage eine Leidenszeit. Wer sich das Spektakel feiertagsverkatert reinziehen wird: hot damn coffee und cherry pie bringen euch wieder auf den Damm. Viel Spaß beim Schauen!

Twin Peaks, abrufbar auf Sky Atlantic, Sky Go und Sky On Demand. Staffel 1 und 2 gibt´s zusätzlich auf Amazon und Watchever.

Bild: https://www.flickr.com/photos/bagogames/15275983290; keine Veränderungen vorgenommen; alle Rechte BagoGames vorbehalten.

Du möchtest weiterlesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.