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Nachgetreten: Ehe für alle

Die Diskussion hat das katholische Irland auch hierzulande wieder angefacht, dadurch, dass es die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare legalisiert hat. Die Reaktionen fallen teilweise sehr heftig aus, gerade bei Konservativen. Klarer Fall von: Hier die Guten, da die Bösen. Oder? Ein Beitrag unserer Kolumne ‚Nachgetreten’ von Aaron Sayko.

 

Gerade Irland, das doch so erzkatholisch ist. Gerade die Iren haben sich nun für die ‚Homo-Ehe’ entschieden? Im Vatikan fand der Kardinal-Staatssekretär Parolin deutliche Worte: Von einer „Niederlage für die Menschheit“ faselte er. Des Weiteren wies er darauf hin, dass die Kirche das Ergebnis berücksichtigen müsse. Immerhin das stimmt. Auch die Bundesregierung, die normalerweise die Gestaltung ihrer Politik dem Rechenschieber überlässt, hat etwa in Person von Angela Merkel bei der ‚Homo-Ehe’ plötzlich kein gutes Gefühl.

 

Es lohnt, mal genauer zu betrachten, worum es geht: Die Ehe. Diese ist weder eine rein kirchliche, noch eine rein zivilrechtliche Angelegenheit. In Deutschland gibt es die standesamtliche und kirchliche Trauung. Genau hier ist der Punkt, an dem man unterscheiden muss. Die Forderung der gesetzlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare ist berechtigt, weil ihre Verweigerung an Diskriminierung mindestens grenzt. In einem Land wie Deutschland, das sich auf die Fahne schreibt, jeden Menschen gleich zu behandeln, muss die ‚Homo-Ehe’ der traditionellen Ehe gleichgestellt werden.

 

Die Union, allen voran die CSU, hat mit ihrer PKW-Maut ihren Spaß gehabt, den sie sich gegen den Willen der meisten Menschen im Land gegönnt hat. Da ist es nun mehr als gerecht, einen Beschluss gegen den Willen der Union durchzusetzen. Und wenn Politiker anfangen, dummes Zeug zu reden wie die saarländische Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU, dann bedeutet das, dass das, wogegen die sich wehren genau die richtige Politik ist. Sie sagte nämlich, dass man im Falle der Legalisierung der ‚Homo-Ehe’ dann ja auch noch über die Heirat unter engen Verwandten und von mehr als zwei Menschen reden muss. Für diese Wortmeldung darf sich Frau Merkel noch mal herzlich bei Kramp-Karrenbauer bedanken.

 

Die Kirche in der Zwickmühle

 

Kirche und Staat sind zwei voneinander getrennte Bereiche: Was der Staat beschließt, hat die Kirche hinzunehmen. Auf der anderen Seite müssen Beschlüsse des Staates keinen Einfluss auf die Kirche haben; sie dürfen es nicht einmal. Wenn man es ernst nimmt mit der Religion, muss man beachten, dass alles, wonach sich die Gläubigen richten, im Christentum von Gott gegeben ist. Nicht vom Menschen. Und wenn es nach Überlieferung in der Bibel von Gott nicht geboten ist, dass Menschen gleichen Geschlechts zusammenkommen, dann tut die katholische Kirche jedenfalls nicht falsch daran, die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare nicht zu akzeptieren.

 

Eine Kirche, die ihre von höherer Instanz gegebenen Werte und Regeln nicht bewahrt, droht beliebig zu werden. Und das muss Religionen zugestanden werden, dass sie ihre Identität behalten wollen und müssen. Was daraus folgt können zwei Dinge sein: Die Kirche beugt sich tatsächlich den Entwicklungen im Staat und verwässert ihre Traditionen. Oder sie tut es nicht und entfernt sich damit von der Lebenswirklichkeit der Menschen. Dann droht die Kirche in Bedeutungslosigkeit zu versinken, weil sich immer weniger Menschen mit dieser Kirche verbunden fühlen.

 

Bild: Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0 – Quelle: flickr – Autor: andreasfeusi.ch – Titel: Married

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