Sexfantasien und Traumschlösser Wie du damit jede Prüfung meisterst

Du schreibst eine Klausur, die Uhr tickt, aber du hältst dich die ganze Zeit an einer Prüfungsfrage auf. Eigentlich weißt du die Antwort, aber in dem Moment kommst du einfach nicht drauf. Gestern hast du es doch noch im Lernskript gelesen: im letzten Absatz auf der zweiten Seite, extra mit einem gelben Textmarker hervorgehoben, um es auf keinen Fall zu vergessen. Aber was zur Hölle stand da noch… 

Mit den folgenden Methoden wird dir das nicht mehr passieren. Für die bevorstehende Prüfungsphase haben wir die wichtigsten Lern- und Merktechniken ausfindig gemacht. Ganz ohne lernen wird es allerdings nicht klappen, aber wenn du die folgenden Methoden anwendest, wirst du in der nächsten Prüfung garantiert besser abschneiden.

 

Spickzettel statt Bulimie

Wie in jedem Semester steht wieder einmal die Klausurenphase bevor. Der einzige soziale Kontakt sind die Instagram-Stories deiner Freunde. Der Höhepunkt des Tages besteht aus Unmengen an Süßigkeiten, die man sich fast unbemerkt einverleibt. Währenddessen sitzt man gelangweilt hinterm Schreibtisch und versucht sich alle Fakten für die bevorstehenden Prüfungen durch unzählige Wiederholungen einzuprägen. Am nächsten Tag ist die Hälfte davon wieder vergessen und die Panik steigt, je näher die Prüfung rückt. Diese Methode ist inoffiziell auch als Bulimie-Lernen bekannt: Alles reinstopfen und in der Prüfung wieder auskotzen.

 

Besonders effektiv und langanhaltend ist es leider nicht. Daher schreib dir doch einfach einen Spickzettel! Die Gefahr beim Spicken in der Klausur erwischt zu werden besteht nicht, da du ihn gar nicht benutzen wirst. Jetzt wunderst du dich bestimmt was der Blödsinn soll. Man hat herausgefunden, dass Informationen besser im Gedächtnis gespeichert werden, wenn sich das Gehirn dafür anstrengen muss. Denn Informationen, die schwer zu bekommen sind, werden automatisch als wichtig eingestuft. Und wichtige Dinge vergessen wir nicht so schnell. Daher werden nur Stichwörter auf den Spicker geschrieben und das so klein wie möglich. Den Zettel steckt man sich einfach in die Hosentasche und während der Bus mal wieder auf sich warten lässt, kann man sich den Zettel mehrmals durchlesen. Diese Methode scheint sich in Siegen besonders zu bewähren, da der öffentliche Nahverkehr sich nicht unbedingt durch Pünktlichkeit auszeichnet.

 

Nutze dein ganzes Gehirn

Nur mit einem Stichwort lässt sich aber keine Prüfung bestehen, daher müssen noch mehr Merktechniken oder sogenannte Mnemotechniken her. Das Prinzip ist immer gleich: Neben der linken Gehirnhälfte, die für Fakten und Logik zuständig ist, wird zudem auch die rechte Hirnhälfte beim Lernen aktiviert. Diese verarbeitet unsere Emotionen, Kreativität und Vorstellungskraft. Wir können beide Hirnhälften gleichzeitig nutzen, indem wir die Fakten in Bilder umwandeln und das in möglichst außergewöhnlicher, lustiger oder emotionaler Weise. Mit den Methoden zu lernen, kann anfangs ein bisschen länger dauern, da wir es nicht gewohnt sind uns beim Lernen fantasievoll auszuleben, aber mit etwas Übung wird man immer besser und schneller. Zudem wird auch die Kreativität gefördert. Und die Fakten bleiben viel länger im Kopf, manchmal sogar über Jahre.

 

Einige Merktechniken begleiten uns unbewusst schon das ganze Leben. Die bekannteste davon ist wohl die Eselsbrücke. Diese kann ein Reim sein, aber lässt sich auch mit Akronymen, Backronymen, Ähnlichkeiten und Auffälligkeiten, Witzen und Anekdoten bauen. Wie hast du dir damals zum Beispiel gemerkt, dass nämlich ohne h geschrieben wird? Genau, mit dem Spruch „Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich“. Wir können uns so besonders Fakten oder bestimmte Reihenfolgen besser merken, da unser Kopf einen Bezug hergestellt hat und diese Informationen auf einmal einen Sinn ergeben. Also seid kreativ und denkt euch Eselsbrücken aus, das macht viel mehr Spaß, als zu büffeln. Besonders gut lassen sich auch Vokabeln mit Wortbildern lernen. Stell dir mal vor, wie du ein Schaf einen Berg hinauf sheepst.(Schaf – Sheep) Und schon hast du die Vokabel gelernt, ohne sie unzählige Male wiederholen zu müssen. Falls du selber nicht so kreativ sein möchtest gibt es bereits Bücher, mit denen du dir sofort hundert neue Vokabeln auf diese Weise merken kannst.

 

Ich weiß wann Shakespeare Geburtstag hat!

Nicht nur Wörter, sondern auch Zahlen sollte man verbildern. Für diese Technik ist etwas Vorarbeit nötig. Auch wenn wir Studenten, uns gerne nach dem ökonomischen Minimalprinzip auf die Klausur vorbereiten (mit den geringsten Mitteln, maximalen Erfolg erzielen), lohnt sich der einmalige Mehraufwa
nd. Stellvertretend für die Zahlen von 0-9 prägst du dir jeweils ein Bild ein, was zukünftig als Symbol für die Zahl steht. Am besten funktionieren Bilder, die mit der Zahl in Verbindung stehen, entweder weil sie ähnlich aussehen oder Merkmale der Zahl aufweisen. Anschließend wird aus den Bildern eine Geschichte gemacht. Für die Zahlen 1-6 könnte man wie folgt vorgehen:

1 = Einhorn (Ein Horn auf dem Kopf)

2= Schwan (Sieht aus wie eine zwei

3= Dreirad (Drei Räder)

4=Tisch (4 Beine)

5= Hand (Fünf Finger)

6= Sixpack (Bier oder der Bauch)

 

Angenommen du willst dir das Geburtsdatum von William Shakespeare merken: 26.4.1564. Dazu stellst du dir nun eine Geschichte so bildlich wie möglich vor: Ein Schwan (2) namens William mit einem Sixpack (6) stand auf einem Tisch (4) mit Geburtstagsgeschenken, als ein Einhorn (1) vorbeikam und mit der Hand (5) auf das Sixpack (6) des Schwans zeigte und sich dann auch auf den Tisch (4) setzte. Dass die Geschichte so absurd ist, trägt nur zur merk-würdigkeit des Datums bei. Man kann sich natürlich auch direkt Symbole für zweistellige Zahlen merken, dann hat man nur ein Bild für zwei Zahlen, zum Beispiel ein Schachbrett für die Zahl 64, in dem Fall würde der Schwan jetzt mit dem Einhorn Schach spielen.

 

Traumberuf: Architekt oder Prinzessin?!

Auf die folgende Methode hat mich Prof. Dr. Matussek hingewiesen. Er ist anscheinend nicht nur Professor, sondern auch noch Architekt: Er baut sich seine eigenen Paläste, Gedächtnispaläste. Mit dieser Methode kann man sich besonders viele Informationen einprägen. Dabei kann euer Palast so groß werden, wie ihr wollt, der Lernstoff wird strukturiert und einem einzelnen Raum zugeordnet. Dadurch verknüpft man vorhandenes Wissen mit neuem Wissen. Wenn man weiß, wo eine Information zu finden ist, kann man diese schneller abrufen. Wie die architektonischen Werke von Prof. Dr. Matussek aussehen, weiß ich leider nicht, aber inspiriert davon, habe ich mir mein Schloss für die Vorlesung Medienästhetik der Schrift gebaut. Ich wollte mir merken, wer den Buchdruck erfunden hat und welche Texttheorie zu welcher Person gehört. So hat Roman Ingarden die Theorie der Unbestimmtheitsstellen entwickelt, Wolfgang Iser die Leerstellen und Julia Kristeva die Intertextualität. Daher habe ich mein Gedächtnispalast wie folgt gebaut:

 

In (meinem) Garten(Ingarden) ist noch sehr viel Unkraut, dass ich noch nicht bestimmt(identifiziert) habe. Weiter hinten im Garten leert Wolfgang mit Isabel (Iser) die Pferdeställe(Leerstelle) aus. In der Bibliothek sitzt Gutenberg der sich mit einem Chinesen streitet, wer den Buchdruck erfunden hat. Der Chinese hat eindeutig die besseren Argumente. Auf diese Weise kann man noch viele weitere Räume entwerfen.

 

Mit Napoleon im Schlafzimmer

Unser Sexgedächtnis zählt zu dem vorstellungs- und merkstärksten Teil unseres Gehirns. Ganz schön praktisch, wenn man bedenkt, dass Männer etwa zweimal und Frauen etwa einmal die Stunde an Sex denken. Also was immer ihr, mit wem auch immer in eurem Schlafgemach anstellen wollt, bleibt euch überlassen. Aber falls ihr mal wissen müsst, dass Napoleon (17)69in Frankreich geboren wurde, könnte eine bestimmte Stellung aus dem Kamasutra und das Klischee Franzosen seien gute Liebhaber vielleicht ganz nützlich sein, um euren Gedächtnispalast zu bauen. Besonders gut funktionieren auch Fantasien mit euren Celebrity Crush oder Freund/In, probiert es doch einfach mal aus. Es weiß ja niemand an was ihr so denkt.

 

Ganz egal, ob du nun einen Spickzettel schreibst, dir Vokabeln und Zahlen mit Bildern und kurzen Geschichten merkst, die altbewährte Eselsbrücke, in Form von Abkürzungen oder Reime verwendest, dir erotische Fantasien ausmalst oder dir deinen eigenen Palast vorstellst; diese Merktechniken machen Spaß und bleiben lange und gut im Gedächtnis. Im besten Fall kombinierst du die Methoden, um den besten Lernerfolg zu erzielen. Und falls die nächste Klausur doch nicht so erfolgreich wird, bist du immerhin Prinzessin bzw. Prinz in deinem eigenen Schloss.

Viel Erfolg und Spaß beim Lernen.

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