Osterbräuche weltweit Von Oster-Bilbys und Kreuzigungs-Nachstellungen

Heute und morgen findet für Christen auf der ganzen Welt das wichtigste Fest statt: Ostern. Auch wenn Weihnachten häufig als das größere Fest gilt, so ist es doch Ostern, das ursprünglich den Mittelpunkt des christlichen Glaubens bildete. Mit der Christianisierung wurden lokale Bräuche und heidnische Rituale übernommen und so finden sich zahlreiche Versionen von Fruchtbarkeits- und lebensbejahenden Riten in den Osterfeierlichkeiten wieder. Wir geben euch einen Überblick über Osterriten auf der ganzen Welt – von Eier-bringenden Bilbys bis zu realen Kreuzigungs-Nachstellungen.

Die Rückkehr des Lichts, also der Beginn des Frühlings, wird weltweit mit zahlreichen Licht- und Feuersymboliken gefeiert. Mit dem Licht kehrt das Leben zurück in die durch den kahlen und kalten Winter geprägte Welt. Osterfeuer sind eines der hierzulande bekannteren Rituale. Dabei begrüßt man die Sonne und gibt ihr – so der heidnische Glaube dahinter – die Kraft, wieder stärker zu scheinen und den Winter zu vertreiben. Das laut dem bekannten Guinness-Buch der Rekorde größte Osterfeuer ever stand 2012 in den Niederlanden. Dort gibt es zusätzlich ein großes Festival, das gut und gerne 50.000 Besucher anlockt.

Doch das Osterfeuer gibt es auch in kleinerem Format. Osterkerzen finden sich in vielen Kulturen und werden meist in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag an einer geweihten Flamme entzündet. Die Kerze spendet das einzige Licht in dieser Nacht, da auf künstliche Beleuchtung verzichtet wird. Auf Zypern zum Beispiel werden nach der Ostermesse die mitgebrachten Kerzen der Kirchgänger angezündet, die mit ihnen vorsichtig nach Hause gehen, um so das Licht in das eigene Heim zu tragen. Das Licht der Kerze und des Feuers wurde von den frühen Christen mit Jesus als Lichtbringer verbunden. Eine besondere Form des Osterfeuers findet man auf der griechischen Insel Chios: Hier findet eine Feuerwerksschlacht zwischen zwei verfeindeten Dörfern statt.

Wasser als Symbol des Lebens

Doch man findet nicht nur Feuer-Rituale, sondern auch zahlreiche Wassersymboliken. Der germanischen Göttin Ostera – ihres Zeichens Göttin der Fruchtbarkeit – wurde in vergangenen Tagen mit Hilfe von (fließendem) Wasser gedacht. So hieß es zum Beispiel, dass eine junge Frau, die in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag schweigend aus einem Bach oder Fluss Wasser schöpfte, Glück und Fruchtbarkeit brachte. Um den Schutz zu erhalten, durfte sie währenddessen nicht sprechen und nicht ein Tropfen verlieren. Das Osterwasser hat angeblich heilende Wirkung und sorgt als Glücksbringer für gute Ernte und gutes Vieh. Zum Gedenken an dieses Brauchtum werden auch heute noch in zahlreichen Orten die Brunnen mit Blumen und Girlanden geschmückt. In Lettland wäscht man sich zum Beispiel in einem nach Osten fließendem Bach das Gesicht, um für das kommende Jahr gesund zu bleiben. In Polen gibt es den Brauch des Smigus Dyngus: der nasse Montag. Die Jungen und Männer ehren die jungen Frauen, indem sie sie mit Wasser begießen.

Was wäre Ostern ohne den Osterhasen? Naja – in Australien bringt das Bilby die Ostereier. Ein kleines – dem Hasen nicht unähnliches – Beuteltier passt besser in die bekannte Fauna Downunders. Außerdem sind die durch die Europäer eingeschleppten Hasen dort eine regelrechte Plage, sodass die Umdeutung nachvollziehbar ist. Doch nicht nur der Hase und das Bilby sind Überbringer. Selbst in Deutschland gibt es regionale Unterschiede. In Westfalen und Hannover brachte ursprünglich der Fuchs die Eier, in Oberbayern der Hahn und in Thüringen der Storch. In allen Fällen zeigen sich auch hier wieder Symboliken der Fruchtbarkeit und der Rückkehr des Lebens.

Fun fact am Rande: Als der Osterhase in Mitteleuropa bekannter wurde – vor gerade mal 300 Jahren – waren es die Stadtkinder, die eher daran glaubten, als die, die auf dem Land groß wurden. Das lag daran, dass es nur schwer begreiflich zu machen ist, dass ein Hase Eier bringt, wenn man aus eigener Erfahrung weiß, woher diese wirklich stammen.

Eier finden sich in vielen Kulturen als Glücksbringer

Apropos Eier: Sie galten in den heidnischen und nicht-christlichen Glaubensgemeinschaften als Symbol des Lebens und der Auferstehung. Aus etwas scheinbar unbelebtem, steinartigen entschlüpfte ein neues Lebewesen. Diese Symbolik ließ sich dann relativ leicht auf Jesus übertragen, der – scheinbar tot – aus seinem Grab auferstanden ist. Ostereier im weiteren Sinn wurden im Mittelalter zur Zahlung der Pacht an den Grundbesitzer abgegeben. Und schon im alten Ägypten waren bemalte und bunte Eier bekannt. In Bulgarien werden an Gründonnerstag die Eier gefärbt. Traditionellerweise wird das erste Ei rot gefärbt und die älteste Frau im Haushalt streicht mit dem Ei durch die Gesichter der Kinder. Dies soll für Gesundheit sorgen. An Ostersonntag beginnt dann eine Eierschlacht, bei der Kirchenwände und Familienmitglieder beworfen werden. Eier, die heil bleiben, sagen dem Besitzer Glück für das Jahr voraus.

Einen ähnlichen Brauch gibt es in Frankreich. Hier werden die Eier hoch in die Luft geworfen und das erste herunterfallende Ei hat verloren. In Österreich heißt es, ein an Gründonnerstag gelegtes Ei wehre Unheil ab. Dieses wird dann auf den Dachboden gelegt, um das Haus vor Feuer zu schützen. In Dänemark schreiben Kinder den Gækkebrev, ein kunstvoll gebastelter Narrenbrief, der anonymisiert den Eltern übergeben wird. Als Lohn erhält der Absender ein Schoko-Osterei.

Generell gibt es an Ostern viele kulinarische Eigenarten. Das Osterlamm, entweder aus Teig gebacken oder gegrillt und gekocht, findet sich in vielen Kulturen wieder. In Irland hingegen werden Heringe zu Grabe getragen. Damit wird die Fastenzeit beendet, während derer kein Fleisch, jedoch sehr wohl Fisch gegessen werden durfte.

Verbannung des Bösen

Zwischen Karfreitag und Ostersonntag bleiben die Kirchenglocken still, im Gedenken des Todes Jesu. Statt Glockengeläut ziehen vielerorts Kinder durch die Straßen und machen Lärm. Laut französischer Tradition sind die Glocken vor Ostern in Rom, um sich den Segen des Papstes zu holen. Auf ihrem Rückweg bringen sie zum Ostersonntag Süßigkeiten mit, die die Kinder suchen und finden können. In Finnland wird die Trauerzeit durch die Osterhexen beendet. Kinder – meistens Mädchen – ziehen von Haus zu Haus und wenn man sie hereinlässt, segnen sie das Heim gegen eine kleine Süßigkeiten-Gabe. In Haiti werden mit Musik, Lärm und Tanz böse Dämonen zum Haus des Houngans gelockt. Der Zauberer macht sich die bösen Kräfte hörig, damit diese den Menschen nichts Schlimmes antun können.

In Mexiko werden Pappmaché-Figuren des Teufels verbrannt. Doch nicht nur mit dem Teufel wird so abgerechnet. Unbeliebte Politiker werden dabei ebenfalls „verbrannt“. In Lettland sollen die Menschen durch das traditionelle Osterschaukeln gegen Mücken im Sommer geschützt werden. Wichtig ist hierbei allerdings, dass die Schaukel hinterher verbrannt wird, damit böse Hexen nicht ihr Unwesen treiben können.

Auf den Philippinen werden zu Ostern viele Männer gekreuzigt; tatsächlich inklusive Nagel durch die Handflächen und in der Sonne ausharrend. Diese Nachstellungen – denn genau darum handelt es sich – sind eine Form der Glaubensbekundung für die Menschen dort. Einige Gläubige lassen sich sogar jährlich kreuzigen.

Mit dem Osterfest wird die Rückkehr des Lebens gefeiert. Ob es Zufall ist, dass das neue Semester direkt im Anschluss startet?

Photo by Annie Spratt on Unsplash

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