Rogue One: A Star Wars Story Eine Rezension, garantiert spoilerfrei

Auch in diesem Jahr heißt es pünktlich zur Weihnachtszeit wieder: Möge die Macht mit dir sein! Dem jährlichen Rhythmus folgend, bringen Disney und Gareth Edwards pünktlich zum Fest der Liebe das Spin-Off Rogue One: A Star Wars Story in die Lichtspielhäuser dieser Welt. Als treuer Star Wars Fan seit Kindesalter habe ich mich natürlich in die mitternächtliche Premiere gewagt und mir das Prequel zu Episode IV zu Gemüte geführt. Ob Rogue One die Erwartungen erfüllt oder durch die straffen Produktionspläne Disneys Fließbandcharakter aufweist, lest ihr (subjektiv und spoilerfrei) in den folgenden Zeilen. All aboard the hype train!

Was habe ich auf diesen Termin hin gefiebert: Am 15. Dezember würde ich nach monatelangem  Warten endlich wieder in eine weit, weit entfernte Galaxis reisen können. Da man sich dieser Tage allerdings kaum mehr vor Spoilern im Internet retten kann, stand ich vor der Entscheidung: Entweder in die potenziell überlaufene, nächtliche Premiere gehen oder bis zum späteren Kinobesuch dem Internet den Rücken kehren. Als digital native war letzteres natürlich keine ernsthafte Alternative und so fläzte ich mich mit 3D-Brille, Nachos und Zuckerwasser bewaffnet ins hiesige Lichtspielhaus. Pünktlich um 00:01 Uhr öffnete sich dann der Vorhang. 40 (!) Minuten und 38 Trailer und Werbeclips später ging der Film dann auch schon los.

Mehr Krieg, weniger Märchen

Dass Rogue One kein Star Wars Film im klassischen Stil werden sollte, ist lange im Vorfeld bekannt gewesen. Düster sollte er sein und brutal, und damit ganz anders als das nostalgische Revival aus dem Vorjahr – ein echter Sternen-Kriegsfilm eben. Umso gespannter war ich, wie dies mit dem ansonsten kindgerechten Image von Eigentümer Disney zusammenpassen würde. Die Story um eine kleine Gruppe von Verschworenen mit dem Ziel, die Pläne des Todessterns zu stehlen, birgt zumindest viel Potenzial dafür, die Märchen-Pfade der Hauptfilme zu verlassen. Der Beginn des Films nutzt sogleich die Chance, den Status von Rogue One als separates Spin-Off zu untermauern. Denn wer die berühmten Worte „Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“ samt anschließender Laufschrift zu John Williams‘ genialem Score erwartet, der wird enttäuscht werden: Ohne langes Geplänkel startet der Film in medias res, die wesentlichen Grundpfeiler der Handlung, die Motivation der Protagonisten und Plot relevante Figurenkonstellationen werden bereits in den ersten Minuten des Films abgefrühstückt. Das ist an sich nicht tragisch, jedoch wirken gerade die anfänglichen Filmminuten dadurch etwas gerafft, wo ich mir persönlich eine langsamere Entfaltung der Szenerie und Handlungsstränge gewünscht hätte.

Dunkle Stimmung, blasse Charaktere

Die Reise der Splittergruppe führt dabei wieder einmal zu diversen Planeten, die allesamt fantasievoll und glaubwürdig in Szene gesetzt sind. Insbesondere der Handlungsort des letzten Aktes, Scarif, bildet mit Palmen und Stränden eine willkommene Ergänzung zum planetaren Repertoire. Dass Rogue One ein Kriegsfilm sein will, der sich um die Geheimoperation einer Rebellengruppe dreht, schlägt sich auch im Plot nieder. Ausufernde Raumschlachten und Schießereien mit den unfähigen Sturmtruppen finden erst zum Ende des Films statt. Das macht aber gar nichts, denn dadurch bietet sich mehr Zeit, die interessanten Orte und skurril designten Figuren aufzusaugen, die seit jeher einen Großteils des Charmes der Filme ausgemacht haben. Zur Story kann und soll an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden, denn Star Wars-typisch besteht der Filmgenuss zu einem wesentlichen Teil aus der abenteuerlichen Stationen-Dramaturgie. Negativ fällt hierbei jedoch die eine oder andere Auflösung von Szenen auf, die manchmal Logiklöcher aufweist oder Erzählkniffe nach Schema F bedient. In Rogue One kommt hinzu, dass es sich bei der Protagonistengruppe um einen zusammengewürfelten Haufen aus Söldnern, Agenten, Deserteuren und Verbrechern handelt. Leider verpasst es der Film dabei, einigen der Charaktere glaubhafte Tiefe zu verleihen. Auch untereinander scheinen sich die zunächst raubeinigen Figuren, mit Ausnahme der beiden Gruppenführer, auf Anhieb zu verstehen. Interne Konflikte hätten hier ein stimmigeres Bild ergeben. Nichtsdestotrotz stechen auch zwei der neuen Figuren heraus. Zum einen wäre da der Droide K-2SO, der mit losem „Mundwerk“ und seiner gestelzten Erscheinung wunderbar die Rolle des comic relief erfüllt. Zum anderen ist dies der imperiale Direktor Krennic, der den Bau des Todessterns leitet. Ben Mendelssohn spielt den von Ehrgeiz getriebenen Antagonisten mit einer herrlich selbstbewussten Boshaftigkeit. Und nicht zuletzt kehrt der hassgeliebte Lord Vader zurück, der einen der erinnerungswürdigsten Auftritte im Film hinlegt.

Die Macht ist mit der Technik

Technisch gibt sich Rogue One nicht nur keine Blöße, er ist schlichtweg atemberaubend schön. Von den detail- und abwechslungsreichen Planetensystemen über die außerirdischen Rassen, die größtenteils ohne merkliche CGI-Effekte auskommen, bis hin zum technischen Artdesign, das mit analogen Knöpfen, Schaltern und blinkenden Instrumenten stimmig das Feeling der ursprünglichen Trilogie einfängt, ist der Film durchgehend eine Augenweide. Die orbitalen dogfights, wuchtigen Explosionen und grandiosen Panoramen sind nicht weniger als state of the art. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die Rückkehr vom Befehlshaber des Todessterns, Grand Moff Tarkin, der in A New Hope vom mittlerweile verstorbenen Peter Cushing dargestellt wurde. Dieser wird im Film mittels CGI wieder zum Leben erweckt, und das mit einem Detailreichtum und Mimik, die ganz hart an der Grenze zum Fotorealismus kratzen.

Fazit

Wie sieht das Fazit zu Rogue One nun aus? Meiner Meinung nach verdammt gut. Zwar ergeben sich im Verlauf der Handlung immer wieder kleinere Defizite, wie Logiklöcher oder verschenktes Potenzial bei der Charakterzeichnung. Doch setzt der Film deutlich stimmiger um, was J.J. Abrams mit The Force Awakens versucht hat: Neue Abenteuer zu erzählen und dabei das Flair der ursprünglichen Trilogie zu bewahren. Auf die übermäßig strapazierte Zitation der alten Filme wurde dieses mal dankenswerterweise verzichtet und auch in puncto Humor präsentiert sich Rogue One akzentuierter als Episode VII. Dennoch ist der Streifen kein knallharter Kriegsfilm, trotz düsterer Grundstimmung bleibt es nach wie vor Star Wars. Somit hebt sich Rogue One erfrischend ab und positioniert sich zugleich gut zwischen Episode III und IV und macht somit Lust auf zukünftige Ausflüge in eine weit, weit entfernte Galaxis. Nächstes Mal dann aber ohne Werbe-Prolog von der heimischen Couch aus.

 

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