Viago…run!!

Die Online-Ticketbörse Viagogo zieht mit miesen Tricks den Kunden ihr Geld aus der Tasche. Und das schon seit Jahren. Unsere Autorin wurde ebenfalls Opfer des Zweithändlers für Eventkarten und sitzt jetzt seit mehr als einem halben Jahr auf den Kosten.

 

Liebes Viagogo,

Dir hier zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Während ich diese Zeilen tippe, merke ich, wie die Wut erneut in mir anfängt zu brodeln. Alte Gefühle kochen wieder hoch. Dein letztes Schreiben verweilt nun schon seit einem halben Jahr als PDF-Datei auf meinem Desktop. Dort hebe ich immer nur die ganz wichtigen Dateien auf. Die anderen landen in Ordnern. Damit ich dich nicht vergesse und mein Geld wiedersehe, liegst Du in keinem Ordner. Doch ich sehe eher schwarz, die nette Dame meines Kreditkarteninstituts leider auch. Mein Konto nur rot.

Du hast mich abgezockt, weil Du wusstest, dass ein panischer Käufer unter dem Zeitdruck eines  blinkenden Countdowns das Kleingedruckte überliest, das großgedruckt hätte sein sollen. Vier Minuten nach meinem Ticketkauf erhielt ich eine Bestätigungsmail. Um 220€ ärmer, aber um zwei Konzertkarten reicher. Ich hatte gelächelt. Es waren schließlich die letzten Konzertkarten gewesen, dachte ich. Die Karten wären alle so schnell vergriffen gewesen, haben deine virtuellen Interessenten mir zu verstehen gegeben, von denen ich jetzt weiß, dass sie imaginär waren. Die Tickets wären die 220€ wert gewesen, von denen 40€ alleine Bearbeitungsgebühren waren. Wenige Sekunden später konnte ich deine Tickets downloaden, die du mir ebenfalls per Mail hattest zukommen lassen. LANXESS Arena Köln, Oberrang außen. Schlechte Plätze, aber immer noch besser als keine. In der PDF-Datei mit deinen Tickets stand auf jedem der zwei Originalkarten „39€“ und ein italienischer Name. Personalisierte Karten also. Ich fragte mich, ob die Karten nicht eigentlich auch postalisch zu mir kommen sollten. Eine PDF-Datei kann schließlich jeder kriegen und mit ihr ins Stadion wandern. Ich stutzte, dann googelte ich, schließlich weinte ich.

Mehrfach war bereits über dich berichtet worden. Aber Rechenschaft leisten, das tust du nicht. Deine Pressestelle ist eine Pressestille. Von der deutschen Verbraucherzentrale wurdest du bereits abgemahnt. Ed Sheeran boykottiert den Verkauf seiner Konzertkarten durch dich. Dein aktuellster Fall ist Rammstein, die dich vor Kurzem ebenfalls abgemahnt haben. Du verkaufst ihre Tickets trotzdem. All das habe ich zu spät erfahren. Aber ich will, dass andere vor dir gewarnt werden, bevor ihnen der gleiche Fehler passiert wie mir. Es tut mir leid, liebes Viagogo, aber auch ich boykottiere dich.

Weil du so unbeliebt bist, hast du sogar deine eigenen Hashtags. Da fühlt man sich bestimmt schon wie etwas Besonderes. #viagogosucks #viagogoisfraud #viagogovictims. Bei Facebook gibt es eine Community, die sich „ViaNogo“ nennt. Sie hat 5.294 Mitglieder, und zeigt, dass ich nicht als einzige ausgetrickst wurde. Deinen Social Media-Ruhm nimmst du still hin. Wie alles andere auch. Was dir bleibt, sind deine Suchmaschinen. Du, als Zweitanbieter, erscheinst in der Anzeige von Google und Co ganz oben, noch vor Eventim, dem Erstanbieter und noch vor deinen Rezensionen. Auch das haben ich und die wahrscheinlich mehr als 5.294 anderen Opfer deiner Dreistigkeit zu spät bemerkt.

Schamlos nutzt du das Widerrufsrecht beim Erwerb von Tickets aus. Es gibt nämlich keins. Nun gibst du, gütig wie du es bist, deinen panischen Käufern die Möglichkeit, die erworbenen Tickets erneut über dich zu verkaufen. Deine Trickkiste ist voll, liebes Viagogo. Im Notfall hast du immer noch ein Ass im Ärmel. Panisch griff auch ich nach meinem Ticketerwerb in deinen Ärmel und stellte meine Karten für jeweils nochmal 10€ mehr bei dir wieder ein, obwohl ich sie schon selbst für mehr als das doppelte des Originalpreises bei dir gekauft hatte. Erst dein Opfer, nun dein Komplize. Nach nicht einmal einer halben Stunde schriebst du mir wieder, dass die Tickets sich verkauft hatten. Von 39€ auf 90€ hattest du ihren Wert erhöht. Da warst du sicher stolz. Vielleicht würde das Opfer nach mir auch zu deinem Komplizen werden und so weiter und so fort. Wer der Käufer nach mir war, durfte ich übrigens auch nicht erfahren.

Das Konzert, zu dem ich wollte, findet am 18. März 2019 statt. Du hast mir gesagt, dass mein Geld für meine weiter verkauften Karten dann acht Tage später auf meinem Konto ist. Am 26. März 2019 also. Da mussten deine Mitarbeiter selber lachen. Das Geld kommt natürlich ohne die Bearbeitungsgebühr von 40€ zurück. Die behältst du. 180€ bekomme ich dann hoffentlich wieder. Das ist die Hälfte meiner Miete. Ich bin Studentin, weißt du? Selbst wenn deine Antwort „ja“ lauten würde, dann wäre es dir sicherlich egal.

Selten habe ich mich so betrogen gefühlt wie von dir. Hiernach verstehst du vielleicht wieso. Ich warte aber gar nicht auf dein Mitgefühl, sondern nur auf mein Geld. Der 26. März 2019 ist in meinem Kalender rot markiert. Ich habe jetzt übrigens richtige Karten bekommen. Für 68€ pro Stück. Wir werden in der 7. Reihe direkt vor der Bühne sitzen und nicht im Oberrang außen. Sie liegen ganz nebenbei bemerkt auch hier direkt bei mir, analog und nicht als PDF-Datei.

Hätte ich damals nicht so eine Panik gehabt keine Karten mehr zu bekommen, hätte ich vermutlich rationaler gehandelt. Dann hätte ich mir erst Rezensionen über dich durchgelesen und mir ein Bild von dir und deinem dubiosen Geschäft gemacht. Hätten das all deine Opfer gemacht, dann wär deine Zeit vielleicht schon abgelaufen. Genauso wie in deinen Countdowns. Aber genau der ist deine Masche, liebes Viagogo. Du, dein Kleingedrucktes und deine virtuellen Interessenten, so kriegt ihr sie alle rum. Panik ist dein Geschäft. Ich hoffe nur nicht mehr lange.

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