Planlos geht mein Plan los Über das Erwachsenwerden und legitime Zweifel

 

Als Kind malt man sich ganz genau im Kopf aus, wie das Leben auszusehen hat, „wenn man mal groß ist“. Man hat einen Plan und glaubt fest daran, dass erwachsen sein fabelhaft ist; dass alles genau so rosig sein wird, wie man es sich vorstellt. Dabei ist man noch viel zu jung ist, um zu verstehen, wie die Welt wirklich tickt. Die Realität sieht meist nämlich deutlich planloser aus. Unter Druck setzen sollte man sich dennoch nicht.

Als ich klein war und über das Erwachsenwerden nachdachte, hielt ich daran fest, dass ich ganz bestimmt irgendwann mal eine Prinzessin werden würde. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ich feststellte, dass das eine wenig realistische Zukunftsperspektive ist und ich mich vielleicht doch lieber für etwas anderes entscheiden sollte. Danach folgten sämtliche Traumvorstellungen einer Präpubertierenden: Von dem Wunsch Friseurin zu werden, über die Idee, Kinder zu unterrichten, bis hin zu dem absurden Verlangen, Ärztin zu werden (nicht, dass das etwas schlimmes wäre, aber glaubt mir, niemand würde mich als Ärztin haben wollen) war alles dabei. Man könnte meinen, ich wechselte meine Zukunftsvorstellungen öfters als meine Unterwäsche. Doch wirklich geblieben ist nicht viel davon.

Die Zeit rast schneller, als man es sich vorstellen kann. Wochen kommen mir manchmal vor wie Tage und Tage wie Sekunden. Und plötzlich bläst man zum 18. Geburtstag die Kerzen auf dem Kuchen aus und – TADAAAA! – man ist nun „alt genug“ und soll allein über sein ganzes Leben entscheiden, obwohl man im Prinzip einen Tag vorher doch noch ein Kind war. Hat es eine einzige Person je geschafft, sanft und langsam in dieses Erwachsensein hineinzugleiten? Denn ich empfand es eher so, als wäre ich ins eiskalte Wasser geschmissen worden. Von heute auf morgen hieß es plötzlich: du bist volljährig, erwachsen und kannst machen was du willst. Naja… fast.

Der imaginäre „Happy 18th birthday!“-Sticker auf der Stirn und völlig reale Zweifel im Kopf

Plötzlich fühlte es sich gar nicht mehr so fantastisch an, wie ich es mir immer ausgemalt hatte. Auch wenn die Schatten der Kindheit nun längst hinter einem liegen, stehen plötzlich ganz neue Herausforderungen vor der Tür, die man zu bewältigen hat. Während man sich damals mit Süßigkeiten den Bauch vollstopfte, greift man nun schnell zum Naschwerk der ‚Großen‘: Doch Alkohol, Zigaretten oder Drogen können einen meist auch nur kurzzeitig von der eigenen Planlosigkeit ablenken. Und sobald der Schulabschluss vor der Tür soll man sich – ob man will oder nicht – dafür entscheiden, was man mit seinem Leben anfangen möchte.

So stand ich nun da, mit einem imaginären „Happy 18th birthday!“-Sticker auf der Stirn und völlig realen Zweifeln im Kopf. Während andere Menschen um mich herum scheinbar schon immer fest wussten, wer sie sind und was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, war mein Leben eher eine Mischung aus einem wirren Durcheinander und einem riesengroßen Fragezeichen.

Drei Jahre älter und um zwei Erkenntnisse reicher

Wenn man mich als junge Erwachsene nach meinen Plänen fragte, machte mich das nervös, weil ich – ganz offen gesagt – nie wirklich ernsthafte welche hatte. Wenn man wissen wollte, wer ich bin und was ich machen möchte, bekam ich einen Kloß im Hals. Da war dieses Gefühl, dass Menschen automatisch voraussetzen, dass man einen Plan habe. Dass man ganz genau wisse, in welche Richtung man gehen möchte und wie viele Schritte es sein sollen. Und je öfter ich von Menschen gefragt wurde, was meine Pläne sind, desto mehr dachte ich, ich müsste doch endlich welche haben und wohl stattdessen ein Versager sein, weil ich eben keine hatte. Aber bin ich das? Bin ich ein Versager, nur weil ich mir mein Leben mit 18 Jahren nicht schon ausmalen wollte, wie es auszusehen hat, wenn ich 50 bin?

Fakt ist, jetzt bin ich drei Jahre älter und um zwei Erkenntnisse reicher: Zum einen, dass ich immer noch nicht genau weiß, was ich will (was vermutlich auch immer so bleiben wird), zum anderen aber auch, dass ich nicht die einzige bin, die direkt unter diesem riesigen Fragezeichen steht. Nach längeren Gesprächen mit Menschen, die fest im Leben stehen und ihren Träumen ehrgeizig nacheifern, ist mir bewusst geworden, dass sogar sie Zweifel haben und bei weitem nicht perfekt sind.

Vielleicht liegt der Sinn in dem, was wir bereits tun

Anstatt panisch im Kreis zu rennen und verzweifelt nach irgendwelchen Möglichkeiten zu greifen, habe ich angefangen, einfach das zu tun, was mir Spaß macht, in der Hoffnung, dass es mich irgendwann zum Erfolg führen wird. Ich schaue jetzt auf mich selbst, anstatt mich permanent mit anderen zu vergleichen. Denn wenn ihr mich fragt, dann sollten wir vielleicht nicht immer nach dem Sinn suchen, weil der Sinn vielleicht schon in dem liegt, was wir bereits tun.

Foto: Laura Aziz, hier gefunden.

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