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Wieso wir einfach mal nett sein sollten Eine Anleitung zum “netter werden“

Nachdem ich in Gedanken versunken meine Einkäufe in einen Jutebeutel verstaute, sprach mich eine ältere Dame an, wieso ich so traurig gucken würde. Sie lächelte mich freundlich an und ich lächelte zurück, ein wenig erschrocken, dass sie mich einfach so ansprach und ging schließlich mit einem Lächeln nach Hause.

Diese Situation machte mich nachdenklich. Nein, eigentlich nicht nur diese. Als mir ein Mann freundlicherweise die Tür zur Commerzbank aufhielt, wunderte mich auch dies.

Doch wieso wundert es mich, dass eine fremde Person freundlich zu mir ist?

Wir sind es leider nicht mehr gewöhnt.

Fährt man eine Weile mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, läuft durch die Stadt oder beobachtet seine Mitmenschen genauer, ist man umgeben von schlecht gelaunten Passanten, die sich über das Wetter, die Politik, das Land, Zugverspätungen oder die Arbeit beschweren.

Da kommt es doch wirklich nicht häufig vor, dass jemand herzlich lacht oder glücklich mit einem Lächeln im Gesicht in den Bus steigt. Schon seit einer Weile versuche ich diesem Phänomen entgegen zu wirken. Mich bringt es schließlich persönlich nicht viel weiter, mich beispielsweise ständig über den unfreundlichen Professor oder die wiederholte Zugsverspätung zu ärgern. Denn ändern kann ich es dadurch nämlich auch nicht.

Natürlich ist es menschlich, sich mal zu ärgern. Doch wenn wir ehrlich sind, tun wir das manchmal nicht etwas zu häufig? Kaum ist der Himmel grau, haben wir schlechte Laune. Kaum fängt es an zu regnen, ärgern wir uns über den Regen. Sehen wir eine Warteschlange an der Toilette, sind wir genervt. Kommt der Bus zu spät, ärgern wir uns erst recht. Wir meckern, ärgern uns und das strahlen wir aus. Diese Ausstrahlung überträgt sich auf unsere Gesprächspartner und führt zu weiteren Konflikten.

Die Frage der älteren Dame, warum ich traurig gucken würde, rüttelte mich wach und ich überlegte mir, wie ich meinen Tag durch Kleinigkeiten umgestalten könnte und somit netter zu mir selbst und meinen Mitmenschen sein kann.

Ich überlegte mir eine Anleitung zum “netter werden“

Schritt 1:

Mein Tag begann damit, dass ich mich im Spiegel anguckte und lächelte. Einfach nur so. Danach mag man sich denken, wie komisch dieser Augenblick ist, doch allein das ist stimmungsaufhellend.

Schritt 2:

Als ich zum Bus ging, guckte ich nicht nachdenklich durch die Gegend, sondern versuchte, glücklicher zu wirken. Schließlich gibt es oftmals keinen Grund mit einem traurigen Gesicht herumzulaufen.

Ich schenkte fremden Menschen auf der Straße ein Lächeln und sie lächelten zurück. Wie viel wir doch erreichen können, wenn wir einfach nur mal nett sind und einfach nur mal lächeln. Ein einfaches Lächeln, sei es auch ein lautes Lachen, ist ansteckend. Das muss uns nicht peinlich sein. Warum halten wir manchmal die Hand vor den Mund, wenn wir lachen?

Jeder sollte sehen, dass wir glücklich sind und lachen.

Schritt 3:

Der nächste Schritt zum “netter werden“ sind kleine gute Taten. Man sagt schließlich nicht umsonst, dass jeden Tag eine gute Tat uns und unsere Mitmenschen glücklicher macht. Das können Kleinigkeiten sein: Jemandem die Tür aufhalten, den Vortritt in einer Warteschlange lassen, die Einkaufstaschen tragen, einen Kuchen für Freunde oder die Familie backen, die Liste ist endlos.

Schritt 4:

Wenn man dann bereit ist, seinen Mitmenschen nett zu antworten, wenn man nach dem Weg gefragt wird, ist man noch einen Schritt weiter. Das untermalt mit einem Lächeln und schon ist man selbst ein Stückchen glücklicher und unser Gegenüber ebenso.

Bewundernswert, wie schnell man ein unangenehmes, betrübtes Gespräch mit einer positiven Ausstrahlung in ein angenehmes, lockeres Gespräch umwandeln kann.

Schritt 5:

Der letzte Schritt ist meiner Meinung nach auch der schwierigste: Komplimente machen. Kleine, ernst gemeinte Komplimente wie zum Beispiel “schöne Schuhe“. Ein kleines, nett gemeintes Kompliment und schon hat man jemandem den Tag versüßt.

Ein einfaches “Guten Morgen“ würde auch schon reichen, doch in unserer Meckerkultur scheint man Komplimente oder ein einfaches Guten Morgen nicht so nett aufzunehmen, wie es doch eigentlich gemeint ist. Komplimente nehmen wir häufig anders auf, als sie eigentlich gemeint sind.

Eine Youtuberin nahm sich dies zur Challenge und machte fremden Menschen mitten auf der Straße ein Kompliment. Das Ergebnis war erstaunend, denn die meisten Menschen freuten sich natürlich und gingen mit einem Lächeln weiter. Zunächst reagierten viele überrascht, fühlten sich unbehaglich oder fast schon bedrängt, doch im Nachhinein ist es eine nett gemeinte Geste und es sind schließlich freundliche Worte.

Freundliche Worte, die man im Alltag zu wenig hört. Man selbst könnte dies ganz schnell ändern. Wie? Indem wir sagen, was wir schön finden. Sehen wir jemanden, der oder die schöne Schuhe trägt, könnten wir das sagen. Man freut sich nicht nur selber, wenn man schöne Schuhe sieht, auch derjenige, der sie trägt freut sich noch viel mehr über die nett gemeinten Worte.

Wir sollten die Welt ein bisschen positiver sehen. Denn durch eine negative Sicht lässt es sich leicht den Tag versauen. Mich haben diese fünf Schritte glücklicher gemacht und ich denke, dass wir mit solchen Kleinigkeiten offen für das Schöne und Positive im Leben sind und die kleinen Dinge, wie ein kleines Lächeln, mehr wertschätzen als je zuvor.

 

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