UnREAL – The Bachelor trifft auf preisgekrönte Dramaserie

 

„Ihr bekommt Barprämien für nackte Haut, Zickenkriege sowie Notrufe.“ Mit diesem Satz weist  die Showrunnerin Quinn ihr Team ein. Die Reality-Show, die sie produziert, heißt Everlasting und ist gerade in die neue Staffel gestartet. Junge, schöne Frauen buhlen um die Gunst eines attraktiven Junggesellen aus England. Kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, erinnert die Show doch stark an The Bachelor, mit dem Unterschied, dass Everlasting fiktiv ist und innerhalb der Amazon-Serie UnREAL dazu dient, die moralisch bedenklichen Arbeitsweisen von Dating-Reality-Shows vorzuführen. Dem Zuschauer wird dies schnell deutlich: Bereits beim Dreh der ersten Folge Everlasting spricht eine Produzentin eine Kandidatin mit den richtig gewählten Sätzen an, sodass sie zu weinen anfängt. Die Kamera hält drauf, zoomt heran. Und Cut!

UnREAL zeigt uns die Welt hinter der Kamera von der The Bachelor ähnlichen Reality Show Everlasting. Im Mittelpunkt steht die Produzentin Rachel Goldberg (Shiri Appleby). Sie kehrt nach einem Nervenzusammenbruch in der vorausgegangenen Staffel von Everlasting, der in einem Autodiebstahl endete, zurück ans Set. Widerwillig setzt sie dort ihre Arbeit unter der Showrunnerin Quinn King (Constance Zimmer) fort, um ihre Schulden abzuarbeiten. Rachels Aufgabe als Produzentin besteht darin, die Kandidatinnen so zu manipulieren, dass sie Wutanfälle bekommen, weinen und sich gegenseitig ausnutzen. Das wird erreicht, indem sie von den Produzenten abgefüllt, bedrängt und belogen werden, um die besten O-Töne für die nächste Folge zu bekommen. Um nicht ihren Job zu verlieren, trifft Rachel immer wieder unmoralische Entscheidungen, die dramatische Folgen für die Kandidatinnen haben.

Die Aufgabe der Produzenten ist die Kandidatinnen zu manipulieren und abzufüllen

Gleichzeitig leidet Rachel unter ihrer Arbeit und es fällt ihr schwer, die Frauen bloßzustellen. Mit der Zeit merkt sie jedoch, wie gut sie in der Rolle der manipulativen Produzentin ist. In diesem Zwiespalt befand sich einst auch die Erfinderin der Serie, Sarah Shapiro. Sie arbeitete drei Jahre lang bei der amerikanischen Dating-Show The Bachelor. Die Rolle von Rachel ist an ihre persönlichen Erfahrungen angelehnt. Genau wie Rachel sieht sie sich als Feministin und hat es schwer gehabt, ihre Überzeugungen mit ihrem Job zu vereinen. Am schwierigsten war es für Shapiro jedoch sich einzugestehen, dass ihr diese Arbeit, die sie zerstörte, auch gefiel. Um sich aus ihrem Vertrag zu befreien, drohte sie letztendlich mit Selbstmord.

Die Zeit der Antiheldinnen

Shapiro erreicht mit UnREAL, dass sich der Zuschauer den schamlosen Intrigen der Produzentin von Everlasting nicht entziehen kann. Gleich in der ersten Folge nutzt Rachel die Information über den gewalttätigen Ex-Mann einer Kandidatin aus, um diese zu manipulieren. Schrittweise steigert sich die Serie und die Methoden der Produzenten werden immer skrupelloser. Gebannt sitzt man vor dem Bildschirm, der Bauch verkrampft, während man in die Abgründe menschlichen Handelns blickt. Automatisch wandert sofort danach die Hand zur Fernbedienung, um die nächste Folge anzuschalten. Rachel und Quinn fungieren in der Serie als Antiheldinnen. Ihre Entscheidungen sind moralisch fragwürdig, aber auch verständlich, zumindest Rachels. Die Serie zeigt, dass weibliche Charaktere Fehler machen dürfen. Auf anderen Seite erweisen sich beide als Powerfrauen, die ihre Entscheidungen nicht von Männern abhängig machen. UnREAL beweist, dass nach Serien wie MadMen oder Sopranos die Zeit für weibliche Antiheldinnen gekommen ist.

Photo by Tim Mossholder on Unsplash

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