Platten(teller): Gothic Tropic – Fast or Feast Auf der Suche nach Wohlklang? Gothic Tropic aus L.A. hätten da was fürs Sonnenbad.

Leidenschaftlich gerne und machmal nur bloß mittelscharf geben wir unseren Senf zu größtenteils unentdeckten, unserer Meinung nach aber kostbaren Neuerscheinungen der Popkultur. In unserer Rubrik Platten(teller) stellen Redakteure_innen des mediazine musikalische Novitäten aus allen erdenklichen Spektren vor. Benni Bender hat sich „Fast or Feast“ gegeben, das Debüt der hybriden, aber (Vorsicht!) keinesfalls selbstgefälligen Kalifornier_innen Gothic Tropic.

Es braucht schon mehr als unverdorbenen Mumm, um eine Erstlingsscheibe, munter angereichert mit instruktiver Synthie-Affinität, gen Postpunk, RnB und Pop zu hybridisieren. Dabei erinnern Cecilia Della Perutis vocals unentwegt an die von Debbie Harry. Am akustischen Jungbrunnen setzen Gothic Tropic mit Fast or Feast dort an, wo sich selbst die verwegensten unter den Blondie-Anhängern in freudiger Erwartung dieser unvorhersehbaren Virilität beköstigen. Dennoch ist das Album zu vielschichtig arrangiert, um bloß als Radiopop zu gelten. Schwärmerisch und selbstvergessen entwickelt sich etwa How Life Works zum griffigen und gleichermaßen harmoniebedürftigen Audio-Sedativa. Der halbe Bandname bürgt ja letztlich fürs in der Matte hängende feel-good listening. Die vertrackten Klangvariationen sind zweifelsfrei catchy genug, um nicht nur an Blondie, sondern auch an die Pretenders zu erinnern.

Sonnengeflutete Balance gegen kommerziellen Einheitsbrei

Das Ergebnis: glänzende Balance zwischen durchweg überzeugender Zitation und ersprießlichem Pathos. Gefühlt wandern z.B. in Teenage Behavior Regenbögen über die Tonspuren. Überstürzt und staunenswert feilen elektronische Helfershelfer Fast or Feast zu einem wattebauschweichem Debüt. Dessen Rezeptur deckt von progressivem Fieber in If It Had a Body bis hin zu neopsychedelischer Emphase in Major geradezu alles an Formgefühl ab, das bei so manch hochangepriesenem Premierenalbum der konzeptuellen Kommerzmaschinerie auf der Strecke bleibt. Behutsam hypnotisiert Perutis Stimme verschleierte Sehnsüchte, als bahne sich ihr Weg aus nebeligen Küstengebieten genau dort hin, wo das Album als Ganzes ein Höchstmaß an pulssenkender Assoziationskraft provoziert: auf einer Wiese. Liegend. In eine Baumkrone blinzelnd. Sonnengeflutet.

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7.5 / 10.

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Für den Selbsttest einfach mal reinhören! Gothic TropicFast or Feast (Release: 19.05.2017; Old Flame Records)

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Für Fans von: Blondie, The Pretenders, HAIM, The War on Drugs oder Fleetwood Mac.

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Bild: Kai Oberhauser (frei zur kommerziellen Nutzung; Keine Änderungen vorgenommen; hier gefunden)

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